Sinfoniekonzert im Theater Mönchengladbach

Mönchengladbach : Tragik und Fröhlichkeit im Sinfoniekonzert

Die niederländische Cellistin Quirine Viersen spielte mit fulminanter Technik.

Es ist so eine Sache mit der Minimal Music. Die einen empfinden sie als einschläfernd, weil dauernd fast dieselben Takte wiederholt werden. Und die anderen als spannend, weil in die permanenten Wiederholungen ständig kleine Veränderungen eingebaut werden.

Das gilt auch für „Façades“ von Philip Glass, auch wenn sich der Komponist gar nicht zu den Minimalisten zählt. Nicht debattieren muss man indessen über die gelungene Wiedergabe im Konzertsaal des Theaters. Die beiden Soloflöten waren mit Dario Portillo Gavarre und Svenja Kips tadellos besetzt, das klein besetzte Orchester spielte präzise, und Dirigent Diego Martin-Etxebarria mischte den Gesamtklang mit einem Synthesizer auf.

Die Niederländerin Quirine Viersen gehört zu den Wenigen, die Samuel Barbers Cellokonzert live aufführen. Das Werk steckt voller technischer Schwierigkeiten. Doppelgriff-Kaskaden werden noch in großen Höhen verlangt, Geschwindigkeitsbegrenzungen finden nicht statt, und die Kadenzen haben es in sich. Stilistisch ist das Werk irgendwo zwischen Spätromantik und gemäßigter Moderne angesiedelt. Die Solistin spielte es mit fulminanter Technik und elegantem Ton, was die Zuhörer mit begeistertem Beifall würdigten.

Für Mozarts Sinfonie Nr. 39 Es-Dur KV 543 wählte Etxebarria einen gewiss diskussionswürdigen, auf jeden Fall aber interessanten Ansatz. Schon in der langsamen Einleitung steckt eine tiefe Tragik. Die lässt sich auch in der ganzen Sinfonie finden. Sehr bewusst betonte der Dirigent aber die andere, die fröhliche Seite, die in der Sinfonie durchaus auch vorhanden ist. Er wählte fürs Menuett und fürs Finale rasante Tempi. Die Streicher waren absichtlich sparsam besetzt, abgestuft von neun Geigen bis zu drei Kontrabässen. Gespielt wurde mit lockeren Bogenstrichen. Anstelle eines Wühlens in emotionalen Tiefen ging es ums Spielerische, ums Lebensbejahende.

Es gibt immer mehr als eine Interpretationsmöglichkeit. Insofern ist festzuhalten: man muss Mozart nicht so spielen, aber man darf es. Auf jeden Fall war Etxebarrias Konzeption spannend, von Langeweile weit entfernt. Und sie war, bis hinein in sorgfältig herausgearbeitete Details, sehr konsequent umgesetzt. Die Niederrheinischen Sinfoniker verdienten sich Bestnoten.

Zwei musikalische Weihnachtspräsente sorgten zusätzlich für gute Stimmung. Während der Pause überraschte die Cellogruppe mit einem raffinierten, zuckersüß gespielten Arrangement von „White Christmas“. Und zum Schluss gab es mit der Kindersinfonie eine schwungvolle Orchesterzugabe, garniert mit allerlei Nachwuchs-Klangwerkzeugen. Ob Leopold Mozart oder Joseph Haydn als Komponist zu gelten hat, wird in der Wissenschaft kontrovers diskutiert.