Nettetal: Ehefrau soll von Betrug gewusst haben

Nettetal: Ehefrau soll von Betrug gewusst haben

Im Prozess gegen das Nettetaler Ehepaar Kurt und Christa S. belasten die Zeugen am dritten Verhandlungstag die 69-jährige Ehefrau. Sie soll die Geldströme gelenkt haben. Eines der Verfahren wurde eingestellt

Am dritten Verhandlungstag gegen ein Nettetaler Ehepaar wegen gewerbsmäßigen Betrugs werden vor dem Krefelder Landgericht weitere Zeugen gehört. Christa (69) und Kurt S. (79) sollen Anleger um ihre Ersparnisse gebracht haben.

Rentnerin Margarethe V. habe 1956 eine Versicherung bei Kurt S. abgeschlossen, sie beschreibt vor Gericht ein "Vertrauensverhältnis" zu dem Angeklagten. Als eine bestehende Geldanlage im Jahr 2012 ausgelaufen sei, habe der Angeklagte ihr "einen doppelt so hohen Zinssatz wie die Bank in Höhe von fünf Prozent" geboten, sagt die 81-Jährige. Sie zahlte 12.000 Euro ein, später weitere 10.000 Euro. Über die Art der Anlage sei nicht gesprochen worden, ihr sei es um eine gute Verzinsung gegangen. "Ich erhalte eine Rente von nicht einmal 500 Euro, bin darauf angewiesen, mich abzusichern", sagt sie.

Für den ersten Geldbetrag habe sie jährlich die Zinsen in bar von Kurt S. erhalten, dann sei ein Schreiben vom Insolvenzverwalter gekommen. "Da wurde mir klar, dass ich mein Geld nicht zurückbekommen werde", sagt sie. Auch Christa S. habe sie kennengelernt, die Ehefrau sei jedoch bei den Absprachen nicht anwesend gewesen. Aber: "Als ich Herrn S. einmal fragte, an wen ich mich wenden solle, wenn ihm mal etwas passieren würde, sagte er, ich solle mich dann an seine Frau wenden", sagt die Zeugin.

Auch Frank C. (47) kennt Kurt S. "seit ewigen Zeiten", bereits Vater und Großvater hätten bei ihm Versicherungen abgeschlossen. Der Zeuge finanzierte teilweise sein Privathaus über den Angeklagten und tätigte zudem 2010 eine Anlage über 90.000 Euro bei Kurt S. "Erst 2012 konnte ich das Darlehen für das Haus tilgen, daher nahm ich das Angebot von S., das Geld für zwei Jahre bei ihm anzulegen, an", erinnert sich der Zeuge. Ausgemacht worden sei ein Prozentsatz von 4,5. "Das waren zu der Zeit etwa ein bis 1,5 Prozent über Bankenniveau, daher bin ich nicht stutzig geworden", sagt Frank C. S. habe diese Kundengelder gebündelt bei der Schweizer Helvetia-Versicherung anlegen wollen, er erhalte so bessere Konditionen, hieß es damals. "Ich erhielt eine Bescheinigung über die Anlage sowie Zinsbescheinigungen, leider stellten sich diese später als fiktiv heraus", sagt der Zeuge.

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Christa S. habe diese ausgestellt, sei auch bei dem Gespräch anwesend gewesen. Kurt S. habe gesagt: "Diese Anlageform betreut meine Frau." 2011 kündigte C. die Anlage vorzeitig, er habe die Zusage erhalten, dass das Geld am 30. November ausbezahlt würde. Erst 2012 habe er 20.000 Euro erhalten, der Rest sollte eine Woche später folgen. "Ich habe mehrfach die Bonität von S. bei einem Inkasso-Dienstleister abgefragt, diese war immer gut, 2013 sogar besser als 2012." Als das restliche Geld nicht mehr kamen, versuchte C., diese zivilrechtlich geltend zu machen - ohne Erfolg.

Gerda-Marie P. kennt die Angeklagten aus dem Restaurant, das sie mit ihrem Mann führte: "Wir lernten S. als Gast kennen, es entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis." Sie stiegen 1991 bei S. ein, sollten zehn Prozent Zinsen für ihre Altersvorsorge erhalten. Bis Februar 2011 hätten sie diese auch jährlich erhalten, immer einen Teil in bar, einen per Scheck. Laut der Zeugin müsse Christa S. von den Aktivitäten ihres Mannes gewusst haben: "Sie lenkte die Geldströme, war jeden Tag zwei Stunden in Lobberich bei den verschiedenen Banken."

Christine M. legte im Jahr 1996 15.000 Mark bei Kurt S. an. Bis 2004 soll die heute 57-Jährige regelmäßig von der Tochter der Angeklagten wegen einer erneuten Anlage kontaktiert worden sein. Dabei seien ihr 15 Prozent Zinsen versprochen worden. Alle paar Monate habe die Tochter Beträge zwischen 3500 und 30.000 Euro in bar abgeholt, diese quittiert, in Summe 100.000 Euro. Bei einem Anruf im Jahr 2004 habe die Zeugin dann aber erfahren, dass die Tochter gar nicht mehr in ihrem Büro arbeite. "Die Eltern fielen aus allen Wolken, weil die Tochter Geldgeschäfte mit uns machte, die nicht dokumentiert waren", sagt sie. Trotzdem tätigte M. 2011 nochmals eine Anlage über 15.000 Euro mit Kurt S. Die Zinsen in Höhe von sechs Prozent habe sie nicht erhalten.

Die Kammer schloss vorläufig das Verfahren von Hans-Josef P., da dieser aus gesundheitlichen Gründen nicht habe aussagen können und ein Großteil seiner Anlage zurückgezahlt worden sei. Für die Ermittlung des Strafmaßes sei die Anklage jedoch zugelassen.

(eva)