Nettetal: Seit 700 Jahren im Kreis verwurzelt

Nettetal: Seit 700 Jahren im Kreis verwurzelt

Die Geschichte der Familie Rankers aus Breyell ist auch ein Stück Heimatgeschichte. Reinhard Rankers erforscht die Wege seiner Vorfahren. Seine Familie ist seit Jahrhunderten im Kreis Viersen zu Hause

Als Reinhard Rankers noch ein Junge war, half er oft in der Backstube seines Vaters im Breyeller Schmaxbruch aus. "Ich durfte oder musste helfen", sagt der heute 69-Jährige schmunzelnd. Bei der Arbeit wurde in der Backstube viel erzählt. Und so erfuhr der kleine Reinhard von all den Geschichten, die sich um das Leben von Großeltern, Onkeln und Tanten rankten. Als Zwölfjähriger malte er den Stammbaum seiner Familie auf Papier. Das war der Anfang.

Die Großeltern mütterlicherseits: Else Gattawis und Johann Tennigkeit. Foto: Repro: Rankers

Heute reicht ein Blatt Papier, auch ein großes, längst nicht mehr aus. Im Laufe der Jahre hat Rankers immer weiter geforscht, ist den Spuren seiner Vorfahren nachgegangen in Archiven, Kirchenbüchern und im Internet. Seine Familiengeschichte ist ein Stück Heimatgeschichte, das weiß Rankers inzwischen. Denn die Rankers sind seit Jahrhunderten im Kreis Viersen zu Hause.

Die Eltern von Reinhard Rankers: Jutta Tennigkeit und Franz Rankers. Foto: Repro: Rankers

Für die Familienforschung nutzt der promovierte Chemiker, der an der RWTH Aachen das Institut für Bauforschung leitete und sich heute im Ruhestand unter anderem im Breyeller Förderverein Alter Kirchturm engagiert, längst den Computer. Eine Software, für Familienforscher entwickelt, erleichtert es ihm, die Namen, Geburts- und Sterbedaten seiner Vorfahren zu erfassen. Allein die Daten verraten ihm schon viel über ihr Leben. Unter anderem hat Rankers festgestellt: "Ich bin seit vier Generationen der älteste Mann in der Familie." Der Vater und die Großväter starben in jüngeren Jahren.

Die Großeltern väterlicherseits: Franz Rankers und Anna Dewey. Foto: Repro: Rankers

Eine gute Basis für Rankers' Forschungen waren die zahlreichen Dokumente, die in der Familie aufbewahrt wurden. Dazu zählen Erb- und Kaufverträge ab 1830, viele Fotos und Dinge, die niemand wegwerfen wollte: der Brotstempel etwa, mit dem der Großvater seine Initialen auf jedes Brot drückte, Bierkrüge mit Namen im Deckel, die an die Gäste erinnern, die einst die Wirtschaft der Familie im Schmaxbruch besuchten, oder ein Wanderbüchlein, das der Großvater als Geselle mit sich führte und in dem anhand der Stempel nachzulesen ist, in welchen Orten er Station machte.

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1991 erhielt Rankers einen Brief von einem entfernten Verwandten in Erkelenz. Der hieß ebenfalls Rankers und war als Familienforscher der Geschichte der Vorfahren auf der Spur. Bis ins 14. Jahrhundert, so zeigte sich, konnte man die Geschichte der Rankers zurückverfolgen - bis zum Rankers-Hof in Grefrath-Vinkrath, der damals als Mannslehen auch an Bauern vergeben wurde. Die älteste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1326. So führt die Spur der Rankers von Breyell nach Straelen, Wankum und Grefrath, doch so arg weit weg zog es sie offenbar nie. Erst mit der Hochzeit von Reinhard Rankers' Eltern kamen Vorfahren hinzu, die aus der Umgebung von Königsberg (heute Kaliningrad in Russland) stammten: Dort wuchs Rankers' Mutter Jutta Tennigkeit auf. Der Vater, Johann, war Bäcker in Königsberg. 1945 floh Jutta Tennigkeit in den Westen, heiratete den in Breyell geborenen Franz Rankers. Das Paar bekam vier Söhne. Einer von ihnen: Reinhard.

Seinen Stammbaum hat Reinhard Rankers im Laufe der Zeit so gut zurückverfolgt, wie er nur konnte. Abgeschlossen ist das Projekt nicht, doch die Quellen werden spärlicher, je weiter man in der Geschichte zurückgeht. "Das ist wie ein Puzzlespiel", erklärt Rankers seine Motivation, "wie in der Wissenschaft. Man kann immer weiter forschen".

Die Beschäftigung mit der Familiengeschichte hält Rankers auch deshalb für interessant, weil sich weit über die Sammlung von Daten hinaus Fragestellungen für das eigene Leben ergeben. Dazu zählt die Erkenntnis, dass nicht alles neu ist, was heute als neu betrachtet wird. Rankers: "Viele Jüngere beklagen heute, dass sie den Beruf wechseln müssen, um auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen. Dabei zeigt der Blick in die Geschichte, dass man früher häufig den Beruf wechselte, um sich an die Gegebenheiten anzupassen." Dazu gehört auch der Wohnungswechsel: "Wer nicht zur Oberschicht gehörte, wechselte häufig die Wohnung. Die Leute mussten kämpfen", sagt Rankers. Für ihn hingegen sei es nie in Frage gekommen, Breyell zu verlassen, "aber das liegt wahrscheinlich an der eigenen Scholle - und an meinem Gemüsegarten".

(RP)