Heißer Sommer 2018 - In anderen Regionen ist das nichts Besonderes

Kolumne Denkanstoß: Sommerzeit

Die Hitze wirkt sich auf das tägliche Leben aus. In anderen Regionen ist das nichts Besonderes.

„Wann wird´s mal wieder richtig Sommer?“ Die Älteren unter uns werden sich an diese Schlagerfrage von Rudi Carell sicherlich erinnern. Nun, seit einigen Wochen erleben wir recht ausgiebig den „richtigen Sommer“! Und mit der Hitze ist es wie mit vielen Dingen des menschlichen Lebens, was dem einen schon viel zu viel ist, da fängt für den anderen die Freude erst richtig an. Zwar weiß jeder von uns, dass der Mensch durch seinen unendlichen Energiehunger und seine rücksichtslose Umweltverschmutzung das Klima langfristig verändert, doch aktuellen Einfluss auf das Wettergeschehen haben wir nicht. So müssen wir das Wetter nehmen, wie es eben kommt; und dieses „wie“ lässt sich nicht beeinflussen. Dass dem so ist, besagt schon das Wort selbst, denn „Wetter“ kommt etymologisch von „wehen“, und nach einem alten Sprichwort weht der Wind, woher und wie er will.

Gleichwohl können wir von diesen Sonnentagen einiges lernen! Da ist zunächst die Erkenntnis, dass in einer Gluthitze kein Arbeiten möglich ist. Nicht ohne Grund haben die Kulturen rund um das Mittelmeer die Siesta entwickelt, jene Ruhestunden zur Mittagszeit, an denen die Sonne unbarmherzig niederbrennt; das geistige und erst recht körperliche Betätigungen zu dieser Tageszeit unmöglich werden, ist im eigenen Erleben sofort einsichtig. Auch erhalten wir in diesen Wochen zumindest einen schwachen Eindruck, wie unerträglich ein Leben in den Dürregebieten unserer Erde sein muss. So stöhnen wir im Blick auf unsere Gärten und Parkanlagen, dass seit Wochen der Regen ausbleibt; so beklagen unsere Landwirte und Obstbauern zu Recht die massiven Ernteeinbußen. Doch wie muss es sein, wenn der ersehnte Regen monatelang oder über ein ganzes Jahr ausbleibt? Welche Verzweiflung muss in einem Menschen aufsteigen, wenn er zusehen muss, wenn Pflanzen und Tiere auf Grund des Wassermangels elendig eingehen und verenden? Wer von uns würde nicht zum Flüchtling werden, um die Familie oder das eigene Leben zu retten?

 Nicht zuletzt bekommen wir vielleicht eine Ahnung, warum für unsere Ahnen Flurprozessionen und Wettersegen im Jahresverlauf unbedingt dazu gehörten. Sie waren keine rückständigen Menschen, die dem Aberglauben verhaftet waren, dass man Regen beschwören könne. Im Gegenteil, sie wussten noch, dass nichts im Leben selbstverständlich ist, und dass deshalb dem Menschen Bitte und Dank gut zu Gesicht stehen; und so bestürmten sie Gott mit Liedern und Gebeten um gutes Wetter. Sie wussten noch, dass schlechte Ernten nicht viel Geld, sondern letztlich Menschenleben kosten; weil die dadurch steigenden Preise von den Letzten in der Kette nicht mehr bezahlt werden können. Daran hat sich bis heute nichts geändert, wenn auch in einer Weltwirtschaft die Ärmsten der Armen nicht mehr nebenan, sondern auf einem anderen Kontinent leben.

  • Handball-Oberliga : Borussia siegt hauchdünn und zittert

 Wir stehen mitten in der Ferienzeit und sicher haben wir das Recht, uns am schönen Wetter zu erfreuen, uns mit Schwimmen und Grillen und vielem mehr zu erholen. Allerdings haben wir als Menschen auch die Pflicht, dass unser Denken nicht bei der Grillwurst aufhört. Die wichtigste Frage bleibt: Wann wird der Mensch zum Menschen? Die Antwort kann nur lauten: Wenn er Gott bittet und dankt, und mit dem Nächsten Freude wie Leid teilt!

Klaus Hurtz ist Pfarrer von St. Marien und vom Trostraum St. Josef Grabeskirche.

Mehr von RP ONLINE