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Mönchengladbach: "Family of Peace" im Haus Erholung

„Familiy of Peace“ : Gospelchor bietet Konzert voller Vitalität

„Family of Peace“ mit seinen 100 Chormitgliedern war zu Gast im Haus Erholung. Das Publikum im Kaisersaal wurde von Beginn an durch Leiter Gabriel Vealle zum Mitsingen, Klatschen und Aufstehen animiert – mit Erfolg.

Zuerst kommt der Chor auf die Bühne, dann der Dirigent, und dann geht‘s los. Normalerweise. Dass es auch andersherum geht, war jetzt beim Weihnachtskonzert der Gesellschaft Erholung zu erfahren.

 Zunächst meldeten sich aus dem Hintergrund ein Keyboard und ein Schlagzeug, und dann kam Gabriel Vealle, der Leiter des Gospelchors „Family of Peace“. Allerdings nicht, um zu dirigieren, sondern um zu singen. Und dann betraten die 100 Chormitglieder den restlos besetzten Kaisersaal des Hauses Erholung, um nach und nach mitzusingen.

 Auf dem Programm stand Weihnachtliches, Geistliches, Festliches und noch manches andere, was zur Jahreszeit passt, also Titel wie „The night that Christ was born“, „Its beginning to look a lot like Christmas“, „Joy to the world“ und „Silent night“. Mit der üblichen Arbeitsteilung, dass auf der Bühne gesungen und im Saal zugehört wird, mochte sich Vealle indes nicht abfinden. Von Anfang an animierte er sein Publikum zum Mitsingen, Klatschen und Aufstehen.

 Gabriel Vealle ist die Seele des Chors. Er hat voll und ganz das Auftreten eines professionellen Entertainers. Er dirigiert mit einer offensichtlich unbegrenzten Vitalität, die sich noch an seiner Fußakrobatik beobachten lässt. Man kommt kaum auf den Gedanken, dass er in seinem Leben je etwas anderes gemacht hat als Musik und Show-Business. Dabei geht er als Informatiker einer soliden bürgerlichen Berufstätigkeit nach und nennt die Chorarbeit sein Hobby.

 Den 2010 gegründeten Mönchengladbacher Chor hat er auf ein erstaunliches Niveau geführt. Es überrascht nicht, dass sich die Lockerheit des Leiters auf den Chor überträgt. Darüber darf aber nicht vergessen werden, dass eine Menge an akribischer Detailarbeit in den Proben geleistet werden muss, bis alle ihre Stimmen auswendig können, alle Einsätze sitzen und die Harmonien rein klingen.

Und dann wird Mühe darauf verwendet, dass es nicht nach Mühe aussieht und nicht danach klingt. Bei aller Spontaneität ist vieles vorher genau überlegt. Dass beim Mitsingen einige Zuhörer in die Pausen hineinplatzen könnten, ist im Grunde eingeplant. Der Chor hat schon geübt, wie er darauf auf witzige Weise reagieren kann.

Die Sicherheit im Auftreten lässt sich auch an daran messen, wie viele Chormitglieder als Solisten tätig werden. Zu ihnen gehört auch eine Tochter Vealles. Bunt gemischt ist zudem die Altersstruktur im Chor: Diese reicht von 20- bis zu 80-Jährigen.

 Das Ganze macht den Mitgliedern offensichtlich großen Spaß. Wie anders lässt es sich erklären, dass dieser Chor keine Nachwuchsprobleme kennt, sondern erst dann neue Mitglieder aufnehmen kann, wenn die Teilnehmerzahl unter die magische Grenze von 100 sinkt?

 Viel Spaß machte das Konzert auch dem begeisterten Publikum. Ob solche Konzerte im schönen Haus Erholung auch dann noch möglich sind, wenn diese gute Stube Mönchengladbachs wirklich an private Geschäftsleute verkauft werden sollte? Aber das ist eine andere Geschichte.