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Mönchengladbach: Die Ohrwürmchen krabbeln sich frei

Mönchengladbach : Die Ohrwürmchen krabbeln sich frei

25 Jahre nach der Gründung hat sich das Mönchengladbacher Salonorchester von der Volkshochschule getrennt. Nach überproportionaler Erhöhung der Kursgebühren verlassen die 15 Musiker die VHS und organisieren sich im Verein.

Es hat Querelen gegeben, doch über Details zu den Auseinandersetzungen mit dem bisherigen Träger des Gladbacher Salonorchesters "Die Ohrwürmchen" möchte Frans Hamelers nicht sprechen. Wichtig ist für ihn, welches Ergebnis der Ablöseprozess des auf Kaffeehaus- und Salonliteratur der Operettenzeit vor dem Ersten Weltkrieg und Evergreens der 1920er-Jahre spezialisierten Ensembles hat: "Wir gehören nicht mehr zum Bildungsangebot der Volkshochschule Mönchengladbach, und wir proben auch nicht mehr in der städtischen Musikschule", erzählt der 72-jährige Dirigent, der früher als Solocellist am vorderen Pult der Niederrheinischen Sinfoniker saß.

Vor zwei Jahren kostete die aktive Teilnahme in dem kleinen Salonorchester für ambitionierte Musiker 40 Euro im Semester, in diesem Jahr wurde das Entgelt auf 80 Euro verdoppelt. Diesen Preissprung fanden Hamelers und die meisten Musiker in dem Kammerorchester unverhältnismäßig hoch, zumal sie sich als eines der "Aushängeschilder" des Weiterbildungsinstituts Volkshochschule verstanden haben.

"Ich leite die Ohrwürmchen zukünftig ehrenamtlich", versichert Frans Hamelers. Die von den Mitgliedern und einigen Förderern eingesammelten Beiträge mussten nach der Trennung für die Beschaffung neuer Notenmaterialien verwendet werden, denn die verfügbaren Bestände gehören der VHS. Hamelers, der die Orchesterleitung vor sieben Jahren von Dr. Gert Holtmeyer übernommen hatte, weiß freilich, dass die Ohrwürmchen in Zukunft nicht mehr auf die VHS als Werbeinstanz werden bauen können. Nun ist das Ensemble frei und damit dem rauen Wind des Marktes ausgesetzt. "Aber wir sind schon ganz gut aufgestellt", sagt Frans Hamelers, "wir haben einen schönen, großen Saal direkt neben der Franziskanerkirche an der Bettrather Straße mieten können."

Und es gibt weitere Erfolgsnachrichten: "Im vergangenen Jahr haben wir nach langer Zitterpartie wieder Verstärkung in der Geigengruppe erfahren", so der Dirigent, "wir hatten als Tiefststand vier Geigenstimmen, jetzt sind es neun." Allerdings will der 72-jährige Cellist, der nach einer Erkrankung das Streichinstrument nur noch bei wenigen Anlässen spielt, noch keine Entwarnung geben. "Wir haben weiterhin Bedarf an Musikern", gibt Hamelers zu, "vor allem brauchen wir dringend einen guten Schlagzeuger, aber auch ein weiteres Cello, ein paar Geigen, eine Trompete und eine Kraft, die unseren Pianisten im Verhinderungsfall vertreten kann." Derzeit springt in solchen Fällen meist Hamelers' Lebensgefährtin ein, doch für ein kontinuierliches Engagement bei den Ohrwürmchen fehle ihr die Zeit.

Derzeit proben die Ohrwürmchen ein Wiener Programm ein, das sie am 22. März ab 11 Uhr beim "Wiener Brunch" im Geneickener Bahnhof spielen. Und am ersten Adventssonntag, 30. November, 15 Uhr, steht schon ihr Auftritt an den Kliniken Maria Hilf fest. "Zum ersten Mal spielen wir das Adventskonzert im St.-Franziskus-Krankenhaus", informiert Hamelers. — Es scheint, dass die neue Freiheit den Ohrwürmchen gut bekommt.

(RP)