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Der Problemturm in Neukirchen-Vluyn

Seit Jahren diskutieren die Vluyner über den Schandfleck : Der Problemturm in Vluyn

Das Hochhaus am Vluyner Nordring ist ein Schandfleck. Bürger fordern den Abriss. Doch Eigentum ist vor öffentlichem Zugriff geschützt.

Seit gestern gibt es eine neue Versprechung zum Schmuddelriesen von Vluyn. „Wir haben am 18. Dezember ein internes Meeting und wissen dann hoffentlich, wie es weitergeht“, sagte am Dienstagnachmittag der Projektleiter von „NV Immo eins“, Anis Saad, gegenüber der Rheinischen Post. Bürgermeister Lenßen halte engen Kontakt zum Eigentümer des Hochhauses Vluyner Nordring 59 und habe auf den Zorn der Bürger hingewiesen. Saad gab sich am Telefon zerknirscht über den jahrelangen Stillstand: „Dem Eigentümer, Herr Willis, ist überraschend ein Investor verstorben. Und es hat etwas gedauert, neue Investoren zu finden.“ Die sind nun angeblich da. Schon bald könne man hoffentlich die erneuerten Bauanträge einreichen.

Solche Ankündigung hat Bürgermeister Harald Lenßen schon oft gehört. „Seit meinem ersten Tag im Amt, dem 21. Oktober 2009, verfolgt mich dieses Problem.“ Am erbarmungswürdigen Zustand der Immobilie mit zerschlagen Fenstern und abgelösten Fassadenteilen hat sich nichts geändert. Privateigentum verpflichtet zwar, wie es im Grundgesetz steht, es ist aber zugleich vor öffentlichem Zugriff geschützt. Längst sei die Stadt dabei, das Areal um den Vluyner Nordring als Sanierungsgebiet auszuweisen. Das würde der Verwaltung mehr Hebel in die Hand geben.

Billig würde eine städtische Lösung nicht. Der Abriss der möglicherweise Asbest enthaltenden Immobilie und der Nebengebäude würde mehr als 1,6 Millionen Euro kosten – viele hunderttausend Euro mehr, als sich durch einen anschließenden Grundstücksverkauf erzielen ließe. Zudem zeigt ein Blick in eine Fachbroschüre des Bundesbauministeriums in Berlin und Beispiele aus anderen Städten, dass sogenannte Problemimmobilien erst nach jahrelangem Tauziehen vor Gericht in den Griff zu bekommen sind.

Dennoch klagt Günter Broschk: „Der Bürgermeister hat es an Konsequenz fehlen lassen.“ Er wird mit einem Infostand am kommenden Samstag bei einem Supermarkt in Neukirchen stehen und kein gutes Haar an Rathausbeamten und Bürgermeister lassen. „Wir Bürger sind es leid, dauernd auf diesen Schandfleck schauen zu müssen. Und ein Weltunternehmen wie Trox werde durch solch eine Nachbarschaft ebenfalls aus der Stadt getrieben. Enttäuschung und Wut sind groß. Auch der in Neukirchen-Vluyn gern bemühte Satz: „In Kamp-Lintfort geht das viel schneller“ fehlt nicht. Letztlich, schimpft Broschk, hätte die Stadt bei der Zwangsversteigerung im Jahr 2015 mitbieten müssen.“ Selbst wenn die Erkenntnis richtig wäre, ist sie untauglich zur aktuellen Problemlösung.

Zumal Broschk gleich ganze Areale als „abrissreif“ in seine Anklage einbezieht: „Am Kiefernweg wurden 70er Jahre Immobilien saniert. Und mindestens die Hälfte von denen steht jetzt leer.“ Dem widerspricht Marc Sesterhenn, Asset Manager des Eigentümers Peach Property: „Wir sanieren unseren Immobilienbestand in Neukirchen-Vluyn, Zug um Zug. Am Kiefernweg konnten alle sanierten Wohnungen rasch wieder vermietet werden.“ Die noch verbleibenden drei Häuser würden bis zum 1. Quartal 2020 aufgebarbeitet. Ähnliches gelte für den Vluyner Norden. Sesterhenn: „Für uns ist das eine Erfolgsgeschichte.“