Terry Fox in der Galerie Löhrl Mönchengladbach

Mönchengladbach : Liebevolle Hommage an den Künstler Terry Fox

Dietmar Löhrl war mit dem Amerikaner, der vor zehn Jahren starb, befreundet. Die Ausstellung macht deutlich, wie bedeutend Fox war.

Wenn Dietmar Löhrl über den Künstler Terry Fox redet, klingt seine Stimme ganz warm. Viele Jahre lang hat er den Amerikaner begleitet, hat ihn in seinem Haus aufgenommen, seine Werke ausgestellt, ihn zur Ensemblia vermittelt. Die beiden waren bis zum Tod des Künstlers vor zehn Jahren Freunde. Der Galerist, der seine schönen Räume inzwischen an Sohn Christian weitergegeben hat, wollte es sich nicht nehmen lassen, zehn Jahre nach dem Tod des Konzept- und Fluxuskünstlers, einige seiner Arbeiten in der Galerie an der Kaiserstraße 58 auszustellen. Die Werke hatte er zuvor an das Kunstmuseum Bern ausgeliehen. „Als sie zurückkamen, wollte ich sie nicht einfach wegpacken“, sagt Dietmar Löhrl. Und so sind sie nun – sehr still, sehr konzentriert – in der Galerie zu sehen.

„Quattro Stagioni“ heißt die 33-teilige Foto-Arbeit, die eine Performance dokumentiert, die Terry Fox 1981 in Bologna realisierte. In einer leerstehenden Kirche spannte er Klaviersaiten durch den Raum und bearbeitete sie mit den Händen. Es erklang eine Musik, die so zuvor nie gehört wurde. Unter dem Titel „Insalata Mista“ nahm er sie auf. In der Galerie Löhrl ist sie zu hören. „Er hat ein Loch in die Kirchentür gebohrt“, sagt Dietmar Löhrl, „dadurch konnten die Leute in den Raum schauen, und wenn sie ihr Ohr daran legten, hörten sie die Klänge.“

„Sunbrella“ heißt das Schirm-Objekt von Terry Fox, mittels dessen man angeblich die Uhrzeit ablesen kann. Foto: Reichartz,Hans-Peter (hpr)

Ab 1983 hat der Galerist Arbeiten von Terry Fox gekauft. „Terry gehört zu den Künstler-Künstlern“, sagt er. Ähnlich wie Palermo sei Fox von seinen Künstler-Kollegen sehr geschätzt gewesen, von den Rezipienten habe er zu wenig Beachtung gefunden. „Dabei hat er überaus innovativ gearbeitet. Und seine Aktionen seien teilweise spektakulär gewesen.

Etwa die am Furkapass in der Schweiz. „Er ist mit einer Gruppe zum Rhonegletscher gewandert.“ Während seine Begleiter respektvoll Abstand von den Eisspalten gehalten hätten, sei Terry Fox immer weiter gelaufen. „Er hatte einen Süßwasserfisch dabei, den hat er im ewigen Eis versenkt.“ Das ewige Eis ist inzwischen nicht mehr ewig. Deshalb wird die Vision des Künstlers sicher eines Tages Realität werden. „Es hat sich ausgemalt, wie die Wissenschaftler rätseln, wie wohl der Süßwasserfisch in diese Bergregion gelangen konnte.“ Dietmar Löhrl schmunzelt, wenn er diese Geschichte erzählt. „Terry Fox war einer der ersten Künstler, die unter Einsatz ihres Körpers und ihres Lebens performten.“ Bei der ersten Performance, die Terry Fox in Deutschland realisierte, hatte er einen besonderen Assistenten: Joseph Beuys. „Da war Terry 21 Jahre alt, und Beuys hatte ihn in die Düsseldorfer Kunstakademie eingeladen.“

In der Galerie ist ein am Griff aufgehängter Regenschirm zu sehen. Terry Fox nannte ihn „Sunbrella“ und funktionierte ihn zur Sonnenuhr um. „Er hat einen roten Stoffstreifen eingenäht, auf den er Uhrzeiten schrieb“, erklärt Löhrl. Dann stanzte er ein Loch in die Schirmbespannung. „Wenn man den Schirm so hält, dass die Sonne durch das Loch strahlt, kann man auf dem Streifen die Uhrzeit ablesen.“ So hat es auf jeden Fall Terry Fox erklärt. Dietmar Löhr schmunzelt.