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Architektin Christiane Tielsch: Ihr Projekt: Abriss der Riesen

Architektin Christiane Tielsch : Ihr Projekt: Abriss der Riesen

Mitte Mai rücken die Bagger an. Stück für Stück werden die Bunten Riesen mit der Säge zurückgebaut. Die Arbeiten sollen im November fertig sein.

Kamp-Lintfort Architektin Christiane Tielsch begleitet den Rückbau der Bunten Riesen für die Stadt als Bauleiterin. Die stellvertretende Leiterin des Amtes für Gebäudewirtschaft und Dezernent Christoph Müllmann erläutern im RP-Gespräch die Planungen.

Die Schadstoffsanierung in den Bunten Riesen ist beendet. Was hat die Arbeiten so schwierig gemacht?

Tielsch Wir haben feststellen müssen, dass sich die Schadstoffe auch im Mauerwerk befinden. Das war im Mai letzten Jahres. Es war klar, dass wir beim Innenputz auf Asbest stoßen würden. Dass jedoch auch die Wände asbesthaltig sein würden, damit konnte man nicht rechnen. So musste zum Beispiel der Fugenmörtel komplett über den Schwarzbereich entsorgt werden. Asbest wurde früher leider vielen Baustoffen zugemischt, weil er gut klebte. Er muss aber entfernt werden, weil er krebserregend ist.

Ist der Zeitverlust jetzt groß?

Tielsch Nein, das hat uns nicht in Verzug gebracht.

Müllmann Das wird die Neubebauung im Rathausquartier nicht beeinflussen. Hier sind viele unterschiedliche Planungsinteressen zu berücksichtigen, so dass es auch noch keinen konkreten Zeitplan gibt, wann das Quartier fertiggestellt sein wird. Wichtig ist, dass die Gebäude abgebrochen werden.

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Der Rückbau soll im Bereich der früheren Stadtbücherei starten?

Tielsch Der Plan hat sich bereits geändert. Nach aktuellem Stand wird das beauftragte Unternehmen am 14. Mai mit Kran und Bagger auf die Baustelle anrücken. Es wird zunächst das Gebäude an der Markgrafenstraße 19 ungefähr auf die Höhe des Terrassenhauses demontiert. Das erfolgt durch Sägeschnitte durch den Beton. Dafür werden die Wände mit Kernbohrungen durchlöchert und perforiert, so dass das Mauerwerk mit der Säge und Kran Stück für Stück abgetragen werden kann. Im Anschluss wird die Hausnummer 17 um ungefähr 15 Meter bis auf eine Höhe von 40 Metern verkleinert. Zeitgleich beginnt der Rückbau der ehemaligen Stadtbücherei.

Warum werden die Gebäude eigentlich nicht gesprengt?

Tielsch Das ist Sicherheitsgründen geschuldet. Wir befinden uns mitten in der Innenstadt, direkt hinter dem Terrassenhaus.

Müllmann Drei Etagen des Terrassenhauses grenzen direkt an die Gebäude an. Es handelt sich um die so genannten Laubengänge. Es ist zwar aufwendiger die Häuser zurückzubauen, aber auch sicherer.

Tielsch Damit die Terrassenhäuser geschützt werden, wollen wir auch Sprengmatten zum Einsatz bringen, um Bauschutt kontrolliert nach unten gleiten zu lassen.

Die Bewohner des Terrassenhauses werden vom Rückbau enorm betroffen sein. Gab es Beschwerden?

Tielsch Wir stehen mit den Hausbewohnern in engem Kontakt und informieren sie über die Hausverwaltung. Die Stadt ist ja selbst Eigentümerin im Erdgeschoss des Gebäudes. Um die Anwohner zu schonen, setzt das von uns beauftragte Unternehmen Prangenberg & Zaum Geräte nach dem neusten Stand der Technik ein. So sollen Lärm, Staub und Erschütterungen so gering wie möglich gehalten werden. Durch die Berieselung der Baustelle mit Wasser sowie erschütterungsarmen Vorgehensweisen beim Abbruch, wie bei der Demontage der oberen Etagen, wollen wir die Beeinträchtigungen weitestgehend minimieren. Wir können sie jedoch nicht ganz verhindern. Während der Abbruchmaßnahmen werden Erschütterungsmessungen durchgeführt. Mit einem Vibrieren muss man auf Baustellen immer rechnen. Es wurden auch Beweissicherungen durchgeführt, um den tatsächlichen Stand festzuhalten.

Wie sieht Ihr genauer Zeitplan aus?

Tielsch Wir werden uns von links nach rechts durcharbeiten und beginnen mit der Hausnummer 19, dann folgen 17, 15 und 13. Letzter Schritt wird der Rückbau der Bodenplatte des Parkhauses sein.

Wann rücken die ganz großen Bagger an? Die waren ja schon beim Rückbau der Weißen Riesen für viele Kamp-Lintforter ein Ereignis.

Tielsch Ja, so ein großer Bagger, ein Longfront, beeindruckt. Das wird schon spektakulär. Wir gehen davon aus, dass der eigentliche Abbruch der Gebäude im August starten kann. Geplant ist, dass der Rückbau der Bunten Riesen im November beendet sein wird.

Mit welchen Widrigkeiten rechnen Sie?

Tielsch Wir müssen immer mit Unvorhergesehenem rechnen. Auf einer Baustelle läuft nie alles glatt. Der Rückbau wurde aber mit einem Ingenieurbüro durchgeplant, so dass alles gut gehen sollte.

Wie teuer ist der Abriss?

Müllmann Die Kosten belaufen sich auf fünf Millionen Euro. Das Land fördert dies mit 80 Prozent.

ANJA KATZKE FÜHRTE DAS INTERVIEW.

(RP)