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Moers: Einmal Schoko, bitte: Eis-Geschichten

Moers : Einmal Schoko, bitte: Eis-Geschichten

Das Grafschafter Museum erzählt in einer Sonderausstellung, wie das italienische Eis an den Niederrhein kam.

Eine Kugel Vanille, bitte. Italienisches Eis gehört zum Sommer wie die Sonne, das Strandbad und das Barfußlaufen im Gras. Es weckt Kindheitserinnerungen an die fahrenden Eiswagen, die mit Schellen auf sich aufmerksam machten. Wie das italienische Eis an den Niederrhein kam, das erzählt ab Sonntag das Grafschafter Museum in seiner neuen Sonderausstellung "Gelato! Italienische Eismacher am Niederrhein". Diese ist in Zusammenarbeit mit dem Clemens-Sels-Museum in Neuss entstanden. Konzipiert wurde sie von Carl Pause im Rahmen des Niederrheinischen Museumsnetzwerks. Er machte sich auf den Weg bis in die Dolomiten, um die Exponate rund ums Eis zusammenzutragen. Denn ist es die Geschichte einer großen Wanderbewegung der Bewohner der Dolomiten nach Deutschland und in die ganze Welt hinein. Die ersten italienischen Eismacher kamen Ende des 19. Jahrhunderts in die Städte zwischen Köln, Geldern und Kleve. In Moers allerdings eröffnete Donato Panciera 1951 die erste Eisdiele.

Dem Grafschafter Museum kommen die sommerlichen Temperaturen zurzeit gerade recht. Die Sonderausstellung, die morgen im Moerser Schloss eröffnet, ist so gemütlich wie eine Eisdiele eingerichtet. Links stehen Bistrotische mit Stühlen, rechts steht eine alte Eistheke mit silbernen Hauben. Die Eiskarten auf den Tischen listen jedoch nicht die Sorten auf, sondern warten mit vielen Informationen rund ums Eismachen auf. Die Schälchen, in denen das Eis serviert wird, glänzen noch wie früher silbern. Sogar ein mobiler Eiswagen, mit dem die Straßenverkäufer in den Anfängen unterwegs waren, hat ganz nostalgisch seinen Weg ins Grafschafter Museum gefunden. Die Sonderausstellung serviert die dazugehörige Kulturgeschichte gleich mit.

Die meisten der heute etwa 4000 Eiscafés in Deutschland werden von italienischen Eismachern betrieben. "Diese stammen zu drei Vierteln aus zwei Tälern in Dolomiten: dem Val di Zoldo und dem Cadore", erläuterte Carl Pause gestern bei einer Besichtigung. "Es war Ende des 19. Jahrhunderts das Armenhaus Europas." Die Bewohner, die sich nur durch Landwirtschaft ernährten, hätten zum Überleben berufliche Marktlücken finden müssen. Manche verdingten sich als Salami-Macher, andere stellten Korbstühle her. "Die Menschen aus dem Val di Zoldo und dem Cadore entwickelten eine ungewöhnliche Strategie zur Sicherung des Lebensunterhalts: Sie wurden Eismacher. Wie das Eis jedoch in die Dolomiten kam, weiß man nicht genau. Denn Eis gab es schon seit dem 17. Jahrhundert in Europa", weiß Carl Pause. Eine Antwort auf die Frage, warum im Moers erst in den 1950er Jahre ein italienisches Eiscafé eröffnete, hat jedoch Diana Finkele, Leiterin des Grafschafter Museums: "Es gab hier eine eigene starke Eismacher-Tradition. Café Wilbers residierte schon seit 1934 an der Neustraße." Im Moerser Teil der Sonderausstellung werden auch die hiesigen Eiscafé-Betreiber in Text und Bild porträtiert. Diana Finkele hat passend zur Sonderausstellung ein Rahmenprogramm mit Vorträgen, Lesungen und Konzerten entwickelt. So dreht sich am Museumstag, 13. Mai, unter dem Motto "Kühl und Lecker" alles ums Eis und um die Esskultur. Die Ausstellung "Gelato" ist bis zum 7. Oktober im Grafschafter Museum zu sehen.

(RP)