Pro Bahn fordert mehr Einsatz für den NV-Express.

Neukirchen-Vluyn : Vluyner Gleis braucht mehr Dampf!

Plädoyer des Fahrgastverbandes Pro Bahn für Personenzüge von Moers über Neukirchen nach Vluyn. Bürgermeister Harald Lenßen soll in Düsseldorf mehr Druck machen! Niederrheinbahn als Alternative zu überfüllten Straßen.

Der Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Hubert Dieregsweiler, hat ein gutes Gedächtnis. Bereits 1996 hätten Gutachter im Auftrag seines Verbandes die Wirtschaftlichkeit des Personennahverkehrs auf der Schiene am linken Niederrhein nachgewiesen. „Darin war ausdrücklich auch das Gleis nach Vluyn eingeschlossen. Und daran hat sich unserer Meinung nach bis heute nichts geändert“, sagte Dieregsweiler am Dienstagnachmittag der RP. Noch habe die Strecke nach Neukirchen-Vluyn eine Lizenz zur Personenbeförderung. „Dies sollte man nicht leichtfertig aufgeben.“

Dieregsweiler widersprach damit Bürgermeister Harald Lenßen, der die Idee vom Nahverkehrszug westlich von Moers mittlerweile für ausgesprochen unrealistisch hält. Der RP hatte Lenßen vor einigen Tagen gesagt, um das ehemalige Bergbaugleis an das Netz der Deutschen Bahn anzuschließen, sei in Moers ein teures Brückenbauwerk nötig. Zudem müsse auf dem Gelände einer Firma eine ganze Industriehalle abgerissen werden. Dies erfordere hohe Entschädigungszahlungen. Aus der Sicht von Lenßen sollten die vielen Steuermillionen lieber sinnvoller angelegt werden.

Die Neukirchen-Vluyner CDU fordert auf der alten Industriebahntrasse einen Radschnellweg. Die Moerser SPD bringt elektrische Omnibusse ins Spiel, die über die von Schienen befreite Bahntrasse am Pendlerstau vorbei gleiten könnten.

Von solcher Zukunftsmusik will Hubert Dieregsweiler nichts wissen. Aus seiner Sicht hat der Bürgermeister von Kamp-Lintfort vorgemacht, wie es geht: „Der hat sich richtig reingehängt – und nun gibt es gute Chancen, dass die Strecke nach Kamp-Lintfort bereits 2020 zur Landesgartenschau in Betrieb gehen kann“, lobt Dieregsweiler. Im Namen des Verbands Pro Bahn hofft er, dass der Bahnanschluss tatsächlich pünktlich zur Landesgartenschau in Kamp-Lintfort die Besucher anliefert: „Erwartet werden sicherlich auch viele Gartenfreunde in einem höheren Alter, die sehr dankbar für solch eine Verbindung sein werden.“ Die Bahn werde die jetzt schon angespannte Verkehrslage deutlich entlasten.

Das erfordere allerdings den Einsatz aller Politiker von Neukirchen-Vluyn. Den notwendigen Effet vermisst der Pro Bahn-Sprecher für die hiesige Region vor allem im Rathaus der Stadt.

Das Kostenargument will er nicht gelten lassen: „Hierbei handelt es sich um eine Infrastrukturmaßnahme der Öffentlichen Hand. Die kann man nicht betrachten als handele es sich um die Investition in der Privatwirtschaft.“ Anhand der zahlreichen kaputten Straßenbrücken, zum Beispiel über den Rhein, sehe man schließlich, wohin das krampfhafte Festhalten an einer schwarzen Null auf Bundesebene die öffentliche Infrastruktur mittlerweile gebracht habe: „Nun muss alles teuer repariert oder hastig geflickt werden.“

Wie soll die Politik vorgehen, um den Personenzug in Richtung Neukirchen-Vluyn auf die Schiene zu setzen? Hubert Dieregsweiler hofft auf die Schubkraft der durch Kamp-Lintfort geschaffenen Fakten. Wenn die Zugverbindung von dort aus in Richtung Ruhrgebiet Erfolge feiere, werde dies den Druck auf Neukirchen-Vluyn erhöhen, es der Nachbarstadt nachzumachen. Selbst die zwei Jahrzehnte alte Idee von den Bahnen aus beiden Städten, die in Moers zu einem Zug Richtung Ruhrgebiet miteinander verbunden werden, habe nichts von ihrer ursprünglichen Attraktivität verloren. Nur eines bedauert der Pro Bahn-Sprecher außerordentlich: „Hätte man schon 1996 auf unsere Gutachter gehört, könnte die Niederrheinbahn längst fahren.“

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