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Mönchengladbach: Schriefersmühle mit neuer Kappe und neuen Flügeln

Denkmal gerettet und saniert : Alles neu: Kappe und Flügel für die alte Schriefersmühle

Zuletzt hat sie sich in den 1920er Jahren so präsentiert. Der Förderverein hat es in acht Jahren geschafft, das Denkmal fast original herzurichten.

Wahrscheinlich war es das erste Mal seit Einführung der Tempo-30-Zone an der Schriefersmühle, dass die Autofahrer sich tatsächlich an die Vorgabe hielten. Wenn es ganz eng wurde und Lasten in die Fahrbahn der B 57 hineinragten, dann sprang Bezirksvorsteher Arno Oellers ein. Gut sichtbar in seiner neongelben Weste stoppte er den Verkehr. Worüber sich niemand beschwerte. Es war einfach zu spannend, was sich in den Morgenstunden des gestrigen Dienstags kurz vor der Stadtgrenze abspielte. Die Schriefersmühle bekam eine neue Kappe und nigelnagelneue Flügel. Es war noch dunkel, als der Tieflader und ein riesiger Kranwagen anrollten. Da standen schon die ersten Schaulustigen am Straßenrand. Diesen einmaligen Vorgang wollten sie sich nicht entgehen lassen.

Zunächst musste die alte Haube, 1974 von der Zimmerei Wirtz aus Rheindahlen gefertigt, herunter von dem markanten Gebäude. Der Kran hievte danach die neue Kappe hinauf. Diese ist in der Mühlenwerkstatt von Harrie Beijk und seinem Sohn Max im niederländischen Limburg gebaut worden – mit einem Durchmesser von acht Metern und einer Höhe von dreieinhalb Metern. Dieses gewaltige Ding musste passgenau auf dem Mauerwerk aufgesetzt werden. Da war echte Maßarbeit gefragt. Und Fingerspitzengefühl. Erfahrung sowieso.

Es klappte reibungslos. Dann konnten die stählernen, 25 Meter langen Flügelruten in die vorgesehenen Befestigungen geführt werden. Auch das gelang – scheinbar problemlos. Die Herren Mühlenbauer zeigten ihre große Kunst vor staunendem Publikum. Die schwarz-weißen Flügel zeigen sich nun in aller Pracht denjenigen, die von Wegberg oder Erkelenz kommen, in ihrer ganzen Größe und Pracht. In Kürze werden sie noch ihre Flügelgatter erhalten, dann präsentiert sich die Schriefersmühle so, wie sie sich zuletzt in den 1920er Jahren zeigte. Das 1747 erbaute Denkmal ist damit nicht nur vor dem Verfall bewahrt worden, es hat sein historisches Aussehen wiedererlangt. „Das hätten wir uns, als wir uns 2011 als Förderverein zusammengeschlossen haben, niemals vorstellen können“, sagte Ferdinand Schmitz, Geschäftsführer des Vereins. Anfangs ging es darum, das total marode Mühlengebäude kurz vor Schluss zu sichern.

In den Jahren darauf wurde das Mauerwerk denkmalgerecht ausgebessert und gegen Schäden geschützt, der Mühlenberg zum größten Teil abgetragen und neu gestaltet. Die einsturzgefährdete Stützmauer und zwei Anbauten, die nicht zur historischen Bausubstanz gehörten, wurden entfernt. In nächsten Sanierungsschritten erhielt die Mühle moderne Installationen, neue Tore und Fenster, einen Fußboden, Geschossdecken aus Holz, maßgefertigte Treppen und den für Veranstaltungen notwendigen zweiten Rettungsweg. Nun wird noch eine Heizungsanlage eingebaut, dann kann die Mühle auch im Winter mit Leben gefüllt werden.