Gewalttat in Krefeld: Zwei Unbekannte verprügeln Obdachlosen

Gewalttat in Krefeld: Zwei Unbekannte verprügeln Obdachlosen

Der 63-jährige Gerd Naumann kam mit schweren Prellungen, Platzwunden und angebrochener Nase ins Krankenhaus. Er wirft zwei Männern vor, ihn verprügelt zu haben.

Der Fall lenkt den Blick auf eine Randgruppe, die zunehmend zum Ziel unmotivierter Angriffe wird: In Krefeld ist ein Obdachloser von zwei Männern krankenhausreif geschlagen worden. "Es war spät in der Nacht, ich habe an meinem üblichen Ort geschlafen. Da kamen zwei Männer, die ziemlichen Lärm gemacht haben. Ich habe sie gebeten, etwas leiser zu sein und ohne ein Wort sind sie auf mich losgegangen", berichtet Gerd Naumann.

Der 63-Jährige ist obdachlos und lebt mit kurzen Unterbrechungen seit 2005 in Krefeld auf der Straße. Er hatte Glück und kam mit schweren Prellungen, Platzwunden und angebrochener Nase davon.

Noch ist es in Krefeld nicht die Normalität, sagt die Polizei. "Wir können den Fall bestätigen. Am Morgen wurde Herr Naumann nach seinen Angaben von zwei Personen tätlich angegriffen und verletzt. Die Ermittlungen laufen aber noch und wir können keine abschließenden Angaben machen. Ein generelles Problem mit Übergriffen auf Obdachlose gibt es in Krefeld aber nicht. Wenn es vorkommt, dann ist das meist innerhalb der Szene der Fall", sagt Sabrina Forchel, Pressesprecherin bei der Polizei.

Dusche oder Toilette wären sein Traum

Etwas anders ist die Wahrnehmung innerhalb der Szene. "Schwerwiegende Übergriffe sind nicht die Regel in Krefeld. Einzelne Schläge oder Herabwürdigungen sind aber üblich. Das bringt nur niemand zur Anzeige", sagt beispielsweise Sabrina Tophoven, als Kind und Jugendliche selbst obdachlos und heute aktiv in der Hilfe für Wohnungslose. Für Naumann jedenfalls endete die Nacht stationär im Krankenhaus. Immerhin konnte er am folgenden Tag bereits entlassen werden.

Die Prügelattacke traf einen ohnehin schwer kranken Menschen. Im Herbst erlitt er einen Herzinfarkt und muss eigentlich so schnell wie möglich von der Straße. Schritte dazu leitete er unlängst mit Hilfe von Freunden ein. Er beantragte Hartz IV und muss nur noch einige Unterlagen beibringen, um ein eigenes Dach über den Kopf zu bekommen.

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Ein Bett, in dem er endlich richtig schlafen kann, ohne Angst vor Übergriffen oder Diebstahl, wäre für ihn bereits eine große Hilfe. Auch andere Alltäglichkeiten wie eine eigene Dusche oder Toilette sind für ihn ein Traum. All das hatte er über lange Zeit seines Lebens.

"Das war der Anfang vom Ende"

Er stamme aus bürgerlichem Milieu und arbeitete 35 Jahre lang, berichtet er. "Ich war früher selbstständig als Bodenleger und hatte eine schöne Wohnung in Mönchengladbach. Dort fühlte ich mich sehr wohl und habe viel selbst gemacht. Dann aber wurde es wirtschaftlich schwieriger und ich habe die Wohnung verloren. Das war der Anfang vom Ende", berichtet er.

Er erzählt von den Folgen, ein psychischer Zusammenbruch und große Frustration. "Schnell lebte ich vom Amt, war so frustriert, dass ich Termine versäumte. Ich bekam Leistungen gestrichen, verlor auch die nächste Wohnung und plötzlich saß ich auf der Straße. Die erste Nacht war wie ein Alptraum. Ich wollte nur aufwachen, aber es war real. Ich dachte nur 'hier gehörst du nicht hin'", erzählt er.

Er begann zu trinken, um Frust und Kälte zu vergessen. Das führte auch zu sozialer Isolation. "Ich weiß, dass es alles meine eigene Schuld ist. Ich hoffe, ich bekomme noch einmal eine Chance auf ein normales Leben. So geht es nicht weiter", sagt er.

Sobald die Hilfen genehmigt sind geht es auf Wohnungssuche. "Viele Vermieter wollen aber keine Menschen wie mich. Das macht auch die Suche schwer. Sie haben halt schlechte Erfahrungen gemacht", weiß Naumann zu berichten. Die Hoffnung gibt er aber nicht auf. Auf der Straße würde seine Gesundheit nicht mehr lange mitmachen. Schon gar nicht, wenn sich tätliche Angriffe wiederholen sollten. Mit einem geregelten Leben hofft er auf einen erträglichen Lebensabend.

(RP)