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Meerbusch: Hotel Weindorf wird Freitag zur Dorfschänke

Meerbusch : Hotel Weindorf wird Freitag zur Dorfschänke

Nach einer Komplett-Renovierung des "Hotel Weindorf" eröffnet der neue Betreiber am Freitag mit einem neuen Konzept. Das Ambiente verbindet Tradition und Moderne, es gibt rheinische Küche und im Bierausschank Uerige.

Eine schwere Holztür bewacht den Eingang — historisch wirkt der dunkle Braunton in der frisch geweißten Hausfassade — es sind nur wenige Schritte über einen matt-schwarzen Flur aus fein geschliffenem Guss-asphalt bis zu einer alten Wendeltreppe, deren Vorraum mit grünen und grauen Fließen ausgelegt ist. Die Stufen hinauf geht es in einen Saal, dessen Wände mit floralen Elementen verziert sind. Die Gaststätte atmet Werkstatt-Atmosphäre und Renaissance zugleich.

Die Fassade wurde renoviert, der Schriftzug "Hotel Weindorf" entfernt. Nach Jahren des Stillstands gibt es bald wieder Gastronomie gegenüber der Pfarrkirche. Foto: Dackweiler, Ulli (ud)

Jahrelang gammelte das ehemalige "Hotel Weindorf" vor sich hin. Doch am Freitag wird das Osterather Traditionshaus nach einer Komplett-Renovierung ab 15 Uhr wieder geöffnet sein. "Es wäre viel zu schade gewesen, dieses Herzstück von Osterath brach liegen zu lassen", sagt Ganis Kolioutsis. Vor zehn Monaten unterschrieb der 43-Jährige einen Zehn-Jahres-Pachtvertrag. Damit leitet Kolioutsis künftig insgesamt drei Gastronomien: die Depesche in Osterath, einen Ableger davon in Hilden und die Dorfschänke.

Die Übernahme des alten "Hotel Weindorf" sei auch eine Art Selbstverwirklichung des Gastronomen gewesen: "Ich fand das Konzept ,Bier und Brot' schon immer spannend", erzählt er. Die Geschäftsidee unterscheide sich ganz klar von seiner nur wenige hundert Meter entfernten Depesche: "Ich sehe keine Gefahr der Kannibalisierung." Der künftige Name seiner neuen Gaststätte sei reiflich überlegt worden. Er steht nun mit grüner Schrift auf der Vorderfront des Gebäudes: "Dorfschänke".

In dem Backsteingebäude aus dem 19. Jahrhundert wird von Freitag an rheinische Küche angeboten: "Soleier oder Blutwurst. Und täglich ein anderes Gericht wie Reibekuchen oder Erbsensuppe", kündigt Kolioutsis an. Im Ausschank gibt es Uerige und Bitburger. Die Räumlichkeiten des Lokals sind funktional aufgeteilt: "Im Untergeschoss links befindet sich der Sitzbereich und rechts der Barbereich", erzählt der Pächter. Die Tische und Stühle aus Eiche und Stahl wirken rustikal, dazu passt das Industriedesign der Lampen in Rost-Braun. "Unsere Idee ist eine alte gemütliche Traditions-Kneipe mit modernem Einschlag", erklärt der neue Betreiber. Dazu passt auch die gold-braune Farbgebung der Wände.

Für den Anstrich und die Wandmalereien wie das Abendmahl von Leonardo da Vinci im Obergeschoss konnte er den Grafiker Wolfgang Loewe gewinnen. Der Saal im Obergeschoss ist für verschiedene Anlässe gedacht: "Private Feiern, Firmenkonferenzen oder für die Übertragung von Fußballspielen", zählt Kolioutsis auf. "Dafür wird es einen Beamer geben." Im Sommer kommt noch Außengastronomie direkt vorm Gebäude hinzu. Für eine Ausweitung auf den Kirchplatz verhandelt Kolioutsis momentan mit dem Kirchenvorstand der Pfarrei St. Nikolaus.

Es wäre aber nicht das erste Hindernis, das der Gastronom bewältigt. Die Er öffnung war eigentlich für Ende Juli geplant, zog sich laut Kolioutsis wegen Auflagen für das denkmalgeschützte Gebäude jedoch hin. So übergab Eigentümer Roland Kuchler erst im Juni das Objekt an Kolioutsis, der laut Vertrag für die Innenausstattung zuständig ist. "Doch letztlich haben wir das alles gut hinbekommen", sagt Ganis Kolioutsis. "Und bringen das Uerige endlich nach Meerbusch."

(RP)