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Neuss: Grüner Idealist im Politikbetrieb

Neuss : Grüner Idealist im Politikbetrieb

Hans-Christian Markert kandidiert zum zweiten Mal für die Grünen in Neuss. Und wie schon 2010 ist der Einzug in den Düsseldorfer Landtag über die Landesliste der Partei in Reichweite. Sein politisches Programm kann der Jurist und Landesbeamte auf drei Begriffe komprimieren: "Kinder, Klima und Kommunen."

Jede Kampagne bringt neue Slogans. "Hans-Christian Markert macht den Unterschied", trommelt der 43-Jährige Grünen-Parlamentarierer in seinem zweiten Landtagswahlkampf gerade in eigener Sache, doch ein anderer, "uralter" Zweizeiler der Grünen bringt seine Politikauffassung und Motivation viel klarer auf den Punkt: Wir haben die Welt von unseren Kindern nur geborgt. "Der beste Slogan, den die Grünen je hatten", sagt Markert mit Überzeugung und erklärt so, warum er für die Tour auf dem NGZ-Tandem die Janusz-Korczak-Gesamtschule, die Stadtwerke-Zentrale und das Rathaus als Ziele ausgewählt hat. "Kinder, Klima und Kommune."

Das Rathaus ist für Markert auch Symbol der Demokratie an der Basis und des Zusammenlebens in der Kommune. Foto: Berns, Lothar

Evangelischer Pastor wäre Markert fast geworden und danach beinahe Strafrechtler und Kriminologe. Am Ende entschied sich der gebürtige Ostwestfale für ein Jurastudium mit dem Schwerpunkt Verwaltungsrecht, das ihn, "weil Verwaltungs- auch viel Umweltrecht beinhaltet", wie er sagt, zur Landesverwaltung und in die Politik führte. So unterschiedlich die Berufsziele sind — gemeinsam ist die Basis früh gefestigter Wertvorstellungen, die diesem tastenden Suchen in den Beruf zugrundeliegen und jeden dieser Wege nachvollziehbar gemacht hätten.

Auch die E-Mobility macht die Stadtwerke zum Partner der Energiewende. Foto: Berns, Lothar

In einem politischen Elternhaus erzogen, kam der an der Friedensbewegung interessierte Christ schon mit 16 Jahren über die Anti-Atom-Bewegung zu den Grünen. Dieses "Gerüst" trägt ihn noch immer und lässt Markert den einen als idealistisch, anderen vielleicht eher als doktrinär und "ur-grün" erscheinen. Und Markert sagt Sätze, die wenig geeignet sind, solches zu widerlegen. Etwa wenn er bezüglich Glaubwürdigkeit von Politik fordert: "Politiker sollten nur so lange im Amt bleiben, wie sie noch Ideale haben." Politik machen dürfe nie ein Selbstläufer sein, fügt er hinzu, fordert "mehr Politiker, die unabhängig von der Politik sind" — und weiß, dass er in diesem Punkt fast privilegiert ist. Denn als Beamter kann er jederzeit an einen Schreibtisch im Landes-Umweltministerium zurückkehren.

Atomgegner Markert Foto: Archiv

Markert macht Politik seit er 16 ist und kam mit 19 Jahren als sachkundiger Bürger zu einem ersten Mandat. Die Tatsache, dass er als Landesbediensteter nicht politisch agieren darf, schränkte seine politischen Ambitionen ein. Doch sobald diese Bestimmung nicht mehr galt, bemühte sich der in Kaarst lebende Jurist um ein Kreistagsmandat. Das prägt auch sein Selbstbild von einem "Landespolitiker mit kommunalen Wurzeln".

Mit fast einstimmigen Voten von Stadt- und Kreisverband seiner Partei wurde Markert im Wahlkreis Neuss I für den Landtag als Kandidat nominiert. "Wir freuen uns auf die weitere gute Zusammenarbeit sowie die Unterstützung bei zentralen kommunalpolitischen Themen", formuliert Grünen-Fraktionschef Michael Klinkicht Lob und Erwartung der Neusser Grünen in einem. Dass es dazu kommt, dass Markert wieder ein Mandat erringt, gilt als recht wahrscheinlich, denn die Landespartei setzte ihn auf Platz 18 ihrer Landesliste — bei einem Wahlresultat wie vor zwei Jahren wäre das ein sicherer Platz.

"Eine Gesellschaft hält gut zusammen, wenn man dafür sorgt, dass alle am sozialen und kulturellen Leben teilhaben", betont Markert die kommunale Seite seiner Politik. Das Rathaus, erste Station bei der Radtour auf dem NGZ-Tandem, steht für ihn deshalb auch als Symbol für die Basis der Demokratie und des Zusammenlebens. Dafür müsse man die Kommunen aber auch finanziell entsprechend ausstatten, sagt Markert und betont aus seiner Sicht die Richtigkeit des so genannten Stärkungspaktes, den die rot-grüne Regierung zur Entschuldung der Kommunen angeschoben hat. Ein Pakt allerdings, von dem Neuss nicht profitiert, den die Stadt vielmehr mitfinanzieren müsste.

"Längeres gemeinsames Lernen fördern", wie es an der Janusz-Korczak-Gesamtschule schon praktiziert wird, auch dafür tritt Markert ein. Und er verteidigt die im Schulkompromiss festgeschriebene Sekundarschule. Die große Herausforderung aus seiner Sicht ist in einem zweiten Schritt die Umsetzung der Inklusion, also des gleichberechtigten Miteinanders von Menschen mit und ohne Behinderung. Vor dieser "Generationenaufgabe" stehen allerdings nicht allein die Schulen, sagt Markert, der deshalb die Schirmherrschaft für ein Projekt in Büttgen übernommen hat, wo ein Segelboot für Rollstuhlfahrer entsteht.

Der Atom-Ausstieg und die eingeleitete Energiewende wiederum macht Markert exemplarisch an der Adresse Stadtwerke fest. Denn das Jahrhundertwerk Energiewende brauche dezentrale Strukturen — und Partner wie die Stadtwerke.

(NGZ)