Nettetal: Fachseminar zieht weg nach Viersen

Nettetal : Fachseminar zieht weg nach Viersen

Der Caritasverband unternimmt einen letzten Versuch, die Ausbildung in der Altenpflege auskömmlich zu organisieren. Nach 22 Jahren zieht er das Seminar in Breyell ab. Das Land, so der Vorwurf, gebe zu wenig Geld und senke Standards.

Das Altenpflegeseminar des Caritasverbandes in der Region Kempen-Viersen verlässt im Sommer nach 22 Jahren Nettetal. Es zieht als dann zweizügige Einrichtung um nach Viersen in Räume des Allgemeinen Krankenhauses (AKH). Geschäftsführer Peter Babinetz begründete dies im Nettetaler Sozialausschuss mit wirtschaftlichen Notwendigkeiten. Der Verband habe sich selbst eine Frist von drei Jahren gesetzt, in der er entscheiden wird, ob das Seminar überhaupt dauerhaft fortgeführt wird.

Der Caritasverband hatte im Sommer 2012 bereits Alarm geschlagen. NRW-Gesundheitsministerin Barabara Steffens (Grüne) hatte einen Tag vor dem Start eines neuen Kurses in Breyell die zugesagte Förderung von 25 auf 22 Plätze gedeckelt. Sie habe kein Geld. Die Landtagsabgeordneten Optendrenk und Berger intervenierten auf Bitte des Caritasverbandes und erreichten kurz vor Jahresende 2012, dass die Kürzung aufgehoben wurde. Schon damals beklagte der Caritasverband aber, unabhängig von diesem Vorgang, ein aufgelaufenes Defizit in Höhe von rund 50 000 Euro für die Jahre 2010 bis 2012.

Die Caritas erhält eine monatliche Förderung von 280 Euro je Schüler. Das sei viel zu wenig, berichtete Babinetz jetzt im Sozialausschuss. Er benötige, um auskömmlich wirtschaften zu können, 360 Euro. Schon 2012 hatte die Caritas beklagt, dass Krankenhäuser für die nahezu identische Ausbildung von Krankenschwestern fast die doppelte Förderung erhielten.

Die Landesregierung handele "abstrus" vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in der Altenpflege. "Das Einfachste wäre es, geeignete Kräfte quantitativ ausreichend und qualitativ hochwertig auszubilden. Man wirbt stattdessen in Osteuropa und in ostasiatischen Ländern Kräfte an", stellte er fest. Die Förderschule für körperbehinderte Menschen in Mönchengladbach habe eine Resolution gegen den "Skandal der Finanzierung" in Umlauf gebracht. Denn das Land habe obendrein Qualitätsstandards außer Kraft gesetzt, um sich auf diese Weise aktiv auch noch vor Kosten zu drücken.

Einzügige Seminare sind nach Babinetz' Angaben "ohne Überlebenschance. Er sei nicht einmal sicher, ob demnächst ein Fachseminar für Altenpflege überhaupt noch im Kreis angesiedelt sein werde. Es sei "verheerend, wenn man nicht weiß, wie es inhaltlich weitergeht". Die politisch festgelegte Umlagefinanzierung bringe das Caritas-Seminar erheblich in Bedrängnis. Daher seien alle Kosten überprüft und Alternativen für die Unterbringung erkundet worden. "Unser Rückzug aus Nettetal richtet sich keineswegs gegen die Stadt. Vielmehr haben wir ein Angebot in Viersen, das einfach günstiger ist als alles, was hier geboten werden kann", sagte Babinetz.

Sozialdezernent Armin Schönfelder bestätigte das. Das Seminar ist bisher in Breyell zur Miete untergebracht. Alternativ hatte die Stadt die ab Sommer leerstehende Hauptschule in Lobberich vorgeschlagen. Doch würden die erforderlichen Arbeiten zu teuer und zu aufwendig. Die Stadt wird den Bau voraussichtlich bereits im Herbst abreißen lassen, die 130 verbliebenen Schüler mit dem Kollegium in die Hauptschule Kaldenkirchen aufgehen.

(RP)