Meerbusch: Sie sind besser als ihre Partei

Meerbusch : Sie sind besser als ihre Partei

Meerbuscher Wähler setzen auf Bewährtes. Sie wählen Menschen, die vor Ort verwurzelt sind, die sie kennen. Dabei erreichen die Kandidaten Punkte, die sie über das Ergebnis ihrer Partei heben.

Meerbuschs Kandidaten haben bei der NRW-Wahl persönlich gut abgeschnitten. Allen voran Lutz Lienenkämper (CDU), noch amtierender Bau- und Verkehrsminister. Er liegt mit seinem Wahlergebnis deutlich über dem seiner Partei — und das in jedem Wahlbezirk.

Sein bestes Ergebnis erzielte er im Meererbusch. Dort bekam Lienenkämper 69,25 Prozent der Stimmen — knapp 17 Prozent mehr als die Partei. Auch in seinem Heimatstadtteil Strümp bekam er mit 60,63 (Strümp-Nord) und 50,42 Prozent (Strümp-Mitte) deutlich mehr Stimmen als seine Partei, die jeweils knapp zehn Prozentpunkte unter seinem persönlichen Ergebnis lag.

"Ein Vertrauensbeweis", hatte Lienenkämper am Wahlabend kommentiert. Ein Vertrauensbeweis, den der Politiker auch auf seine langjährige Arbeit in der Kommunalpolitik zurückführt. Präsenz und Bürgernähe seien wichtige Punkte. "Die Meerbuscher kennen mich", so der CDU-Landespolitiker.

Offenbar sei seine Positionierung in Sachen Fluglärm die richtige. Zumindest haben ihn die Büdericher nicht abgestraft. Auch dort hat er in den Bezirken etwa zehn Prozent mehr Stimmen bekommen als seine Partei.

"Ein sehr gutes Ergebnis", kommentierte auch Bürgermeister Spindler, der nun gespannt auf die Koalitionsverhandlungen blickt. "Für die Kommune ist wichtig, was geschieht mit den Finanzen. Werden die Kommunen gestärkt oder steigen die Belastungen?", nennt Spindler die wichtigen Fragen. Auch Bildung ist für ihn ein Thema, dass er im Blick hat. "Die Gymnasien in Meerbusch sind stark nachgefragt. Sollte eine andere Schulform eingeführt werden, so muss die Kommune mit starken Konsequenzen rechnen."

"Keine Experimente", setzt Lutz Lienenkämper dagegen. "Ich stehe für Stabilität", sagt er. Dazu gehöre auch die Schulpolitik. Ob er sich das in einer großen Koalition vorstellen könnte, wollte er gestern nicht kommentieren.

Dass Nicole Niederdellmann-Siemes in der Böhlersiedlung den Wahlkreis direkt geholt hat, hat Lienenkämper nicht analysiert, führt es aber auf die starke Verwurzelung der Familie dort zurück. 2005 hatte Lienenkämper der SPD diesen Bezirk abgewonnen.

Auch Nicole Niederdellmann-Siemes hat in 13 von 24 Bezirken bessere Ergebnisse eingefahren als ihre Partei, ebenso der Grüne Politiker Oliver Keymis. Er liegt in 17 von 24 Bezirken über dem Schnitt seiner Partei — allein 17,52 Prozent in Lank-Süd.

Für Jan Christopher Cwik, der seine Schwerpunkt eher in Neuss hat, gilt das Gegenteil. Er hat in Meerbusch schlechter abgeschnitten als seine Partei, die noch bei der Bundestagswahl zweistellige Prozentpunkte abräumte.

Hier geht es zur Infostrecke: Urnengang in NRW: die Wählerwanderungen

(RP)
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