Moers: Mit Modellspielzeug wieder Kind werden

Moers: Mit Modellspielzeug wieder Kind werden

Beim Modellspielzeugmarkt tauchten nicht wenige Männer noch einmal ein Stückchen in ihre Kindheit ab. Sie wollen Lokomotiven lieber in der Wirklichkeit anfassen, als sie ausschließlich auf Fotos im Internet zu sehen.

Nicht gucken, nur anfassen: So drehen Modellbahnfans den einstigen Werbespruch von Rudi Assauer und Sabine Thomalla um. "Die Besucher wollen die Modelle auf einer Teststrecke ausprobieren. Und sie wollen mit den Händlern über den Preis sprechen. Das alles geht nicht übers Internet", sagt Jürgen Hörner. Er kennt die Modellbahn-Branche. Fast jedes Wochenende organisiert der Geschäftsführer der Adler Märkte einen Modellspielzeugmarkt im Rheinland und im westlichen Ruhrgebiet, wie auch am Samstag im Eurotec Technologiezentrums in Moers-Utfort, das sich in ein Dorado für Modellbahnfans verwandelte.

Diese Märkte laufen gut — obwohl Spielzeug immer öfter über das Internet gekauft wird. "Die Hochphase für Modellspielzeug begann Ende der 70er Jahre", sagt Hörner, der 1981 seinen ersten Modellspielzeugmarkt organisierte. "Damals hatten viele Männer das Geld, sich die Lokomotiven und Wagen zu kaufen, von denen sie als Kind geträumt haben. Die Hochphase dauert bis Mitte der 90er Jahre. Seitdem ist es etwas ruhiger geworden."

Wie am Samstag ein Blick in den Eurotec Technologiepark zeigte, hat sich an den unerfüllten Träumen bis heute wenig geändert. Männer — meist im gesetzten Alter — tauchten ein wenig in ihre Kindheit ab, wenn sie bei Händlern erfragten, wie viel das Krokodil von Märklin, der Adlerzug von Trix oder das Feuerwehrauto von Wiking kostet. "Eisenbahnen und Zubehör sind der Schwerpunkt", erklärt Hörner, "auch wenn Blechspielzeug oder Modellautos angeboten werden. Bei der Eisenbahnen überwiegt die Spur HO, also Maßstab 1 zu 87. Dabei bilden die Wechselstromer eine Gruppe, die Gleichstromer die andere." Wie sich am Samstag zeigte, an dem teilweise 200 Besucher gleichzeitig in den Räumlichkeiten waren, sind es etwas mehr Wechselstromer, also "Märklinisten", als Gleichstromer, also "Fleischmänner" und "Trixaner". Für sie boten 20 Händler fast alles an, was das Modellbahnerherz höherschlagen lässt, von Lokomotiven und Waggons, über Schienen und Trafos bis hin zu Modellhäusern oder Autos für die Eisenbahn. Sogar die Ersatzteile gab es zu kaufen, beispielsweise bei Hagen Majert. Der Ex-Moerser, der einmal in der Friedrichstraße ein Radio- und Fernsehgeschäft hatte, bot von Zahnrädern über Motoren bis hin zu Gehäusen über 30 000 Ersatzteile an. Neben dem Ersatzteilgeschäft hat er sich darauf spezialisiert, Modellbahnsammlungen im Kundenauftrag zu veräußern. "Viele haben gar keine Ahnung, was die Modellbahnsammlung wert ist, die sie erben", sagt der 72-jährige Wahl-Weselaner. "Im Kundenauftrag vermarkten wir die Modelle für die Erben. Wir fahren zu Börsen und bieten die Modelle im Internet an." Dabei gehöre die Börse in Moers zu denen, wo sich ein Kommen lohne.

(got)