Wülfrath: Ein köstliches Vergnügen

Wülfrath: Ein köstliches Vergnügen

Rezitator Max Erben serviert Auszüge aus Sven Regeners Buch Herr Lehmann.Schweinebraten spielt im Roman eine Rolle und wird den Zuhörern in der Gaststätte serviert.

Die 4. Neanderland-Biennale, "Alles Theater", machte jetzt in der Gaststätte, "Zur Goldenen Kugel", Station. Die Wülfrather Medien Welt – sie organisierte diesen Biennale-Beitrag – konnte sicher sein, dass es hier Schweinebraten gibt. Denn Schweinebraten spielte in der Lesung aus dem Roman, "Herr Lehmann", von Sven Regener, eine ziemliche Rolle. Im Roman, der in Berlin-Kreuzberg kurz vor dem Mauer-Fall im Herbst 1989 spielt, geht es im Wesentlichen um Frank Lehmann, den alle nur "Herr Lehmann" nennen, seine Alltagsphilosophie, seinen Kellner-Job in der Kneipe, seine Trägheit, seine Freunde und am Rand auch ein bisschen um den Fall der Mauer.

Conférencier und Troubadour

Max Erben, Rezitator, "Conférencier und Troubadour" und Teil des Kölner Musikkabaretts "Liederschlag", las höchst vergnüglich vor allem die Passagen, von denen alle schwärmen, die das Buch oder die Verfilmung von Leander Haußmann kennen. Beispielsweise das Kapitel mit dem Hund, der Herrn Lehmann, der ziemlich angetrunken aus seiner Kneipe kommt, den Weg versperrt. Er gibt ihm mit der Verschlusskappe seiner Flasche ein Schlückchen Whisky, was der Hund, offensichtlich daran gewöhnt, gierig aufschlabbert. "Du kannst noch mehr haben", sagt Lehmann. Ein Szene voller Situationskomik, die darin mündet, dass Mann und Hund nicht mehr stehen können und die Polizei Lehmann wegen Tierquälerei belangt.

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In der nächsten Szene steht der Schweinebraten im Mittelpunkt. Lehmann, von der letzten Nacht verkatert, bestellt sich den Braten zu relativer Frühstückszeit (11 Uhr) in der Kneipe. Es folgen aberwitzige Nonsens-Gespräche über Schweinebraten mit oder ohne Kruste.

Mitten aus dem Alltag gegriffen, garniert mit jede Menge Slapstick ist das Kapitel, als Lehmanns Eltern zu Besuch kommen. Weil Lehmann seinen Eltern erzählt hat, er sei Geschäftsführer in einem Restaurant, müssen jetzt alle in der Kneipe das Spielchen mitspielen. Natürlich gibt es Schweinebraten. Aber nicht nur in der Kreuzberger Kneipe. Die Veranstaltungsbesucher bekamen ebenfalls welchen. Frage an Restaurant-Chefin Annelie Sitzler, "Mit oder ohne Kruste?" Antwort, "Schweinebraten normal". Monika Altena (bis vor kurzem Twellmann), Leiterin der Medien Welt, empfahl, alle drei Lehmann-Bände zu lesen. "Sie sind alle sehr witzig. Es lohnt sich." Dass nur gut 20 Leute zur Lesung gekommen waren, fand sie indes etwas enttäuschend.

(RP)
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