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Mönchengladbach: Freimaurerei als Lebenshaltung

Mönchengladbach : Freimaurerei als Lebenshaltung

Bei diesen Logen denkt man an geheimnisvolle Mächte, Mythen und Rituale. In Gladbach gab es nun einen für alle offenen Abend.

Wenn sie sich treffen, bleiben sie unter sich. Außenstehenden bleibt ein Einblick meist verwehrt. Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass viele in ihr eine Art Geheimbund oder gar eine Untergrundorganisation vermuten: die Freimaurer. Mythen von Verschwörungen sind ebenso zahlreich wie die Zahl der Jahre, die sie bereits existiert. Doch was passiert eigentlich bei den Ritualen und Treffen einer Loge? Und wofür steht die Freimaurerei eigentlich? Bei einem Vortragsabend in der Freimaurerloge "Vorwärts" bekamen Interessierte nun die Gelegenheit, einen Einblick in die Geschehnisse einer Loge zu erhalten. Das Besondere: An diesem Abend trafen sich Männer- und Frauenloge zu einem gemeinsamen Diskussionsabend unter dem Titel "Die rechte Zeit für Utopien?".

"In Gladbach gibt es viele an der Freimaurerei interessierte Frauen", sagt Barbara Rüth, Meisterin vom Stuhl (also Vorsitzende) der Frauenloge "Constantia" aus Düsseldorf. "Die Gladbacher Brüder haben uns daher eingeladen, einen Vortragsabend in ihren Räumlichkeiten zu veranstalten." In der eigenen Loge in Düsseldorf gibt es einmal im Monat einen Gästeabend. "Dann hören wir meist einen Vortrag und diskutieren im Anschluss über das jeweilige Thema", erklärt Rüth.

Die Themen können aus jedem Bereich des Lebens kommen. Musik und Kultur sind ebenso vertreten wie gesellschaftliche Strukturen und Fragestellungen. Politik und Religion sind untersagt. Die Mitglieder einer Loge treffen sich wöchentlich, Männer wie Frauen, in der Regel aber getrennt, wie Holger Thaler, Meister vom Stuhl der Gladbacher Männerloge ergänzt.

Der Vortrag an diesem Abend beschäftigt sich mit dem Thema der Utopie. Die Referentin kommt von der Frauenloge, enthält dem Publikum ihren Namen allerdings vor. Denn Verschwiegenheit ist ebenfalls einer der Kernelemente der Freimaurerei. Das literarische Utopia, das schon im Alten Griechenland erste Erwähnung fand, beschäftigt sich mit einer positiven Vorstellung der Zukunft, in der es der Gesellschaft gut geht und an nichts fehlt, so die Referentin. Wörtlich übersetzt heißt der Begriff "nicht Ort", also etwas, das es in der Realität nicht gibt.

Auch heutzutage würde das Wort "Utopie" oft mit einem Hirngespinst gleichgesetzt werden. In vielen Visionen einer Utopie basiere der Staat auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, ähnlich wie es bei den Freimaurern auch der Fall ist. Visionen von Utopien entstanden gehäuft zur Zeit der Reformation. In dieser Zeit entwickelte sich verstärkt die geistige Freiheit und das differenzierte, kritische Denken, das in der Freimaurerei ebenfalls einen hohen Stellenwert hat. In der anschließenden Diskussionsrunde tauschen sich die Gäste angeregt über das Thema aus. Viele der Logenmitglieder sind sicher: Ein Logenabend gibt Kraft für den Alltag.

Die Freimaurerei versteht sich seit ihrer Gründung im Jahre 1723 als ethischer Bund freier und frei denkender Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten mit der Überzeugung, dass ständige Arbeit an sich selbst zu einem menschlicheren Verhalten führt. Die vier Grundideale lassen bereits vermuten, wofür die Freimaurerei steht und sich einsetzt: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Toleranz. Das Gedankengut geht auf mittelalterliche Steinmetzbruderschaften zurück, deren Werkzeuge auch heute noch symbolisch als Leitfaden für den Umgang miteinander verwendet werden. "Gerade in der heutigen Konsumgesellschaft sehnen sich Menschen nach moralischen Werten, die sie durch den Alltag begleiten", so Rüth. Die Freimaurerei gebe jedem das nötige Werkzeug dazu, um an sich zu arbeiten. "Uns ist es wichtig, dass man uns wahrnimmt und dass Außenstehende eingebunden werden", betont Rüth. Dazu werden auch in Zukunft Gästeabende stattfinden.

(dola)