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Mönchengladbach: Rückblicke in die Zeit der Leinenweberei

Mönchengladbach : Rückblicke in die Zeit der Leinenweberei

Magdlen Gerhards hat aus ihrer Familiengeschichte einen historischen Roman entwickelt: "Ein Haus mit vielen Türen".

Die Fotografie, unterlegt vom Muster eines Leinentuchs, zeigt ein hübsches, großes Haus. "Das war die Villa Waters, in der die Familie meines Ururgroßvaters Reiner Waters und deren Nachkommen gelebt haben", erläutert Magdlen Gerhards (61) das Buch-Cover. Heute stehen auf dem Areal in Waldniel Einfamilienhäuser. Wer das Titelblatt des Taschenbuches wendet, kann dies bis zur Seite 428 wiederholen. Also ein ganz schön umfängliches Stück Literatur. "Ein Haus mit vielen Türen" hat die Autorin, die nach einem Kurzroman ("Sprich nur ein Wort") und zwei Kinderbüchern erstmals die epische Langform gewählt hat, ihren historischen Roman betitelt.

Die Geschichte beginnt im Jahr 1807 — als der Niederrhein von Napoleons Truppen besetzt war. Die junge Madelena — der Name ist Ergebnis eines deutsch-französischen Kompromisses ihrer Eltern — heiratet den mittellosen Reiner Sanders. Ihre Mitgift legt den Grundstein für Reiners Unternehmen, eine Leinenweberei. Der kann sich so und mit viel Fleiß eine Existenz aufbauen. Doch in dem Buch, das mit dem Jahr 1865 endet, geht es nicht nur bergauf.

"Ich habe im Prinzip wesentliche Teile meiner Familiengeschichte in dem Roman geschildert, allerdings mit fiktiven Personen", betont die Autorin. Dafür standen ihr als Quellen zwei Aufsätze im Heimatbuch des Kreises Viersen zur Verfügung, deren Jahrgänge 2000 und 2001 eine Abhandlung zur Geschichte der Waldnieler Reiner Waters GmbH von Vera Meyer-Rogmann enthalten. "Und ich besitze einen 1,50 Meter breiten, riesigen Stammbaum von Reiner und Magdalena, meinen Ururgroßeltern", fügt Gerhards an. "Das Paar hatte zehn Kinder, die Familie war also ziemlich groß und verzweigte sich weit." Dass die Leinenweberei sogar einmal päpstlicher Hoflieferant war, hat ihr eine ältere Tante erzählt. Mit der pikanten Anekdote, dass ein Vorfahr bei einer Warenlieferung in Rom sturzbetrunken war und sich gründlich daneben benahm.

Die Firma sollte fast 150 Jahre später Magdlen Gerhards' Vater Richard Waters abwickeln. Doch in Band 1 der auf drei Bücher angelegten Familiensaga geht es zunächst aufwärts. In Band II, an dem die Autorin derzeit schreibt, rückt der Erste Weltkrieg schon näher und der bevorstehende Niedergang beginnt sich abzuzeichnen. "Band III wird dann die Wirren der beiden Weltkriege spiegeln", erklärt Gerhards.

Die Autorin beansprucht nicht, dass sie eine hieb- und stichfeste historische Darstellung zustande gebracht habe. "Ich habe bewusst historische Überlieferung und Fiktion miteinander verwoben", nimmt sie den Begriff auf, der zur Branche, der Leinenweberei, passt. Statt einer Einteilung in Kapitel wählte sie eine Gliederung, die Jahreszahlen als Titel verwendet. Darunter versammelt sie jeweils eine kurze Betrachtung der betreffenden Epoche.

Aus ihrem Buch wird Magdlen Gerhards zunächst im Kreis Viersen öffentlich lesen, Anfang April bei der "Schlafkultur" in Dülken und im Mai in der Bibliothek Waldniel. "In Planung ist eine weitere Lesung im Theater im Gründungshaus in Eicken, aber dafür steht der Termin noch nicht fest", sagt Gerhards.

(RP)