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Mönchengladbach: Hannah ist die beste Vorleserin der Stadt

Mönchengladbach : Hannah ist die beste Vorleserin der Stadt

In der Zentralbibliothek traten gestern 16 Sechstklässler beim Vorlesewettbewerb an. Hannah Kuhn gewann und ist eine Runde weiter.

Drei Minuten hat Luca Reussner Zeit, die Jury von sich zu überzeugen. Der Zwölfjährige rückt sich den schwarzen Stuhl zurecht, legt sein Buch auf den Holztisch, beugt sich zum Mikrofon und blickt ins Publikum. "Ich stelle euch heute das Buch Rico, Oskar und die Tieferschatten von Andreas Steinhöfel vor", lässt Luca seine Zuhörer mit fester Stimme wissen. Er beginnt zu lesen — ab jetzt läuft die Stoppuhr.

Die Geschichte handelt von den beiden Jungen Oskar und Rico, die dem berüchtigten Kidnapper "Mister 2000" auf die Spur kommen. Als die drei Minuten um sind, tippt ihm Moderatorin Judith Münch von der Seite auf die linke Schulter. Luca räumt die Bühne im Foyer der Zentralbibliothek für den nächsten Teilnehmer im Stadtentscheid des Vorlesewettbewerbes, den der Börsenverein des Deutschen Buchhandels seit 1959 durchführt. Gewinnen wird er ihn trotz guter Leistung nicht: Siegerin ist Hannah Kuhn vom Städtischen Gymnasium an der Gartenstraße.

Mönchengladbach: Hannah ist die beste Vorleserin der Stadt
Foto: knappe

"Wir haben 16 Teilnehmer aus 16 verschiedenen Schulen", erzählte Astrid Eickelpasch, Filialleiterin der Mayerschen Buchhandlung, gestern Mittag kurz bevor der Wettbewerb begann. Gemeinsam mit der Zentralbibliothek organisierte die Mayersche die Lokalrunde. Gymnasien, Realschulen, Gesamtschulen und eine Hauptschule hatten ihre Schulsieger in die Bibliothek geschickt. Bundesweit machen jedes Jahr nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels rund 600 000 Sechstklässler mit. 6746 Schulsieger messen sich derzeit in den Stadt- und Kreisrunden, darüber hinaus treten 403 Förderschulsieger in einem eigenen Vorlesewettbewerb an.

Luca Reussner las gestern stellvertretend für das Hugo-Junkers-Gymnasium. So ruhig und selbstbewusst, wie er auf der Bühne wirkte, war er dabei gar nicht: "Vorher habe ich gezittert", verriet er nach der ersten Runde. Die Schüler durften nacheinander erst drei Minuten aus einem Buch ihrer Wahl vorlesen, danach mussten sie zwei Minuten lang aus einem Fremdtext lesen, den die vierköpfige Jury ausgewählt hatte: "Die kleine Hexe Ida" von Bettina Obrecht. "Es sollte ein Text sein, der zum Beispiel keine Phantasienamen und Fremdwörter enthält", erläuterte Jurorin Astrid Eickelpasch. Neben ihr bewerteten Buchhändlerin Sabine Scholz, ebenfalls von der Mayerschen, sowie die Lektorinnen Ursula Schmidt-Coenen und Mandy Ehrentraut von der Zentralbibliothek die Vorleser. Sie achteten unter anderem darauf, wie die Teilnehmer die Texte interpretieren, ob sie die Wörter deutlich aussprachen, nicht zu leise lasen und an den richtigen Stellen Pausen machten.

"Ich habe mein Buch extra ausgewählt, weil ich damit glänzen kann", erzählte Luca. Denn der Text enthalte viel wörtliche Rede und er könne mit der Betonung spielen. Konkurrent Leon Geilen verließ sich bei seiner Buchauswahl auf seine Lehrerin: Der Elfjährige las aus "Gespensterjäger auf eisiger Spur" von Cornelia Funke. Leon trat für die Katholische Hauptschule Neuwerk an, wie Luca hat er sich ein paar Wochen lang täglich auf seinen Auftritt vorbereitet und seiner Mutter vorgelesen. Während des Wettbewerbs hörte er gebannt zu, was die anderen Teilnehmer lasen: "Die sind gut", fand Leon. "Jeder von uns hat natürlich seine Favoriten", sagte Jurorin Ursula Schmidt-Coenen. Doch am Schluss konnte sich die Jury auf Hannah Kuhn einigen, die aus dem Buch "Leon und der falsche Abt" von Eva Maaser las. Als Preis bekam sie zwei Bücher. Außerdem fährt Hannah zum Bezirksentscheid — und tritt vielleicht im Juli in Berlin in der Bundesrunde an.

(naf)