Leverkusen: Lebenshilfe nach Skandal "auf gutem Weg"

Leverkusen : Lebenshilfe nach Skandal "auf gutem Weg"

Man habe Fehler erkannt und Prozesse optimiert, sagte der neue Geschäftsführer beim Sommerfest.

Weniger ist mehr, hatten sich die Organisatoren der Gartenparty in der Lebenshilfe-Werkstatt in Bürrig gedacht. Und damit den Nerv der Besucher getroffen, die sich am Samstag in der Einrichtung tummelten. Neben leichter Hintergrundmusik der Gruppe "Krausam" und einigen Sportangeboten gab es vor allem viel Gelegenheit für Gespräche. Die waren willkommen, drehten sich aber nicht mehr nur um den Skandal, den der Fernsehsender RTL mit seinem "Team Wallraff" zu Anfang des Jahres aufgedeckt hatte, nachdem einige Pfleger mehrere Behinderte schlecht behandelt hatten. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen noch.

Seit 1. Juni ist Alexander Marasch als neuer Geschäftsführer der Lebenshilfewerkstätten Leverkusen/Rhein-Berg im Amt. Nach weit mehr als 100 Tagen kenne er zwar noch nicht die Namen aller 300 Angestellten und 900 behinderten Mitarbeiter. Aber insgesamt sei die Aufgabe grandios und bereite ihm viel Freude, sagt er.

Die Stimmung, räumt der 40-jährige Familienvater aus Bergisch Neukirchen ein, sei nach dem Skandal am Boden gewesen. "Das Thema wird uns über Jahre begleiten", ist Marasch überzeugt. Noch immer überwiege Unverständnis, wie so etwas geschehen konnte. "Diese Vorfälle haben einen Kommunikationsprozess angeschoben", berichtet Marasch. Man habe Fehler erkannt, Prozesse optimiert, gemeinsam sämtliche Angelegenheiten hinterfragt und viele weiter entwickelt. "Wir können Themen jetzt klarer benennen, sind also auf einem guten Weg. Denn wir müssen wieder arbeitsfähig werden", fasst der Leiter zusammen. Für die Zukunft sei wichtig, dass man mit allen in Kontakt bleibe. Er selbst sei jederzeit zu Gesprächen bereit.

Darüber hinaus habe er weitere Pläne. Dazu gehört, die Qualität und die Innovation der Werkstätten weiter voranzubringen und stärker in die Öffentlichkeit zu tragen. "Für viele ist das, was wir tun, ziemlich unbekannt", begründet er seine Absichten. Aktuell beschäftige er sich mit dem neuen Bundesteilhabegesetz, das die Stärkung von Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen vorsieht. Damit einher geht auch das Schaffen neuer Angebote und Alternativen für den Besuch einer Werkstatt für Behinderte. "Unsere Mitarbeiter sind hier glücklich und zufrieden, weil wir ihnen diesen Rahmen bieten", bemerkte Josef Thum, Pädagogischer Leiter.

Apropos bieten: Weil auch die Lebenshilfe-Werkstatt vom Abbruch des Seifenkistenrennens in Edelrath betroffen war - zwei Kisten konnten nicht starten - hat sich Thum vorgenommen, den Veranstaltern noch in dieser Woche einen Verbesserungsvorschlag zu unterbreiten.

(gkf)
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