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Mönchengladbach: Mowgli und Balu laufen auf Rollschuhen

Mönchengladbach : Mowgli und Balu laufen auf Rollschuhen

Die Affen drehen Pirouetten, die Schlangen formieren sich zur Polonaise: Knapp 40 junge Rollkunstläuferinnen studieren eine Fortsetzung des Klassikers "Dschungelbuch" ein. Am 15. März ist Premiere im Schulzentrum Neuwerk.

Rückwärts gleitet Nathalie auf Rollschuhen durch die Halle des Schulzentrums Neuwerk. Nicht allzu schnell, eher träge, schließlich stellt die 15-Jährige gerade Balu, den Bären, dar. Plötzlich springt sie vom linken Fuß ab, dreht sich einmal in der Luft und landet sicher mit den Rollschuhen auf dem Hallenboden. "Das war ein Lutz", erklärt ihre Trainerin Petra Gutowski, während Nathalie weiter Pirouetten dreht, dann wieder leichtfüßig tänzelt oder mit dem Po wackelnd herumtapst.

Aus den Lautsprechern tönt dazu "Probier's mal mit Gemütlichkeit." Nathalie probt für das Rollschuh-Märchen, das die Rollkunstlaufabteilung des Gladbacher Roll- und Schlittschuhclubs (GRSC) im März in der Halle aufführt. Knapp 40 Läuferinnen im Alter von sieben bis 18 Jahren zeigen eine Fortsetzung des Klassikers "Dschungelbuch". "Das wird eine Mischung aus Dschungelbuch und Bollywood", kündigt Gutowski, die das Märchen entwickelt hat, an.

Die Handlung: Findelkind Mowgli lebt mittlerweile in einem indischen Dorf, doch als die Tiere ihn bitten, mit ihnen die Prinzessin aus den Fängen der bösen Affen zu befreien, kommt er mit in den Dschungel. Die Rollkunstläuferinnen stellen die Szenen dar, eine Erzählerin liest dazwischen den Text vor. Neben Liedern aus Disneys "Dschungelbuch" hat Gutowski typische Bollywood-Musik ausgesucht. Auch ein Lied aus dem oscarprämierten "Slumdog Millionaire" ist dabei — der Titel "Paper Planes". Dazu trainieren Joelle (11) und Lisa (12) jetzt ihr Duett, Nathalie hat ihre Solo-Szene beendet. Joelle spielt Mowgli, Lisa seine Freundin Shanti. Synchron drehen sie Pirouetten, springen, zeigen Hebungen. "Das meiste sind Figuren, die wir auch sonst im normalen Training üben", erklärt Nathalie. Hebefiguren gehörten eigentlich nicht dazu, ergänzt sie. "Das ist schon etwas anderes", bekräftigt Lisa, als Joelle und sie ihre Szene durchgetanzt haben.

Danach proben vier Läuferinnen ihren Auftritt als beschwörende Schlangen, noch tragen alle Darstellerin ihre Trainingskleider. Anfang März bei der Generalprobe ziehen sie dann die bunten Kostüme an, die aus dem Fundus des Vereins stammen oder von ihren Müttern genäht werden. "Es macht Spaß, das Märchen einzustudieren", schwärmt Nathalie, die dann ein graues Bärenkostüm tragen wird. Seit acht Jahren ist sie Rollkunstläuferin, spielte auch schon den Zauberer von Oz.

Seitdem Gutowski die Gruppe 1999 übernahm, hat der GRSC fünf Märchen aufgeführt, Joelle und Lisa haben jetzt bei der sechsten Produktion zum ersten Mal Hauptrollen. Am 15. März ist die Premiere, aufgeregt seien sie "überhaupt nicht", sagen die Mädchen. Beide sind seit zweieinhalb Jahren im Verein. Joelle wurde von der "Chinesischen Nachtigall" zum GRSC gelockt: "Ich sah mir damals die Märchenaufführung an und fand sie so schön, dass ich auch Rollkunstlaufen wollte."

Das Dschungelbuch einzustudieren ist für Lisa, Nathalie und sie eine gute Abwechslung, denn nebenher stecken die Sportlerinnen mitten im Sprungtraining für die Wettkampfsaison. "Nach dem Märchen wird es wieder ernst", sagt Nathalie. Doch jetzt freut sie sich erst mal darauf, den Applaus des Publikums zu hören, wenn sie als Balu durch die Halle tanzt und tapst. Und beileibe nicht immer nur gemütlich.

(naf)