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Nettetal: Turnhalle brachte mehr Sport ins Dorf

Nettetal : Turnhalle brachte mehr Sport ins Dorf

Vor 40 Jahren wandelten sich die DJK Sportfreunde Leuth mit der Eröffnung der Sporthalle am Buscher Weg vom nahezu reinen Fußball- zum Mehrspartenverein. Die Mitgliederzahl hat sich seitdem vervierfacht.

Das Redemanuskript steckte schon in der Tasche, der dunkle Anzug lag bereit, als ein Anruf aus dem Polizeipräsidium Mönchengladbach kam: Klaus Breuer musste das Ehrenamt des Sportfreunde-Vorsitzenden ruhen lassen und als Kripo-Kommissar nach Geldern eilen, um eine Brandstiftungsserie aufzuklären.

So freute sich am Sonntag, 14. Februar 1973, sein Stellvertreter Franz Niehr für alle Leuther Bürger, dass es in Nettetals kleinstem Stadtteil nun auch eine Turnhalle gab. Damit hatte die Pausenhalle der Schule als Sportstätte ausgedient.

Die Halle hatte der Leuther Gemeinderat noch im letzten Quartal der Selbstständigkeit der neuen Stadt Nettetal mit in die Wiege gelegt, weil ab 1. Januar 1970 der "Untergang Leuths" befürchtet wurde. 1968/69 war noch der Sportplatz mit Umkleidekabinen, Hausmeisterwohnung und Beleuchtung auf Vordermann gebracht worden, zur Halle reichte es dann nicht mehr. Allerdings folgte der Nettetaler Stadtrat nicht den Leuther Wünschen nach Mehrzweckhalle mit 18 mal 33 Meter großem Spielfeld, Zuschauertribüne und Räumen für Gastronomie.

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Das 1,5 Mio. DM-Projekt wurde auf die Hälfte gekürzt, heraus kam eine 15 mal 28 Meter große Turnhalle mit den entsprechenden Nebenräumen. Das Krefelder Unternehmen Eigen Ossmann baute die Halle schlüsselfertig innerhalb von acht Monaten für 720 000 Mark; hinzu kamen noch 32 000 Mark für die Einrichtung.

Umstritten war zunächst der Standort: am Sportplatz außerhalb des Ortes, an der Schule (wo heute der Netteverband seine Halle hat) oder zwischen Feuerwehr und Kirche? Die Wahl fiel schließlich auf das Gelände am Feuerwehrgerätehaus: Genügend Parkplatz war dort auch vorhanden. Die Leuther Halle war die zehnte Turnhalle in Nettetal, wie Bürgermeister Karl Reulen bei der Übergabe an die Sportler betonte. Gleichzeitig versicherte er, die Stadt werde auch "weiterhin alles Notwendige für die Daseinsfürsorge" der Leuther Bürger tun.

Schon vor der Inbetriebnahme der Halle waren Überlegungen für den Vereinssport angestellt worden. "Wir wollten unter dem Dach der DJK einen Mehrspartenverein etablieren, der dem Dorf gerecht wird", erinnert sich Klaus Breuer. Die Muttiriege hatte bisher beim TSV Kaldenkirchen Gastrecht genossen — sie stand unter Leitung von Rosemarie Funken auf eigenem Hallenboden. Hans Funken baute die Tischtennisabteilung auf; er hatte zuvor in Breyell gespielt. Inge Krasch kümmerte sich um Badminton (damals noch "Federball" genannt), Uli Krasch um Hallentennis. Das Kinderturnen nahmen Ursula Wefers, Annemie Sötje und Margot Breuer in die Hand.

Die Fußballer waren anfangs nicht sonderlich erbaut von der sportlichen Konkurrenz im eigenen Verein, wanderten doch einige von ihnen ab zu den neuen Abteilungen. Die Eifersüchteleien haben sich inzwischen gelegt, hat sich doch die Mitgliederzahl von einst 120 inzwischen vervierfacht. Und auch die "Neuen" haben dazu beigetragen, dass die Fußballer 2012 ihren Kunstrasenplatz bekommen haben. Die Halle ist sozusagen von morgens bis abends ausgebucht, denn sie wird neben der Leuther auch von anderen Nettetaler Schulen zum Sportunterricht genutzt.

Der heutige DJK-Vorsitzende Rainer Lutz, der vom Tischtennis kommt, kann sich den Verein ohne Hallensport-Abteilungen eigentlich nicht mehr vorstellen: "Die Sportfreunde können so allen Bürgern ein Angebot machen und sind mit gut 450 Mitgliedern eine starke Stimme im Nettetaler Sport." Wie sportlich an "40 Jahre Turnhalle Leuth" erinnert werden soll, hat der Vorstand auf seiner Sitzung am gestrigen Donnerstagabend beraten.

(mme)