1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Mönchengladbach: Kulinarisches im Hause Wahnfried

Mönchengladbach : Kulinarisches im Hause Wahnfried

Im Restaurant "Richard Wagner" aßen die Gäste Gerichte, die auch dem Komponisten schon geschmeckt haben.

Im Rahmen der Zusatzprogramme rund um Richard Wagners Oper "Lohengrin" näherte sich eine stattliche Zahl von Opernfreunden nun auch auf kulinarische Weise dem Komponisten dieser großen romantischen Oper. Welcher Ort in Rheydt wäre dafür geeigneter gewesen als das Restaurant "Richard Wagner" auf der Straße gleichen Namens? Gastronom Holger Böker hatte mit seinem Team ein köstliches Drei-Gänge-Menü vorbereitet, entnommen dem lesenswerten Buch "Wagners Küche".

Zu den Gästen gesellten sich - verteilt an den Tischen - Generalmusikdirektor Mihkel Kütson und die Sängerinnen und Sänger der Hauptpartien in der noch zweimal (am 18. und 25. März, jeweils um 17 Uhr) im hiesigen Theater zu erlebenden Produktion.

Operndirektor Andreas Wendholz begrüßte die Gäste und dankte Holger Böker. Doch bevor die schmackhafte "Weinschaumsuppe mit Frankenwein" serviert wurde, las Michael Nowack aus Ludwig Streckers "Empfang im Hause Wahnfried". Hier wurde deutlich, mit wie viel Aufwand man beliebte zu dinieren - so als gäbe es nicht die drückenden Schulden, vor denen die Gastgeber oft genug fliehen mussten. Für Wagners Gäste gab es auch bestimmte Regeln: Beispielsweise durfte man den Komponisten Meyerbeer, den Wagner abgrundtief verachtete, nicht erwähnen, und es war verpönt, über Schopenhauer etwas Negatives zu sagen.

Musikdramaturgin Ulrike Aistleitner berichtete aus "Wagners Küche". Der Meister liebte eine fränkisch-französische Küche und bevorzugte Bier zu den Mahlzeiten. Zeitweise favorisierte er vegetarische Speisen, doch dann wieder war er fleischlicher Kost nicht abgeneigt. Das belegte auch der Hauptgang im "Richard Wagner" - es gab Fränkischen Krustenbraten mit Kartoffelklößen und Sauerkraut.

"Wie starb Wagner?" war der letzte Textbeitrag des Abends, und da wurde noch einmal die ganze Widersprüchlichkeit dieser schillernden Persönlichkeit deutlich. In Venedig hatte der dort mit seiner Familie weilende Komponist am Morgen seines Todestages, dem 13. Mai 1883, eine heftige Auseinandersetzung mit seiner ihn ansonsten bis zur Selbstaufgabe liebenden Ehefrau Cosima. Das muss ihn so aufgeregt haben, dass auf dem Totenschein "Tod durch außerordentliche psychische Belastung" stand.

Doch das focht die sich bestens unterhaltenden Wagnerfreunde nicht an - sie genossen das Dessert - eine edle Creme mit Waldbeeren - und stießen mit gutem Wein auf einen entspannten Abend an.

(oeh)