Moerser Schloss- und Parkfest mit Musik und Eis

Moers : Schloss- und Parkfest mit Musik und Eis

Unter dem Motto „Manche mögen’s Eis. Genuss verbindet“ stieg gestern am Tag des Denkmals das Schloss- und Theaterfest. Warum Eisdielen in Moers erst spät aufkamen, erfuhren die Besucher in der Sonderausstellung „Gelato“.

Als die ersten Eisfahrräder zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die deutschen Städte rollten, wurden die Konditormeister hellhörig. Sie bereiteten selbst in ihren Läden Eiscreme für die Kundschaft zu. Mobile Italiener, die aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland gekommen waren, bedeuteten starke Konkurrenz. Als die  Behörden den ambulanten Eisverkauf in den 1920er Jahren einschränkten, eröffneten die Italiener Eisdielen. In Moers sträubten sich die lokalen Händler Wilbers und Vorgang so lange gegen die Eröffnung von italienischen Eiscafés, dass diese erst 30 Jahre später Einzug in die Grafenstadt erhalten sollten.

„Die Moerser Händler sind hartnäckig gewesen“, sagt Monika Hanewinkel, die während des Schlossfestes durch die Sonderausstellung „Gelato – italienische Eismacher am Niederrhein“ führt. Ein Raunen geht durch den Ausstellungsraum. „Das erste Eiscafé wurde an der Homberger Straße 19 eröffnet. Heute heißt es Dolomiti“, erinnert sich eine Besucherin. Hanewinkel nickt. „Ganz genau, das war der Startschuss“, sagt sie und deutet auf eine Nudelpresse, die mit anderen Ausstellungsstücken auf einem rosa Kasten liegt. „Wofür wird das verwendet?“ Eine Dame weiß: „Für Spaghettieis.“ „Richtig, und weiß auch jemand, wie man es schafft, dass die Eisfäden nicht zusammenkleben?“ „Man lässt sie durch eine Sahnschicht fallen“, beantwortet Hanewinkel ihre eigene Frage. „Spaghettieis ist übrigens eine deutsche Erfindung.“

Die griechische Tanzgruppe zeigte im Rosarium am Schloss ihr Können. Foto: Dieker, Klaus (kdi)

Nach der Führung ist Anke Manderfelds erster Gedanke: erst einmal ein Eis. Leider ist Eismann Skotty, der in alter Eisfahrrad-Manier mit seiner Jazz-Trompete im Park herumfährt und für Unterhaltung sorgt, gerade nicht in Reichweite. „Ich war überrascht, dass zu Anfang des 20. Jahrhunderts 14 Millionen Italiener aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland gekommen sind. Zwar sind davon nur 1,2 Millionen an den Niederrhein geflohen, aber dennoch ist die Zahl höher als gedacht. Migration war wohl schon damals ein heißes Thema“, sagt sie.

Der Name Wilbers dagegen ist beiden Moersern ein Begriff: „Danach wird das Eis ja noch heute benannt, obwohl das Café gar nicht mehr so heißt“, sagt Manderfeld. „Wirklich erstaunlich, wie lange Wilbers sich damals gegen die italienischen Eisdielen wehren konnte.“

Während die Manderfelds noch über ihre Eindrücke der „Gelato“-Ausstellung diskutieren, sind andere Besucher mehr am Theater-Aspekt des großen Festes interessiert. Eine 78-Jährige sitzt auf einer Bierbank auf dem nördlichen  Schlosshof und unterhält sich angeregt mit zwei Männern über die Politik der Gegenwart.

Angeregt hat die Diskussion ein Auftritt des Moerser Schlosstheaterensembles. Patrick Dollas, Lena Entezami, Matthias Heße, Roman Mucha, Elias Reining und Frank Wickermann hatten ein Medley des neuen Bühnenprogramms gespielt. Sein Thema „Verkünden, Erlösen, Frohlocken“ greift die aktuelle Debatte um Verschwörungstheorien auf. Ist die Erde vielleicht doch eine Scheibe? Heilen Steine, und machen Impfungen krank? Diese und weitere Behauptungen haben die Schauspieler auf humoristische Weise verarbeitet.

 „Es sind schwierige Zeiten“, sagt die 78-Jährige. „Die Erderwärmung, deren Folgen jetzt schon zu spüren sind, wird von manchen Politikern nicht ernst genommen. Die rechtsextremen Vorfälle in Chemnitz werden heruntergespielt.“ „Ein Weltuntergangsszenario“, sagtihr Sitznachbar. Da ertönt Skottys Jazztrompete. Der Weltuntergang ist vergessen.

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