Meerbusch: Kettler ist Mr. Kino

Meerbusch : Kettler ist Mr. Kino

Der Betreiber des Hitch-Kinos in Neuss unterhält Dependancen in Garath, Kaarst und Meerbusch. Dort startet er am Samstag mit dem Verein Rock am Turm die erste Rockfilmnacht mit prominenten Gästen aus der Musikbranche.

"Sie stärken dem deutschen Film seit Jahren den Rücken", lobte Schauspielerin Johanna Wokalek ("Die Päpstin") den Kinobetreiber Helmut Kettler und seine Kollegen. Der gebürtige Oberkasseler lebt den Mythos Film seit fast 30 Jahren und verkörpert inzwischen als Betreiber des "Hitchs" in Neuss selbst eine Art Held der Branche. "Das ist genau der richtige Mann, um uns bei der ersten Rockfilmnacht in Meerbusch zu helfen", sagt Wolfgang "Wölli" Rohde, 15 Jahre lang Schlagzeuger der Toten Hosen und Motor von Rock am Turm. Kettler ließ sich nicht lange bitten und ist nun am Samstag, 15. Mai, ab 19.30 Uhr im Forum Wasserturm an der Rheinstraße 10 in Lank-Latum mit im Boot, wenn der gemeinnützige Verein die Filme "Harakiri Whoom" mit Marius Müller-Westernhagen, "Verschwende deine Jugend" mit Richard Stadlober, "Dorfpunks" nach dem Buch von Rocko Schamoni und die Dokumentation übers Wacken-Open-Air, "Full Metal Village", zeigt.

Doch das sei noch nicht alles, betont Wölli. Prominente Gesprächspartner zu den einzelnen Kinostreifen sollen aus dem Nähkästchen plaudern. So haben Thomen Stauch (Gründungsmitglied Blind Guardian), Robert Görl (Deutsch Amerikanische Freundschaft), Bodo Staiger (Harakiri Whoom) und Charly T. (Ex-Drummer Westernhausen) ihr Erscheinen zugesagt, um sich den Fragen des Publikums zu stellen.

"Ne tolle Idee", meint Kettler, der augenzwinkernd seine Rolle so beschreibt: "Ich bringe die Kultur aufs Land." Zum Film kam Kettler eher zufällig. Im Fundus einer Brauerei entdeckte der Gastronom einen Leitz-Filmprojektor, nachdem er zu Beginn der 70er Jahre das Café Muggel in Düsseldorf eröffnet hatte. Sein zweites Standbein – das Souterrain – geriet auf diese Weise zum "ersten Programmkino zwischen Essen und Köln". Spätestens als er das "Bambi" in der Landeshauptstadt übernommen hatte, gab es kein Zurück mehr. Kettler war dem Film verfallen.

Dass er das richtige Näschen für künstlerischen Anspruch einerseits und Wirtschaftlichkeit andererseits bewies, zeigen neben vielen Förderpreisen der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen auch seine erfolgreichen Kinodependancen in Garath, Kaarst und Meerbusch. In der Freitzeitstätte, im Einstein-Forum und im Forum Wasserturm zeigt Kettler an festen Tagen in der Woche aktuelle Filme mit Niveau. "James Bond oder Avatar kommen mir da nicht ins Programm", erklärt Kettler.

Für die erste Rockfilmnacht in Meerbusch hat er diese Vorbehalte nicht. "Ich bin für Impulse von außen immer offen, auch wenn ich nicht weiß, wie interessiert die Rockszene am Genre Film wirklich ist", sagt Kettler und erwartet die Premiere mit großer Spannung. Vielleicht führe es ja dazu, dass bald einer sage, er stärke der deutschen Musik seit vielen Jahren den Rücken, meint Kettler.

(RP)
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