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Moers: CDU: Assistenten sollen Erzieher entlasten

Moers : CDU: Assistenten sollen Erzieher entlasten

Als Antwort auf den Fachkräftemangel sollen sich Erzieher allein um die Kinder kümmern, kaufmännische Assistenten um das Administrative.

Streit schlichten, Kinder trösten, Babys wickeln: Der Erzieherberuf stellt hohe Anforderungen an diejenigen, die ihn wählen - trotz schlechter Bezahlung, geringer Aufstiegschancen und nach wie vor fehlender gesellschaftlicher Anerkennung. Das hat Folgen, die nach und nach spürbar werden - perspektivisch auch in Moers.

Fakt ist: Seit 2013 gibt es in NRW den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für die Ein- und Zweijährigen. Die Geburtenrate steigt, und es kommen sukzessive mehr Kinder mit Fluchthintergrund, die Plätze benötigen. Dabei hat der Fachkräftemangel längst die Kindergärten und Krippen erreicht. Das Problem: Der Kitaausbau geht zwar voran, doch Erzieher auszubilden dauert länger, als neue Tagesstätten zu bauen. Die Bertelsmann Stiftung hat errechnet, dass landesweit (Stand: 1. März 2016) mehr als 100.000 zusätzliche Vollzeitkräfte benötigt werden. Aber woher nehmen, wenn der "Erziehertopf" leer ist? Die Moerser CDU-Fraktion schlägt deshalb einen anderen Weg vor. Sie will die Verwaltung jetzt prüfen lassen, ob und in welchem Umfang die Einstellung von Verwaltungsassistenten in Kindertageseinrichtungen zur Entlastung von administrativen Aufgaben für die Einrichtungsleitungen und Erziehern führen kann. Die Stadt soll auch abklären, ob dafür ein Moerser Modellversuch, der gegebenenfalls vom Bund und/oder Land sowie Stiftungen unterstützt und gefördert wird, geeignet ist. Einen entsprechenden Antrag hat Fraktionschef Ingo Brohl zur nächsten Ratssitzung am 5. Juli vorgelegt.

"Aus eigenen Erfahrungen, Gesprächen mit Leitungen, Erziehern, Eltern und der Mitarbeit in den Kindergartenräten wissen wir: Erzieher in Kitas sind heute immer mehr damit beschäftigt, Lernprozesse zu dokumentieren und zu verwalten", sagt Brohl. "Das Administrative kostet Zeit, die am Ende von der Arbeit mit dem Kind abgeht. Selbst das Schaffen zusätzlicher Erzieherstellen würde aufgrund des Fachkräftemangels in unseren Augen teilweise ins Leere laufen, deshalb ist innerhalb der CDU-Fraktion die Idee gereift, diese Zeiten ,Fern vom Kind' durch den Einsatz von Verwaltungsassistenz zu minimieren - wenn wir schon nicht an der Stellschraube ,mehr Erzieher' drehen können."

Die CDU, sagt Brohl, sei sich bewusst, dass die Idee unkonventionell sei. "Aber große Probleme bedürfen manchmal eben auch anderer Denkweisen. Wir sind zudem davon überzeugt, dass eine solche Anstellung als Verwaltungsassistent durchaus für Eltern einer Kindertageseinrichtung ein Weg sein kann, Familie und Beruf - zum Beispiel bei einem beruflichen Wiedereinstieg - in Einklang zu bringen."

Was die Erzieherstellen an städtischen Kitas betrifft, will die Verwaltung jetzt eine Strategie für die Zukunft erarbeiten. "Im Rahmen derer werden sicher verschiedene Ansätze geprüft", sagt Stadtsprecher Thorsten Schröder. "Aktuell ist es so, dass wir zu Beginn eines jeden Kita-Jahres noch alle Stellen besetzen können. Probleme tauchen aber regelmäßig dann auf, wenn es im Laufe des Jahres Vakanzen gibt."

(RP)