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Nettetal: Die Möhnen werden auf den Hof gejagt

Nettetal : Die Möhnen werden auf den Hof gejagt

Die Stadt schränkt das Altweibertreiben im Rathaus drastisch ein: Der Möhnensturm endet mit der Schlüsselübergabe auf einer Bühne im Hof des Rathauses. Ihre Laune lassen die Aktricen sich bei allem Ärger darüber nicht verderben.

"Denn wenn et Trömmelche jeht, dann stonn mer all parat, un mer trekken durch de Stadt, un jeder hätt jesaht...", die Nettetaler Möhnen stehen für ihren großen Tag in der fünften Jahreszeit am Altweiberdonnerstag parat. Doch gibt es erneut einen Wermutstropfen. Der Zugang zum Rathaussturm bleibt eingeschränkt. Und er wird "in diesem Jahr nochmals überarbeitet", verkündet Arndt Venten, Pressesprecher der Stadt.

So "dürfen" die Möhnen das Rathaus zwar stürmen, "aber es ist geplant, dass die Möhnen mit dem Bürgermeister und dem Prinzenpaar in den Innenhof des Rathauses kommen und auf einer dort aufgebauten Bühne die Schlüsselübergabe stattfindet", erklärt Venten.

Andrea Hüpen, Iris Kuckhoff und Karin Herbers sind enttäuscht. "Das Brauchtum wird immer mehr eingeschränkt und kaputtgemacht", ärgern sie sich. "Man müsste einfach am Rathaus vorbeiziehen", sinnieren sie. Im Internet hat sich bereits eine Möhnen-Fraktion bei Facebook gebildet.

Wie stark die Macht der Nettetaler Möhnen ist, zeigte sich im bereits im vergangenen Jahr. Weil die Stadt im Jahr zuvor den Rathaussturm zeitlich vorverlegt hatte, gingen die Möhnen zum Bürgermeister. Der gab angesichts geballter Möhnenschar klein bei und verlegte den Rathaussturm wieder auf den Nachmittag. Dafür verbannt er die darüber erbosten Möhnen in diesem Jahr aus dem Rathaus.

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Weil Andrea Hüpen und ihre alten Weiber aus der Kita am Lobbericher Birkenweg alle "knatschdoll" sind, haben sie alle schon einmal ihre Masken, Hüte und Perücken aufgesetzt. Mit kräftigem Helau — das klappt übrigens bei den "alten" Weibern schon heute auf Kommando — ziehen sie im Altweiber-Outfit durch ihre Kindertagesstätte, allerdings verfolgt von den verwunderten Blicken der ratlos wirkenden Reinigungskräfte.

Andrea Hüpen, Karin Herbers und Iris Kuckhoff kommen schon drei Wochen vor dem Altweibertag mühelos in närrische Hochstimmung. Die Helau-Rufe werden lauter. Die Möhnen, sonst ganz normale, brave und zuverlässige Erzieherinnen, sind schon beim Probelauf nicht mehr wiederzuerkennen. Und wenn der Tag endlich da ist, herrscht bei den Kita-Mitarbeiterinnen ohnehin der Ausnahmezustand.

"Dann geht nichts mehr", gesteht Andrea Hüpen, die mehr als 23 Jahren beim Altweibersturm mitmacht und jedes Jahr, zum Schwitzen verurteilt, zum alten Weib wird. Die Möhnen treffen sich wieder bei Stiels-Boos. "Von dort aus ziehen wir in einem Tross mit musikalischer Begleitung durch den Ort", verkündet sie. Vorher suchen sie nach alter Sitte Banken und einige Einzelhändler in Lobberich heim. "Die Schinkenwurst bei Buschmann ist zum Ritual geworden, die darf nicht fehlen", sagen sie. "Einige Einzelhändler sind lernfähig. Wurden wir früher blöd angeguckt, stehen jetzt Sekt und Knabbereien parat", schmunzelt Andrea Hüpen. Und singt die Möhnenschar, ist ihr karnevalistisches Repertoire ist enorm.

(ivb)