Nettetal: Keine Chance auf dem Ascotec-Gelände

Nettetal : Keine Chance auf dem Ascotec-Gelände

Die Stadt stellt ihre Pläne für das Wohnquartier auf dem früheren Rötzel-Areal vorerst zurück. Damit in Breyell gebaut werden kann, entwickelt sie eine Fläche am Hohlweg. Die Grünen halten das für eine unvertretbare Planung.

Seit der Jahrtausendwende wartet die Stadt auf eine Möglichkeit, in Breyell großflächig ein neues Baugebiet ausweisen zu können. Doch die Weltpolitik und von der Stadt unbeeinflussbare strukturelle Veränderungen machen da einen ganz dicken Strich durch die Rechnung. In ihrer Verzweiflung hat die Stadt sich daher entschlossen, mit der Ausweisung eines neuen Baugebiets an den Ortsrand zu gehen. Die Grünen sind dagegen und tragen wunderliche Argumente vor.

Es klang aus Sicht von Planern alles so schön: Die Bundesstraße 7 wird von Kaldenkirchen her kommend vor der Sektion Bieth auf die andere Seite der Bahntrasse geführt. Als "Querspange" erschließt sie den "Zentralbahnhof" Nettetal. Hier entstehen P&R-Plätze und ein Verknüpfungspunkt für Bus und Bahn. Eine lichte Unterführung verbindet Breyells Ortskern mit den südlichen Gebieten für Radfahrer und Fußgänger. Als Clou kommt dazu: Zwischen Ortskern und Bahntrasse wird auf der Rötzel-Brache ein neues "Wohnquartier" geschaffen.

Die hochtrabenden Begriffe klangen wunderbar — allein es fehlt die Realität. Verpufft sind engagierte Bürgerversammlungen zur Verkehrsführung bis zur Dülkener Straße und Pläne zur inneren Gestaltung des neuen Wohnquartiers. Geträumt wird auch vom zentralen Festplatz als Ersatz für den Lambertimarkt. Hat die Stadt zu hoch gepokert? Nein, ihr sind nur nicht absehbare Entwicklungen in die Quere gekommen. Ehe die Bundesstraße umgebaut und der Ortskern vom Durchgangsverkehr entlastet werden konnte, gab der Bund die Straße ab ans Land. Aus der B 7 wurde die L 29. In Düsseldorf hat es bisher keine Regierung eilig damit, die Umbaupläne umzusetzen.

Geopolitische Auseinandersetzungen mit Boykott-Auflagen gegen den Iran warfen dann den möglichen Investor Ascotec aus dem Rennen um das Wohnquartier. Die Iraner hatten das Stahlwerk bis zur endgültigen Schließung betrieben und waren bereit, in die Abriss- und die brachliegende Reservefläche zu investieren. Die Stadt entwarf ein Konzept zur Bebauung, überarbeitete es — und dabei blieb es. Nach ersten Plänen für ein stark verdichtetes Viertel gab es 2008 (!) lichtere Entwurfsalternativen mit Punkthäusern an der Bahn, in denen auch Geschäfte und Gastronomie Platz finden könnten.

Das alles ist Makulatur, solange niemand in das Gelände investieren kann. Weit und breit aber gibt es keinen Investor, der den Gordischen Knoten durchhauen könnte. Die Stadt wich daher unter dem Druck der Nachfrage nach Bauland in Breyell auf eine ausgeräumte Feldflur am westlichen Ortsrand, südlich der Autobahn, aus: Am Hohlweg sollen schrittweise Baugelegenheiten in überschaubarer Zahl geschaffen werden.

Die Grünen bekämpfen dies mit Leidenschaft. Mit Hinweis auf "Rückmeldungen aus der Bürgerschaft", die sich angeblich nach den Debatten zum Stadtentwicklungskonzept verraten fühlt, lehnt sie den Plan ab. Dazu kommen eigene prinzipielle Gründe: Ortsränder sollten nicht ausgedehnt, Bauland nicht in die freie Feldflur platziert werden. Wenn die Stadt sich nur ganz feste anstrenge, könne sie das Ascotec-Gelände doch entwickeln.

(RP)