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Mönchengladbach: Totentanz der Ungefiederten im Münster

Mönchengladbach : Totentanz der Ungefiederten im Münster

Die Auseinandersetzung mit dem Thema "Schatten", Tod und Leben, Ruhe und Bewegung hat die Gladbacher Künstlerin Brigitte Zarm zu dem Projekt "Schattenvögel" angeregt. Dazu hat Markus Bongartz elektronische Klänge komponiert.

Mit einer toten, schwarzen Amsel fing es an. "Den Vogel hatte ich während meines Kunststudiums in Düsseldorf fotografiert", erinnert sich Brigitte Zarm. Seither ist die in Mönchengladbach geborene Objektkünstlerin fasziniert von Vogelfedern. Immer wieder nutzt sie die Grundform dieses natürlichen Wärmeschutzes der Flugtiere, um daraus Kunstobjekte zu gestalten. Die Federform weisen etwa ihre Edelstahl-Stelen auf der Wiese neben der städtischen Musikschule auf.

Die Objektkünstlerin Brigitte Zarm. Foto: Ilgner, Detlef

Doch jetzt hat Brigitte Zarm ein neues Schaffenskapitel aufgeschlagen. "Ich nehme nun das Tier als Ganzes in den Blick, aber reduziere es dabei zum Schattenriss", sagt Zarm. Ihr neues Projekt "Schatten-Vögel" faszinierte den ehemaligen Propst des Gladbacher Münsters, Dr. Albert Damblon, und die Gemeinschaft "Lebendiges Münster" so sehr, dass sie die Künstlerin einluden, ihre neue Arbeitsserie in einer Ausstellung in der Münsterkrypta zu präsentieren. Am kommenden Sonntag, 12 Uhr, wird die Ausstellung "Schatten-Vögel" mit etwa 35 Arbeiten dort eröffnet.

Die Malerin und Bildhauerin besitzt eine Sammlung Kupferstiche. Die hat sie als Bildgründe für ihre mit schwarzer Acrylfarbe gemalten Vogelskelette und -schatten nun nutzbringend aus ihrem Familiendepot hervorgekramt und mit einem feinen, weiß schimmernden Firnis überzogen. So passt der romantische Hintergrund der Blätter — Stadtansichten, Pflanzen, Landschaften, Genreszenen — plötzlich gut zu den schattenhaften Gestalten, die von dem Bildraum selbstbewusst Besitz ergreifen. Ein lebhafter Dialog zwischen den Vogelskeletten, die wie aus einer Schattenwelt, vielleicht aus dem Jenseits, in die verschleierte Alltagswelt eindringen, entspinnt sich.

Da hocken fünf Geier mitten in einer verblassten historischen Weltkarte, der Vogel am unteren Rand glotzt unverhohlen einen halbnackten Mann an, der aus seiner Hand einige Vögel davonflattern lässt — die Figur vertritt, wie der Text erklärt, das Element Luft, den natürlichen Lebensraum der Gefiederten. Bei Brigitte Zarm büßen die Vögel allerdings ihr Gefieder ein. Ein anderer Vogel hat sich vor einem Druck der Dürer-Grafik mit Rasenstück aufgebaut. "Als ob er darüber meditiert", erläutert die Künstlerin den beabsichtigten Eindruck. Zwei Eulen besetzen einen Kupferstich, der das historische Gladbach mit der alten Münsterkirche zeigt. Das wirkt dosiert unheimlich, eher skurril. "Humor ist oft mit im Spiel", betont Zarm. Auf einem anderen Kupferstich ist jedoch zu erkennen, dass einer der Vögel zu Boden stürzt — hier drängt sich das Thema Sterben und Tod spontan in die Wahrnehmung. "Das passt in die Passionszeit", meint Ria Acht von der Gemeinschaft Lebendiges Münster.

Die Ausstellung wird bereichert aus dem Genre Musik. Der ehemalige Vorsitzende des Gladbacher BIS-Zentrums, der in Berlin lebende Komponist Markus Bongartz, hat die visuelle Schau der Schattenvögel um musikalische Loops erweitert, die per gelenktem Zufall über vier Laptops elektronische Klänge einspielen. Die hat Bongartz aus Vogelstimmen entwickelt. Die Klangbasis — als Pendant zu den Stichen als Bildgrund — jedoch bilden Ausschnitte aus einer Sinfonie Anton Bruckners. Dazu lässt sich, Julias Wort aus "Romeo und Julia" umkehrend, feststellen: "Es war nicht die Nachtigall, es war die Lerche."

(RP)