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Mönchengladbach: Nebenwirkungen beunruhigen Patienten

Telefonaktion der Rheinischen Post : Nebenwirkungen beunruhigen Patienten

Bei der RP-Telefonaktion im Rahmen der Herzwochen drehen sich viele Fragen um Nebenwirkungen von Medikamenten, aber auch Implantate können Besorgnis auslösen.

Ein Anrufer hatte den gern gegebenen Rat befolgt und seinen Apotheker befragt. Er litt unter Atemnot und nach dem Gespräch in der Apotheke ließ er den verordneten Beta-Blocker einfach weg. Es ginge ihm ohne besser, meinte er, aber Carsten Stoepel, Chefarzt der Kardiologie des Johanniter-Krankenhauses Bethesda, schüttelt den Kopf. Nein, er empfehle,  das Präparat zu wechseln, aber einfach absetzen, das sei keine gute Idee.

„Beta-Blocker gehören zur leitliniengerechten Behandlung eines Herzinfarkts, wie ihn dieser Patient erlitten hat“, erklärt der Kardiologe. Und die Atemnot? Die sei als  seltene Begleiterscheinung möglich, das müsse aber medizinisch abgeklärt werden. „Sie kann auch auf eine neue Engstelle der Herzkranzgefäße hinweisen“, warnt er.

Zum Auftakt der Herzwochen, die sich in diesem Jahr um den plötzlichen Herztod drehen, beantworteten die drei Mönchengladbacher Herzspezialisten Klaus Dominick, Prof. Jürgen vom Dahl und Carsten Stoepel die Fragen der RP-Leser rund ums Herz und die Herzgesundheit. Viele Fragen beschäftigten sich mit den Nebenwirkungen von Medikamenten.

„Das ist auch in der Praxis so“, stellt Dominick, niedergelassener Kardiologe, fest. Er hat eine Patientin am Apparat, die ein Mittel zur Blutfettsenkung nimmt und ihre Gelenkschmerzen darauf zurückführt. Tatsächlich ist die Frage nach den Nebenwirkungen sinnvoll, vor allem, wenn sie sich auch auf einen Medikamenten-Mix bezieht. Denn Medikamente wie Anti-Depressiva helfen nicht nur, sie können auch Herzrhythmusstörungen auslösen. Selbst ein Naturheilmittel wie Johanniskraut kann zu Veränderungen im EKG führen.

Aber nicht nur Medikamente lösen Ängste und Besorgnis aus, auch lebensrettende Implantate wie Defibrillatoren werfen bei den Patienten Fragen auf. Defibrillatoren werden eingesetzt, um den plötzlichen Herztod zu verhindern. Sie werden als Sekundärprophylaxe eingesetzt, um ein Wiederauftreten zu vermeiden, aber auch als Primärprophylaxe, wenn ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod besteht.

„Ein Defibrillator wird zum Beispiel eingesetzt, wenn nach einem Herzinfarkt eine hochgradig eingeschränkte Pumpleistung des Herzens vorliegt“, erklärt Prof. vom Dahl, Chefarzt der Kardiologie des Maria Hilf. Wenn das Herz aussetzt, sendet der Defibrillator einen Impuls und setzt es wieder in Gang. Das, was zur Sicherheit beiträgt, macht auch Angst. Patienten fürchten, nicht sterben zu können, wenn sie todkrank sind. „Die Defibrillatoren sind ebenso abschaltbar wie Herzschrittmacher“, beruhigt Stoepel. „Diese Angst ist unbegründet.“ Auch bei der Frage, ob die Scanner an den Flughäfen oder an den Eingängen von Kaufhäusern dem „Defi“ schaden, können die Mediziner Entwarnung geben. Nein, die Funktion wird nicht beeinträchtigt.

Wer ist eigentlich vom plötzlichen Herztod besonders bedroht? Die Risikogruppen sind klar. „80 Prozent der Betroffenen haben eine strukturelle Herzerkrankung“, sagt vom Dahl. Auch eine Entzündung des Herzmuskels oder genetische Faktoren spielen eine Rolle. Wer sein Risiko kennen lernen will, kann auf den Seiten der Deutschen Herzstiftung einen Onlinetest finden, dessen Ergebnis per Email zugeschickt wird. Es werden Fragen zum Rauchen und zum Gewicht, zu Blutfettwerten oder Blutdruck gestellt.  So kann eine Risikobewertung vorgenommen werden.

Und dann, Wenn man sein Risiko kennt? Dann kann man vorbeugen. Der plötzliche Herztod ist kein unabwendbares Schicksal. „Bewegung und gesunde Ernährung senken das Risiko“, sind sich die Kardiologen einig.