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Nettetal: Mit Schwimmflügeln ging's durch den Schnee

Nettetal : Mit Schwimmflügeln ging's durch den Schnee

RP-Mitarbeiter und Rhenania-Kicker Matthias Mertens nahm am Waldlauf des VfL Hinsbeck teil – wegen einer Wette spärlich bekleidet.

RP-Mitarbeiter und Rhenania-Kicker Matthias Mertens nahm am Waldlauf des VfL Hinsbeck teil — wegen einer Wette spärlich bekleidet.

Noch wenige Züge bis zum Ziel. Die Badekappe ist verrutscht. Trotzdem kämpfe ich weiter. Endlich im Ziel. Das waren meine letzten Gedanken, bevor ich schließlich die Ziellinie überquert habe. Doch ich habe weder an einem Wettschwimmen noch an einem Triathlon teilgenommen, sondern am 21. Waldlauf des VfL Hinsbeck.

Um die Geschichte besser zu erklären, muss ich zu meinem 19. Geburtstag zurückkehren. Da ich die anspruchsvolle Aufnahmeprüfung der Sporthochschule in Köln bestreiten werde, bekam ich von meinen besten Freunden die notwendigen Schwimmutensilien geschenkt. Neben einer Badekappe und einer eng anliegenden Badehose waren spaßeshalber auch Schwimmflügel, wie sie kleine Kinder zum Schwimmen benötigen, in der Geschenkbox. Aber alle zweifelten an meinem Mut, all diese Dinge auch wirklich anzuziehen. So beharrte meine Schwester Antonia auf die Wette, mit voller Schwimmmontur am Waldlauf in Hinsbeck teilzunehmen.

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Da es im Dezember und auch Anfang Januar erstaunlich warm war, machte ich mir wenig Sorgen, so leicht bekleidet durch den Wald zu laufen. Als es aber vor anderthalb Wochen zum Kälteeinbruch kam, fing auch ich an, skeptisch zu werden. Der enorme Schneefall ließ mich schließlich das gesamte Vorhaben infrage stellen. Doch da ich die Wette nicht zurückziehen wollte, musste ich wohl oder übel am Samstagvormittag meinen Mann stehen.

Um nicht schon vor dem Rennen zu unterkühlen, ließ ich erst wenige Augenblicke vor dem Startschuss die Hüllen fallen. Das Erstaunen bei den ambitionierten Läufern war ebenso enorm wie das Gelächter der Zuschauer. Ohne auf meine Konkurrenten zu achten, lief ich der Kälte trotzig entgegen. Schnell setzten sich zwei athletische Sportler von mir ab, aber auch ich konnte das Hauptfeld zügig hinter mir lassen. Einsam befand ich mich nun inmitten des Waldes.

Die großen Nadelbäume schützten mich zwar vor kaltem Wind, doch der Schnee am Boden ließ die Kälte in meinem Körper hinaufziehen. Hier und da kamen mir einige Fußgänger entgegen, die entweder unverständlich den Kopf schüttelten oder ihr Handy zückten, um dieses surreale Bild festzuhalten. Eltern, die mit ihren Kindern eine Schlittentour unternahmen, kamen in Erklärungsnot, und vereinzelte Anfeuerungsrufe wie "Nur die Harten kommen in den Garten!" konnte ich auch vernehmen.

Leider war die Kälte an diesem Tag nicht mein einziger Gegner. Nicht umsonst werden die Hinsbecker Höhen im Volksmund auch als Hinsbecker Schweiz bezeichnet. Immer wieder musste ich mich über Hügel quälen, um schließlich am Hauptanstieg der Kaiserallee fast völlig zu resignieren. Die eisige Luft in meinen Lungen und meine schweren Beine, die sich unaufhaltsam mit Laktat füllten, zwangen mich fast zum Aufgeben.

Nur Dank der verbalen Unterstützung der Streckenposten, denen ich meinen vollen Respekt für ihren stundenlangen Einsatz in der Kälte zolle, ließ ich mich nicht entmutigen und so schlitterte völlig erschöpft ins Ziel. Zwar war das Gelächter immer noch groß, doch waren die meisten von meinem Mut begeistert. Sofort standen einige Helfer des VfL parat und reichten mir einen heißen Tee.

(mat)