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Mönchengladbach: Zwischen Ernsthaftigkeit und viel Lebensfreude

Mönchengladbach : Zwischen Ernsthaftigkeit und viel Lebensfreude

Nach einem Jahr Proben führten Schüler des Gymnasiums Rheindahlen jetzt in der Citykirche das Musical "Anatevka" auf.

Rechts vorne neben dem Altar, auf einer selbstgebastelten Kulisse, sitzt eine Schülerin, die das Musical "Anatevka" mit einem Geigenspiel eröffnet. Der Altar dient heute als Bühne. Dort versammeln sich einige Schüler in zeitgemäßen Kostümen und singen das erste Lied des Abends. Zeitgemäß bedeutet an das Jahr 1905 angepasst. Denn in diesem Jahr spielt "Anatevka", im Russischen Kaiserreich, im fiktiven Dorf Anatevka. Die jüdische Bevölkerung machte dort einen großen Anteil aus. Und alle legten sie großen Wert auf Tradition - so auch der Name des ersten Songs.

Hauptcharakter in "Anatevka" ist der Milchmann Tevje, gespielt von Schüler Lennart Freuen. Tevje hat drei heiratsfähige Töchter, die sich bereits alle ihren Traummann ausmalen. Der Vater möchte sie in jedem Fall seinem jüdischen Glauben gemäß verheiraten - doch nicht bei allen gelingt ihm das. Seine Töchter haben ihren eigenen Kopf, doch mit seinem Lebensmut und Humor findet Tevje den richtigen Weg, ihre Entscheidungen zu akzeptieren. Neben der persönlichen Familiengeschichte wird in dem Musical auch die Situation der Ostjuden an der Wende zum 20. Jahrhundert unter der Herrschaft des zaristischen Russlands thematisiert. Das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Religionen wird vom Staat immer wieder erschüttert. Das Besondere an dem Musical ist der schmale Grat zwischen Ernsthaftigkeit und ganz viel Lebensfreude. Das bringen auch die zum Teil noch sehr jungen Schüler auf der Bühne sehr gut rüber. Die jüngsten Darsteller besuchen gerade einmal die sechste Klasse.

Auf die Beine gestellt wurde das Musical im Rahmen einer AG. Das Schulorchester des Gymnasiums begleitete die Schauspieler und Sänger musikalisch. Unter der Leitung von Eva-Maria Neelsen-Schaffer griffen sie Themen und Melodien von Anatevka auf.

Auch wenn das Ambiente der Citykirche für ein Musical vielleicht ein wenig ungewöhnlich ist, machte dieser Ort die Aufführung doch irgendwie besonders. Aber auch die erste Vorstellung am 30. Mai, in der Aula der Schule, war erfolgreich. "Es ist alles super gelaufen", sagte Leiterin Neelsen-Schaffer. Die Aufführung in der Citykirche war nun aber erst einmal die letzte.

(RP)