Mönchengladbach: Diamanthochzeit beim früheren Münsterkantor Scholz

Mönchengladbach: Diamanthochzeit beim früheren Münsterkantor Scholz

An Weihnachten 1957 standen Viktor und Doris Scholz, die damals noch Dinges hieß, am Geroweiher. Sie suchten den Weg hinauf zum Münster: Der junge Kirchenmusiker war gebeten worden, für den erkrankten Kantor die Vertretung für die Weihnachtsfeiertage zu übernehmen. Das Paar war begeistert vom Anblick. Begeisterung hatte offenbar ebenso Viktor Scholz' Kunst an der Orgel ausgelöst. Der Musiker mit frischem Studienabschluss wurde beim Neujahrsempfang des Probstes gefragt, ob er die Kantorenstelle auf dem Abteiberg annehmen wolle. "Wir haben ja gesagt. Alles stimmte. Das Münster war im Wiederaufbau. Eine neue Orgel sollte entstehen, und wir hatten eine schöne Wohnung nahe beim Münster", erzählt Viktor Scholz. Mit seiner Frau ist er seit 60 Jahren verheiratet. Als die Entscheidung für Mönchengladbach fiel, waren sie noch kein Ehepaar. "Ich durfte ihn nicht allein besuchen", sagt Doris Scholz. Beide hatten sich im acht Jahre währenden "Aneinander-Vorbeigehen" als Nachbarn in Essen kennengelernt, aber sich nicht nähern dürfen. Denn die Mutter des im russischen Taganrog geborenen Viktor war Haushälterin bei einem katholischen Geistlichen, die gelernte Friseuse Doris war evangelisch. "Er kam immer und ließ sich die Haare schneiden", erzählt sie. Nach Scholz' Einstellung am 1. Januar 1958 mussten sie mit der Hochzeit bis nach der Fastenzeit warten. Geheiratet wurde in der Krypta, der "Urzelle" des Münsters. "Das Münster hat unser Leben bestimmt", betont der pensionierte Kirchenmusikdirektor. 42 Jahre lang wohnte er mit seiner Frau im Haus an der Abteistraße 41. Hier wuchsen die drei Kinder auf, deren Namen Veit, Michaele und Martin bewusst mit Bezügen zum Sakralbau gewählt wurden. Inzwischen umfasst die Großfamilie elf Enkel und vier Urenkel.

"Das Münster war meine erste und meine letzte Stelle", sagt der frühere Münsterkantor, der zudem 30 Jahre lang am Gregorius-Haus in Aachen als Dozent für Orgelspiel und Orgelkunde unterrichtete und ebenso lange Orgelsachverständiger für das Bistum war. "Wir kannten unser Bistum nach den Kirchtürmen", erzählt er schmunzelnd. Bei dieser Arbeit hat ihn seine Frau nach Möglichkeit begleitet. Gemeinsam bauten beide als "Volontäre" in der Orgelwerkstatt Rieger Teile der Münsterorgel mit. Von Mönchengladbach aus gestaltete Scholz seine internationale Konzerttätigkeit. Wenn ihre Mutter die Kinder betreuen konnte, reiste Ehefrau Doris mit. Sie wurde bei Konzerten zur wichtigen und liebsten Assistentin beim Registrieren. "Man hat uns bewundert als perfektes Team", sagt er. Seit 2000 wohnen beide im denkmalgeschützten Haus mit Blick auf den Wasserturm.

Viktor Scholz spielt jeden Tag auf seinem Cembalo und der Truhenorgel aus der Werkstatt des Sohnes, Orgelbaumeister Martin Scholz. "Wir sind vom Glück verfolgt. Wir haben eine intakte Familie. Es geht uns gut", sagt der 83-Jährige.

(RP)