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Neuss: Knebels Kampf mit dem Alltag

Neuss : Knebels Kampf mit dem Alltag

Mit den Mannen seines "Affentheaters" gestaltetet Ruhrpott-Rentner Herbert Knebel einen überaus unterhaltsamen Abend in der ausverkauften Stadthalle. Das Motto: "Der Letzte macht dat Licht aus".

Mut zur Hässlichkeit – das ist wohl augenscheinlich das erste, was man Herbert Knebel und seinen Kumpanen, dem sogenannten Affentheater, attestieren muss. In klassischer Kluft von Ruhrpott-Rentnern, denen Bequemlichkeit vor Optik geht, präsentierten sie auch in der Neusser Stadthalle ihr Programm "Der Letzte macht dat Licht aus".

Der Mut zur Hässlichkeit beschränkt sich bei den vier Herren aus Essen jedoch nicht auf Äußerlichkeiten, sondern auch auf Sprache und Benehmen. Im schönsten Revier-Dialekt kalauerten sich diese gestandenen Mannsbilder durch den Abend und nahmen dabei nicht selten äußerst unvorteilhafte Körperhaltungen ein. Sei es, dass der "Trainer" das Becken so weit vorschob, dass sich sein bestes Stück unter der bis zu den Achseln hochgezogenen Jogginghose abzeichnete, oder sich "Ozzy" Ostermann betont plautzenlastig in Szene setzte. Die ungelenken, ruckartigen Bewegungen des "Frontmannes" Knebel kennt man ja hinlänglich aus dem Fernsehen; an diesem Abend kamen auch noch einige äußerst hüftsteife und daher umso unterhaltsamere Tanzeinlagen hinzu.

Zwischen gekonnt vorgetragener Live-Musik, bei denen Welthits in deutsches Liedgut umgewandelt wurden, das thematisch die erzählten Geschichten aufgriff, schafften es Knebel und Co wieder einmal, Alltägliches so zu präsentieren, dass es das Publikum hier und da vor Lachen beinahe zerrissen hätte. Besonders eindrucksvoll geriet Herberts Besuch bei einer amerikanischen Kaffeekette, wo er mit der Bedienung "Sandro" aneinandergeriet. "Wie, wat fünn Geschmack ich haben will? Wir hatten uns doch schon auf Kaffee geeinigt!" Ein Herbert Knebel ist einfach überfordert mit den Auswahlmöglichkeiten moderner Kaffeehäuser. Das Gleiche bei den möglichen Zusätzen für das Getränk: "Kollege, hau einfach nen Schuss Büchsenmilch in die Plörre!" Und wenn es trotzdem nicht klappt, wechselt man eben das Etablissement. "Ich bin dann rüber zum Tchibo und hab dann da Schneeketten und 'nen neuen Duschvorhang gekauft."

Ebenso blumig gerieten die Beschreibungen einer Italienreise in einem überfüllten Auto: "Boah, glaubse, dat war so heiß, uns is die Brühe bis inne Kimme gelaufen." Die Ankunft gestaltete sich nicht weniger unterhaltsam: "Die Türen von den Skoda auf, um durchzulüften – hömma, da is aber den Itakkern der Kit aus der Brille gefallen." Erholungspausen für das Publikum – Fehlanzeige. Ob Songs wie "Mit 70 hat man noch Träume" oder "Geh mich bloß wech mit Argentinien", ob Geschichten über einen einseitigen Bruch des "Nichtangriffspaktes" im ehelichen Bett oder Penispumpen von der Tankstelle – das Affentheater dauerte den ganzen Abend an und sorgte für ein intensives Lachmuskel-Workout.

(NGZ)