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In Neukirchen-Vluyn engagieren sich Nachbarn vernachlässigter Häuser

In Neukirchen-Vluyn engagieren sich Nachbarn vernachlässigter Häuser : Schrottimmobilien: SPD lädt kritische Bürger ein

Eine Bürgerinitiative macht Druck. Vluyner Häuser sollen möglichst rasch abgerissen werden..

Mit Hartnäckigkeit und Informationsständen, unter anderem in Supermärkten, hat die Bürgerinitiative um den Vluyner Günter Broschk deutlich gemacht: Der Protest für bezahlbaren Wohnraum, für den Abriss von Schrottimmobilien und gegen die nach Meinung der Bürger viel zu langsam handelnde Verwaltung gewinnt an Aufmerksamkeit; auch wenn manche Frage den per Grundgesetz in Artikel 14 garantierten Schutz des Eigentums ignoriert. Bereits in einigen Tagen ist Broschk nach Auskunft von SPD-Fraktionsvize Günter Zeller zu einem Gespräch in den Fraktionsvorstand der Sozialdemokraten geladen: „Denn die Bürger haben ja recht: Es geht alles viel zu langsam!“

Günter Broschk fragt, warum Neukirchen-Vluyn mit zahlreichen Neubaugebieten einerseits zum Mekka von Häuslebauern wird, andererseits aber nicht konsequent gegen Leerstand und Verwahrlosung vorgeht. Bürgermeister Harald Lenßen verweist auf rund 80 Wohnungen, die von einem Großeigentümer aus Köln, der Peach Property, in diesem Jahr saniert werden sollen. Die bislang modernisierten Wohnungen seien rasch vergriffen gewesen, sagte der Projektverantwortliche zur RP. Es stimme also nicht, dass in den alten Immobilien niemand wohnen wolle; die Sanierung gehe aber eben immer nur Zug um Zug. Auch hatte der Bürgermeister wiederholt deutlich gemacht, dass es sich bei all den genannten Immobilien um Privateigentum handelt, was die Möglichkeiten der Stadt stark begrenze.

„Da hat der Bürgermeister von Neukirchen-Vluyn Recht. Der öffentlichen Hand sind im Umgang mit privaten Immobilien enge Grenzen gesetzt“, sagte Michael Buser, Geschäftsführer von Haus & Grund, der Lobby von Haus- und Wohnungseigentümern. Falls Investor und Rathaus nicht an einem Strang zögen, könne es einen mehrjährigen jährigen Stillstand geben. „Vor allem, wenn niemand in den Häusern wohnt, fehlen der Stadt weitgehend die Druckmittel, um Verfahren zu beschleunigen“, so Buser.

In der ersten von vier Bürgerversammlung hatte Bürgermeister Harald Lenßen am vergangenen Donnerstag die Hoffnung geäußert, dass das Schand-Hochhaus von Vluyn noch im Laufe dieses Jahres in einer Zwangsversteigerung komme. Ende 2018 hatte die Politik im Stadtrat zudem beschlossen, den Vluyner Norden zu einem Sanierungsgebiet zu erklären, um ein größeres Mitspracherecht bei Ausmaß und Tempo der Sanierung zu haben. Der Parteienstreit hat Pause. „Momentan scheinen alle im Rat an einem Strang zu ziehen – und mir scheint es so, als sei auch dem Bürgermeister der Kragen geplatzt“, urteilt Sozialdemokrat Zeller.