Mönchengladbach: Schmölderpark 125 Jahre

Mönchengladbach : Es war einmal im Schmölderpark

Der Lieblingsgarten der Rheydter wird 125 Jahre alt. Sein Freund und Förderer Horst Hübsch blickt zurück auf ein grünes Stück Stadtgeschichte. Im September wird das Jubiläum mit dem Open-Air-Konzert „Sound of Schmölderpark“ gefeiert.

Horst Hübsch sitzt im Schatten eines Baumes an einem Tisch, dem einzigen, der in dem verlassenen Biergarten steht. Staubige Fensterscheiben hinter ihm verdunkeln die Räume, in denen Generationen von Rheydtern ihre Feste feierten. Das Schild am Eingang des Gebäudes ist noch da: Die Gaststätte am Schmölderpark, ehemals Traditionslokal „Vitrine“, steht seit Anfang des Jahres leer. „Da sich kein Käufer gefunden hat, wird das Gebäude aus den 1950ern jetzt versteigert“, sagt Hübsch. „Rheydt wünscht sich, dass die Gastronomie wieder eröffnet wird.“

Der Schmölderpark wird in diesem Jahr 125 Jahre alt, und Hübsch ist ihm besonders verbunden. Der Park ist nach dem Textilunternehmer Carl Julius Schmölder (1938 - 1906) benannt. Dieser war Gründer des „Verschönerungsverein“, der der Stadt die ersten Parzellen des Parks in den 1880ern vermachte. Als „Kaiserpark“ wurde er im April 1893 der Öffentlichkeit übergeben. Das Denkmal für Carl Schmölder wurde 1907 errichtet, erst 1949 wurde der Park in „Schmölderpark“ umbenannt. Bis nach dem ersten Weltkrieg stand auf dem Platz, wo heute der Musik-Pavillon steht, ein Denkmal für Kaiser Wilhelm I.

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal im neu eröffneten Kaiserpark 1897. Erst 1949 wurde der Park in Schmölderpark umbenannt. Foto: Stadtarchiv Mönchengladbach

Um diesen Platz, genauer gesagt den Pavillion, dreht sich die Arbeit von Horst Hübsch. „1999 war der Pavillon in einem schlimmen Zustand, nur bürgerschaftliches Engagement rettete ihn vor dem Abriss“, sagt er: „Wir haben damals ein Programm mit dem Aufruf ,Rettet den Pavillon‘ gestartet. Sänger, Tänzer, Kinderchor und Bands sind aufgetreten. Wir sammelten auf diese Weise Geldspenden und erhielten Zusagen von Handwerksfirmen.“ Mit dem finanziellen Ertrag von damals 20.000 Mark wurde der Pavillon wieder hergerichtet. Und die Retter des Pavillons gründeten den Förderverein Schmölderpark.

So sah der Kaiserpark um 1910 aus. Auch damals stand dort schon ein Restaurant mit einem Saalbau. Foto: Stadtarchiv Mönchengladbach

Aus der Rettungsaktion entstand „Sound of Schmölderpark“ – seit 2000 als Open-Air-Konzert in Rheydt fest im Programm. Einmal im Jahr wird der Pavillon zur Konzertmuschel, und Nachwuchsmusikern wird bei der kostenfreien Veranstaltung eine Plattform geboten. Horst Hübsch organisiert und moderiert die Veranstaltung gemeinsam mit dem Eventmanager Gerry Böer.

Der Förderverein hat sich weiter für den Pavillon engagiert. 2008 und 2009 standen weitere Renovierungsarbeiten an: Vandalismus-Schäden wurden beseitigt, die Säulen des Pavillons mit einer Farbe gestrichen, die Graffiti nicht haften lässt. Im vergangenen Jahr waren Sanierungsarbeiten im Wert von 25.000 Euro fällig. 2016 ließ sich der Förderverein eine Gemeinnützigkeit bestätigen, damit er Spenden offiziell bescheinigen kann.

Der Musikpavillon im Schmölderpark nach seiner Renovierung 2017. Einmal im Jahr ist er die Bühne von „Sound of Schmölderpark“. Foto: Gerry Böer

Und er hat seine Vereinstätigkeit erweitert: Mittlerweile kümmert er sich um den ganzen Park. Er pflegt Bäume und Blumenkübel, und plant eine Renovierung der Bänke. „Vor 25 Jahren wurde von einer Schulklasse der Gedichtweg gegründet“, sagt Hübsch: „Wir unterstützen heute ein Projekt mit einer Klasse, die den Weg modernisiert.“ Die alten Stehlen, die die Dichter vorstellen, sollen unter anderem eine neue Farbe erhalten. Ein QR-Code, mit dem sich auf dem Handy Informationen zu den jeweiligen Dichtern abrufen lassen, wird angebracht. Der Förderverein plant, die Spielplätze zu modernisieren, und er setzt sich auch für die Grabstellen auf dem Ehrenfriedhof ein.

Horst Hübsch (l.) und Gerry Böer gründeten den Förderverein und organisieren und moderieren „Sound of Schmölderpark“. Foto: Raupold, Isabella (ikr)

Nach 40 Jahren in der Lokalpolitik ist Horst Hübsch im Ruhestand, und sucht Nachwuchs für seinen Verein. „Ich will die Rheydter weiter animieren, etwas für ihren Park zu tun“, sagt er. Am 8. September findet wieder der „Sound im Schmölderpark“ statt: Mit der Rock ’n’ Roll-Band „Blue Moon“, der Neusser Sängerin „Chre“, der Jazzband „Ali Claudi Trio“ und dem Düsseldorfer Swing Trio Fräulein Swing. Der Eintritt ist wie immer frei – und zum Jubiläum gibt es in diesem Jahr ein Feuerwerk.

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