Mönchengladbach : Vor dem Singen wird gegähnt

Der Madrigalchor singt neben geistlicher Musik gern alte Volkslieder in moderner Bearbeitung.

Die Aufforderung „Hände hoch“ erinnert normalerweise an Wildwest- oder Kriminalfilme, an den Beginn einer ganz normalen Chorprobe denkt man dabei wohl eher weniger. Aber niemand erschrickt, und Chorleiter Georg Schillinger sagt es auch nicht wörtlich. Bedrohliches geht von dem freundlichen, im Schwarzwald geborenen und aufgewachsenen Chorleiter ohnehin nicht aus. Aber der versierte Gesangspädagoge, der in Aachen Musik studierte, weiß selbstverständlich, dass Singen auf freier und beherrschter Atmung beruht und eine lockere Muskulatur erfordert. Da bietet es sich an, vor dem Einsingen zuerst einmal einige Lockerungs- und Atemübungen zu machen. Die Hände gehen nach oben, die Schultern nach hinten, der Kopf wird in beide Seiten gedreht. Es wird gegähnt und gehechelt. Erst dann werden zum Einsingen einige Tonfolgen munter rauf und runter gesungen.

Der Mönchengladbacher Madrigalchor besteht bereits seit 1957. Gegründet wurde er auf Initiative der Pfarre St. Elisabeth als „Eickener Jugendsingkreis“. Schon bald übernahm ihn die städtische Musikschule als Chor für fortgeschrittene Musikschüler und gesanginteressierte Erwachsene. Seit 2004 gehört der Chor zu den Musikensembles der Volkshochschule (VHS) als „Kammerchor, der Chormusik von der Renaissance bis zu moderner Literatur pflegt.“

30 Mitglieder treffen sich regelmäßig dienstags um 20 Uhr zur Probe in der Musikschule. Zum Repertoire gehört, wie der Name schon sagt, geistliche Musik. Aber nicht nur. Auch weltliche Musik wird regelmäßig geübt und aufgeführt, besonders beliebt sind alte Volkslieder in modernen Bearbeitungen. A-cappella-Singen ist genau so üblich wie das Zusammenwirken mit Instrumentalisten, beispielsweise mit dem Kammerorchester der VHS.

Konzerte im Rahmen der Volkshochschule sind selbstverständlich. Darüber hinaus tritt der Chor regelmäßig in Gottesdiensten auf, so im Gladbacher Münster, in St. Barbara und in St. Gereon (Giesenkirchen). Gern nehmen die Chormitglieder auch Einladungen von sozialen Einrichtungen wie Alten- und Pflegeheimen an.

Schillinger ist der achte Leiter des Chores, der erste war Rudolf Sprothen. Sprothen ist noch heute Mitglied des Chores. Dass er seinerzeit die Leitung abgab, beruht nicht auf Ärger oder Frust, die Aufgabe wurde ihm neben seiner hauptberuflichen Aufgabe einfach zu viel. Das gilt auch für seine Nachfolger, die sich als Musiklehrer, Schulleiter oder Kirchenmusiker in Mönchengladbach zweifellos einen Namen erworben haben: Klaus Geerkens, Georg Bours, Udo Witt, Dieter Döben, Stephanie Borkenfeld-Müllers und Nadja Amari.

Der Gedanke, auch fortgeschrittenen Schülern der Musikschule eine Möglichkeit zu bieten, Chorliteratur kennen zu lernen und Erfahrung im Chorsingen zu gewinnen, spielt heute eine weniger große Rolle als früher. So sympathisch die Absicht auch war, ganz unproblematisch war sie nicht. Die Fluktuation war seinerzeit sehr groß, denn in der Regel verabschiedeten sich die Jugendlichen nach dem Abitur. Das Studium an einem anderen Ort hatte verständlicherweise Vorrang. Allerdings: Neue Chormitglieder sind durchaus willkommen. Platz ist in allen Stimmlagen, besonders erwünscht sind Tenöre.

Zu den besonderen Erfolgen des Madrigalchores gehören der Gewinn des ersten Preises beim internationalen Wettbewerb im belgischen Neerpelt, eine Live-Sendung des WDR aus dem Rathaus-Innenhof sowie mehrere Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen. Auf der deutsch-französischen Städtepartnerschaft mit Roubaix beruht eine langjährige Freundschaft mit dem dortigen „Chorale de l’Europe“.