Nettetal: Bürger wollen die Ortskerne aufwerten

Nettetal : Bürger wollen die Ortskerne aufwerten

Das mit den Bürgern erarbeitete Stadtenwicklungskonzept für Nettetal macht deutlich, dass die Menschen hier gerne bleiben möchten, wenn ihnen in ihren Stadtteilen ausreichend Bauland angeboten werden kann.

Die Nettetaler hängen an ihrer Stadt. Sie wollen hier in den eigenen vier Wänden leben. Die Stadt gibt sich Mühe, ausreichend baureife Grundstücke zu schaffen, aber das ist nicht einfach. Dies ist eine der Aufgaben, die die Bürger Politik und Verwaltung im Stadtentwicklungskonzept stellen. Bürgermeister Christian Wagner stellte dem Rat am Abend das Ergebnis von Begehungen und Diskussionsforen vor.

"Wir wollten mit allen darüber reden, wie die Stadt sich entwickeln soll", erklärte Wagner. Den Anstoß gab der Demografiekatalog von 2010, nach dem Nettetal nicht nur vergreist, sondern auch Einwohner verliert. Um gegenzusteuern, stieß der Bürgermeister die Diskussion um die "Leitziele Nettetal 2015+" an. Mehr als 1200 detaillierte Vorschläge von Bürgern gingen ein. Es kristallisierten sich drei Schwerpunkte künftigen Handelns heraus: Lebensqualität erhalten, Wirtschaft stärken und schließlich auch Kindern, Jugendlichen und Familien Chancen geben.

Daraus leitete die CDU ihren Vorschlag für ein Stadtentwicklungskonzept ab. Auch daran sollten sich alle Bürger beteiligen können. In Foren und Begehungen bestätigten sich zunächst die bereits bekannten Zuordnungen der Stadtteile: Breyell als Wohnstandort mit Anbindung an Bus und Bahn, Hinsbeck als Erholungs- und Wohnort, Kaldenkirchen zentraler Gewerbestandort, Leuth als Dorf für Naherholung, Lobberich als Wohnort mit Zentrumsfunktion sowie Schaag als Wohnstandort.

In Kaldenkirchen wird ein Dilemma deutlich: Der Gewerbestandort hat mit Venete ansiedlungsreife Flächen, es fehlen aber Grundstücke für Wohnbebauung. "Es gibt es eine besonders große Nachfrage, aber kaum verfügbare Flächen", berichtete die Technische Beigeordnete Susanne Fritzsche. Von Kaldenkirchen abgesehen, gebe es in allen Stadtteilen kurzfristig Bedarf an Gebieten für bis zu 15 Neubauten.

Das zweite Dilemma zeigt sich in Breyell. Liebend gerne würde die Stadt hier das ehemalige Rötzelgelände baureif machen. Aber die Fläche gehört dem iranischen Unternehmen Ascotec, das wegen weltpolitischer Spannungen mit Teheran handlungsunfähig ist. Die Stadt sucht nach kurzfristigem Ersatz. "Im Flächennutzungsplan haben wir 100 Hektar Reserveflächen. Die Hälfte davon reicht, um mittelfristig etwa 2000 Bürger neu anzusiedeln", erklärte Fritzsche.

Breyell ist auch ein Beispiel dafür, wie Bürger sich aktiv eingebracht haben. Nach einem zweiten Forum flammte hier die Diskussion um die Gestaltung des Ortskerns mit dem Lambertimarkt erst recht auf. Schaut man sich die Konzepte der Stadtteile an, so haben Bürger aller Stadtteile den dringenden Wunsch, dass Ortskerne gestalterisch aufgewertet, qualitativ gesichert oder verbessert und städtebaulich umgestaltet werden. Beispiele sind in Kaldenkirchen der Marktplatz, in Leuth der Petershof, in Hinsbeck der Ortskern rund um die Kirche, in Lobberich der Ingenhovenpark in Verbindung mit der Fußgängerzone und in Schaag das Umfeld der Kirche.

Das Dortmunder Büro Scheuvens + Wachten empfiehlt unter anderem ein Bodenmanagement und eine kluge Leerstandsverwaltung von Geschäften in den Kernen. Parallel zu dem Prozess hat die Stadt das Einzelhandelsstandort- und Zentrenkonzept fortgeschrieben.

(RP)