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Neuss: Geisslers "Weihnachtsengel" drohen Prügel

Neuss : Geisslers "Weihnachtsengel" drohen Prügel

Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten gab den Ausschlag für die Radierung des Grafikers Rolf Geissler.

Die Wahl in Amerika hat den Grafiker Rolf Geissler so beschäftigt (und geschockt), dass er gleich drei Versionen seines jährlichen "Weihnachtsengels" gemacht hat. Nr. 35 nimmt damit fast eine Sonderstellung ein unter den Radierungen von der sehr eigenwilligen Himmelsfigur, mit der Geissler alljährlich zur Weihnachtszeit künstlerisch kommentiert, was ihn beschäftigt.

Auf allen Bildern gibt es die Freiheitsstatue. Statt der amerikanischen Verfassung hat sie mal eine Keule, mal ein Fallbeil in der Hand. Immerhin leuchtet ihre Fackel noch. Also doch ein kleines Hoffnungszeichen? Rolf Geissler lächelt nur. Der Engel ist stärker variiert, steht aber in allen drei Versionen für das amerikanische Volk. Die Flügel hängen traurig an den Seiten runter, die Augen sind aufgerissen, der Mund ist es ebenso - doch an wen richtet sich diese demonstrativ sichtbare Ungläubigkeit? An die Statue wie auf dem einen Bild? Nein, Geissler hat sich dafür entschieden, den Betrachter direkt anzusprechen: "Oh Gott, ich kann es gar nicht glauben!" scheint das Engelchen, das es auf die oberste Treppchenstufe geschafft hat, sagen zu wollen und fasst sich an die Stirn. Die Freiheitsstatue ist ein bisschen in den Hintergrund gerückt, schwingt eine Keule gen "Volk".

  • (Symbolbild)
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Kaltnadel-Radierungen sind alle drei, und ausgestellt sind sie am Sonntag im Atelier von Rolf Geissler auch gemeinsam. Und zusammen mit den Arbeiten, die auch das "Weihnachtsengelchen" hätten werden können. Eine zeigt zum Beispiel die Kanzlerin als heiligen Christopherus mit einer Kiepe auf dem Rücken, aus der Flüchtlinge purzeln. Eine andere thematisiert die Syrien-Krise, aber letztlich, so sagt Geissler fast resignierend, kam er an der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA nicht vorbei. Seine Züge finden sich übrigens nicht im Engel, dafür gibt es aber einer dritte Version mit einem besonderen Wahrzeichen: Donald Duck, der die Freiheitsstatue auf eine Art Tablett vor sich herträgt.

Für die wirklich weihnachtliche Atmosphäre sind hingegen die Arbeiten von Regina Bender zuständig. Aus Fundsachen vom Strand hat sie skurrile Wandfiguren gebaut. "Betronische Hausengel", wie sie sie nennt, denn die Bestandteile von Holz über Tau und Muscheln bis hin zu Stoffresten stammen aus der Bretagne. Von Papiercollagen bedeckte Sterne in verschiedenen Größen und gezeichnete und gemalte Engel in verschiedenen Größen komplettieren die Schau.

Info Büttger Straße 74, Sonntag, von 11 bis 20 Uhr

(hbm)