Mönchengladbach: Neue Hoffnung für das Trafowerk

Mönchengladbach: Neue Hoffnung für das Trafowerk

Die Konzernleitung von General Electric hat eingelenkt und will das von der Schließung bedrohte Werk entweder verkaufen oder in ein Joint Venture überführen. Das wurde gestern der Belegschaft verkündet.

Im Dezember flossen noch Tränen. Gestern aber, bei der außerordentlichen Betriebsversammlung im von der Schließung bedrohten Transformatorenwerk von General Electric Grid an der Rheinstraße, da atmeten die Mitarbeiter zum ersten Mal seit Monaten wieder vorsichtig auf. Denn das Management von General Electric Europa habe sich Ende vergangener Woche gegenüber dem Betriebsrat in Paris dazu bereiterklärt, das Werk zu verkaufen oder in ein Joint Venture mit einem Investor zu überführen. Das teilte der Betriebsrat Falk Hoinkis gestern der Belegschaft in Mönchengladbach mit. Auch Werkleiter Jochen Schwarz bestätigte diese Nachricht. Bisher hatte GE angekündigt, das Werk 2019 schließen zu wollen, jetzt hat offenbar ein Umdenken stattgefunden. "Es wird daran gearbeitet, das Werk zu verkaufen oder zu überführen", sagte Schwarz gestern.

Das Logo von General Electric an der Fassade des Transformatorenwerks an der Rheinstraße. Foto: Andreas Gruhn

"Das Management hat uns berichtet, dass es von dem Schließungsbeschluss für den Standort Mönchengladbach zurücktreten und jetzt die Verkaufsabsicht verfolgen möchte", sagte Hoinkis. Damit ist die Schließung noch nicht ganz vom Tisch, aber die Belegschaft hat mit großer Vehemenz ihr erstes Ziel erreicht: Es besteht Hoffnung für das traditionsreiche Transformatorenwerk mit seinen mehr als 350 Mitarbeitern. Nach Informationen unserer Redaktion befindet sich GE mit gleich mehreren Interessenten in Verhandlungen. "Wir sind überzeugt, dass es weitergehen wird hier am Standort", sagte Hoinkis. Die Erleichterung sei den Kollegen gestern, als die Ergebnisse aus Paris verkündet wurden, deutlich anzumerken gewesen. "Die Truppe hat seit der Nachricht der Schließung im Dezember Großes geleistet." Sein Kollege Frank Peeters betonte, das Umdenken bei GE Grid habe eingesetzt, aber man sei noch nicht am rettenden Ufer angelangt. Wie es mit den anderen von der Schließung oder von Kürzungen betroffenen Standorten in Deutschland weitergeht, dazu machte der Konzern gegenüber den Arbeitnehmern noch keine Angaben.

Die Ankündigung von GE Anfang Dezember, das Gladbacher Werk im kommenden Jahr aufgeben zu wollen, obwohl es profitabel arbeitet, hatte für Entrüstung in der Belegschaft, bei Gewerkschaften, bei Politikern und in der Stadt gesorgt. Gleichzeitig gab es eine große Welle der Solidarität. Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Karl-Josef Laumann besuchte das Werk im Januar und sicherte Unterstützung zu. Der CDU-Politiker sagte gestern am Rande einer Veranstaltung der Unternehmerschaft Metall- und Elektro in Gladbach: "Die Freude über diese Nachricht ist groß. Mein Dank geht an den innovativen und klugen Betriebsrat, der es geschafft hat, die Unternehmensspitze zum Umdenken zu bewegen."

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Unterstützung kam auch von den Kunden, die die Transformatoren "made in Mönchengladbach" offenbar sehr schätzen. "Die Auslastung im Werk ist nach wie vor sehr gut, in den vergangenen Monaten sind viele Aufträge hereingekommen", sagte Schwarz. Dazu habe neben dem guten Image des Standortes auch das Engagement der Mannschaft im Werk beigetragen. "Das haben alle Kunden honoriert, die hier waren und weitere Aufträge dagelassen haben", sagte Schwarz. "Die Auslastung reicht jetzt bis ins nächste Jahr hinein." Mitte Januar war die Auslastung bis August 2018 gewährleistet gewesen. Nach Informationen unserer Redaktion setzten die Kunden - im Grunde die großen Energiekonzerne in Deutschland - GE Grid in Schreiben unter Druck, indem sie weiter auf Transformatoren aus dem Mönchengladbacher Werk bestanden. Auch das dürften gewichtige Argumente in Verkaufsverhandlungen sein.

Der Verkaufsprozess wird in den kommenden Monaten begleitet von Restrukturierungen im Werk. Man müsse sich an die Marktbedingungen weiter anpassen und schneller und profitabler werden, sagte Schwarz. "Aber wir haben jetzt eine gute Position für einen Neustart, wie auch immer der aussehen mag."

(RP)