1. NRW
  2. Städte
  3. Meerbusch

Meerbusch: Der Alte Kirchturm in Büderich wird jetzt restauriert

Meerbusch : Der Alte Kirchturm in Büderich wird jetzt restauriert

Ein großes Gerüst am unter Denkmalschutz stehenden Alten Kirchturm an der Dorfstraße in Büderich kündet von kommenden Arbeiten: Die Stadt lässt das Gebäude sanieren. Feuchtigkeit ist in den Tuffstein gezogen.

Doch nicht nur der Turm selbst soll restauriert werden, auch das, was er beherbergt: das Mahnmal für die Toten des Ersten und Zweiten Weltkriegs, das einzige Kunstwerk von Joseph Beuys, das im öffentlichen Raum erlebbar ist. Die Namen von 222 getöteten Büderichern spatelte der Künstler in die Eichentür, erhielt pro Buchstabe dafür eine Mark.

Der nach einem Originalrezept des Künstlers angefertigte Putz platzt in groben Stücken von der Wand des Alten Kirchturms. Die von Beuys gestaltete Eingangstür verrottet — Moose haben sich abgelagert, das Holz hat sich zusammengezogen, die Scharniere rosten, die Tür schleift. Durch die blind gewordenen Makrolon-Scheiben des Turms rinnt der Regen.

Schon Anfang der 1990er Jahre wurde die von Beuys "Auferstehungssymbol" genannte Plastik aus leichengrauem Eichenholz renoviert. Die Skulptur, die an einer langen Eisenkette hängt und die Form des Kreuzes aufgreift, ist drei Meter hoch und zwei Meter breit. Sie hängt an der linken Seitenwand des Turmes, so dass der Blick des Betrachters, der durch die Toröffnung schaut, nicht unmittelbar auf die Skulptur fällt. Allerdings verlief die Restaurierung aus Sicht der Denkmalschützer nicht fachgerecht. Das Holz des Corpus wird von Schleifspuren durchzogen. Neu wird die Skulptur nach der Restaurierung aber auch nicht aussehen: "Ziel der konservatorischen Maßnahmen sollte die Erhaltung des gealterten Zustandes sein", sagte der kürzlich in den Ruhestand gegangene Denkmalpfleger Reinhard Lutum im vergangenen Jahr. Schließlich war es Beuys' Wunsch, dass die hölzerne Eingangstür zum Turm halboffen steht — wohl wissend, dass Tauben dann ihren Weg in den Turm finden und das Denkmal nicht nur Symbol fürs Vergehen ist, sondern auch selbst verrottet.

Fast 700 Jahre lang riefen die Glocken im Kirchturm die Gläubigen zum Gottesdienst. Das Kirchenschiff selbst, im 13. Jahrhundert erbaut, fiel 1891 einem Feuer zum Opfer.

Die Kosten der Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten wurden im vergangenen Jahr auf rund 40 000 Euro kalkuliert. Ende 2013 sollten die Arbeiten abgeschlossen sein.

(mrö)