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Familie Höttecke musiziert jeden Sonntag in Lank für die Nachbarschaft

Gemeinsames Musizieren in Lank : Straßenkonzert schafft Verbindung

Jeden Sonntagabend gibt Familie Höttecke in Lank-Latum ein Straßenkonzert für die Nachbarschaft. Mit dem gemeinschaftlichen Gesang bieten sie gerade den älteren Menschen eine Abwechslung im Alltag. Ein Besuch der sechsten Auflage.

Beim abendlichen Sonntagsspaziergang hört das Ehepaar Michels aus der Ferne Musik. Mit jedem Schritt nähert es sich der Mittelstraße 80 in Lank-Latum. Auf Sicherheitsabstand bleiben die beiden Senioren plötzlich stehen und lauschen den Klängen der Familie Höttecke. „Diese Lieder habe ich schon lange nicht mehr gehört. Sie versetzen mich in meine Jugend zurück“, sagt Hubert Michels mit leuchtenden Augen. „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“, „Der Mai ist gekommen“ oder „Kein schöner Land in dieser Zeit“ gehören diesmal zum Repertoire der Hötteckes.

Vor sechs Wochen gaben Maike (12), Maja (11) und Ina (7) zum ersten Mal ein Straßenkonzert für die Nachbarschaft. Mutter Stefanie spielt Akkordeon, ihre drei Töchter wechseln sich am Mikrofon mit dem Gesang ab. Doch auf dem Bürgersteig vor ihrem Haus stehend musizieren sie nicht alleine. Vor jedem ihrer Konzerte werfen sie den Nachbarn Liedzettel in den Briefkasten. So können alle vor ihren Fenstern und Haustüren nicht nur zuhören, sondern auch mitsingen. „Als Ende März die Kontaktsperre in NRW in Kraft gesetzt wurde, haben wir uns dazu entschlossen, das erste Konzert zu geben – und da die Resonanz sehr gut war, machen wir das jetzt jeden Sonntag um 18 Uhr“, sagt die elfjährige Maja. „Für viele Menschen ist dieses Ritual wichtig geworden, um sich in diesen Zeiten trotz Abstand nah sein zu können, eine Abwechslung im Alltag zu haben und einfach nicht vergessen zu werden“, ergänzt Mutter Stefanie Höttecke.

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Rund 30 Menschen haben sich an diesem Sonntagabend vor ihren Haustüren und auf der Straße versammelt. Während das Ehepaar Michels zufällig vorbeigekommen ist, sind alle übrigen Personen ganz bewusst draußen erschienen. „Es ist immer eine große Freude, hier gemeinsam zusammenzukommen. Unsere ohnehin schon gute Nachbarschaft wird durch diese Aktion noch weiter gestärkt“, finden Josef und Roswitha Sporr. Um alle in die richtige Gesangslaune zu bringen, verteilt Vater Rainer Höttecke vor dem Konzert – natürlich mit Mundschutz und Sicherheitsabstand – ein Glas Maibowle an die Nachbarn. Inbrünstig stimmt manch älterer Herr in den Gesang ein, während andere mit geschlossenen Augen die Melodien mitsummen. Was zählt, ist das gleichgesinnte Erlebnis. „Wo kommt mehr Freude und Gemeinschaft auf als bei der Musik? Es ist einfach schön, über die verordnete Distanz hinweg eine Verbindung zu schaffen“, sagt Stefanie Höttecke. Sie ist stolz auf ihre drei Töchter, die die Konzerte nahezu im Alleingang organisieren.

Dabei stellen Maike, Maja und Ina auch große Kreativität unter Beweis, denn sie haben die Texte der Volks- und Karnevalslieder teils auch auf die aktuelle Situation umgeschrieben. So wird es aus dem Bläck Fööss-Hit „Drink doch eine mit“ plötzlich „Sing doch effe mit“ oder aus „Fastelovend sin mer widder do“ wird „Sundaach ovend sin mer widder do“. Auch das Kinderlied „Ich lieb den Frühling“ haben die Hötteckes umgetextet. Jetzt heiß es: „Ich mag den Frühling, ich mag den Sonnenschein. Wann wird Corona endlich vorüber sein? Wann darf ich endlich vor die Tür? Dumdididadi, Dumdididadi, Dumdididadi, Dumdididadi. Ich bleib zuhause, und das hat seinen Grund, denn ich hoffe, ihr bleibt alle gesund (…). Bald kommt der Sommer und auch der Sonnenschein, dann wird Corona endlich vorüber sein. Wenn wir uns wiedersehen, wird das wunderschön.“

Nach einer guten halben Stunde ist das Fensterkonzert vorbei. Maike, Maja und Ina blicken in glückliche Gesichter. „Es ist schön, dass wir gerade den älteren Menschen eine Freude machen können und diese für eine Weile ihrem Alltag entfliehen können“, sagt Maike. Deshalb wird die sechste Auflage des Straßenkonzerts auch ganz sicher nicht die letzte gewesen sein. „Solange es die Kontaktsperre gibt, machen wir auf jeden Fall weiter“, sagt die Zwölfjährige. Doch auch danach könnte das lieb gewonnene Ritual eine Fortsetzung finden. „Vielleicht machen wir das Ganze dann einmal im Monat.“ Die Michels wird es freuen. „Wir kommen jetzt jeden Sonntag“, sagt das Ehepaar und setzt seinen Abendspaziergang fort.