Krefeld: Siempelkamp-Tochter reduziert Atom-Müll

Krefeld: Siempelkamp-Tochter reduziert Atom-Müll

Die Entwicklung eines Spezial-Verfahrens war sehr aufwendig und eine hohe technisch-wissenschaftliche Herausforderung. Die Experten der NIS Ingenieurgesellschaft forschten vier Jahre lang - jetzt der Durchbruch.

Die Krefelder Siempelkamp-Gruppe hat in der Vergangenheit mit der Kerntechnologie gute Geschäfte gemacht. Dann kam der Atomausstieg. Die wirtschaftlichen Folgen gingen am Unternehmen nicht vorbei. Der vorhandene Sachverstand soll nun für den Rückbau der Reaktoren genutzt werden. Erste Erfolge in den USA stehen in den Büchern.

Die Zeit seit Fukushima blieb nicht ungenutzt. Nach vierjähriger Forschungsarbeit gelang den Ingenieuren der Siempelkamp-Tochter NIS der Durchbruch. Sie haben ein Verfahren entwickelt, um radioaktiv kontaminiertes Material von Systemoberflächen in Kühl und Nebensystem eines Kernekraftwerks zu lösen und um den Faktor 85 zu reduzieren. Das trägt nicht nur zur Sicherheit der mit dem Rückbau beschäftigten Fachkräfte bei, sondern verringert auch das Volumen verstrahlten Materials für die Endlagerung. Bekanntlich ist diese Frage in Deutschland, wie der Rückbau insgesamt, noch nicht entschieden.

Im Zweifel profitiert der Steuerzahler, der für die so genannten Ewigkeitskosten aufkommen muss, weil weniger verstrahltes beziehungsweise hoch verstrahltes Material sicher für Mensch und Umwelt gelagert werden muss.

Die Siempelkamp NIS Ingenieurgesellschaft mbH hat mit der erfolgreichen chemischen Dekontamination eines Reaktorkühlkreislaufs und seiner Nebensysteme in einem deutschen Kernkraftwerk nach langer Entwicklungszeit ein neues, richtungsweisendes Verfahren demonstriert.

Ziel des ASDOC_D-MOD genannten Verfahrens ist es, durch Zugabe speziell abgestimmter chemischer Additive (Zusatzstoffe) in den Reaktorkühlkreislauf, die an den inneren Systemoberflächen anhaftende radioaktive Kontamination abzulösen und diese anschließend mit Hilfe von Ionentauschern aus dem System zu entfernen.

Dadurch reduziert sich die Kontamination erheblich. Die Dosisleistung ging im Mittel um den Faktor 85 zurück mit dem Ergebnis, dass beim geplanten Rückbau der Kraftwerkssysteme die Demontage wesentlich vereinfacht wird. Mit Blick auf das den Rückbau ausführende Personal wird damit der Minimierung der Strahlenexposition in besonderer Weise Rechnung getragen.

Im aktuellen Projekt kam die Verfahrensvariante "ASDOC_D-MOD" zum Einsatz. Diese berücksichtigt gezielt die Anwesenheit von Werkstoffen, die gegenüber üblichen Dekontaminationslösungen korrosionsanfällig sein können und verhindert damit eine Beeinträchtigung von Funktionssicherheit und Integrität der in die Dekontamination einbezogenen Kraftwerkssysteme.

Das modifizierte Verfahren wurde im Technikum der Siempelkamp NIS entwickelt und erfolgreich angewandt. Ziel der Verfahrens-Weiterentwicklung war es, unter anderem chemische Reaktionen zwischen Dekontaminationslösung und metallischen Werkstoffen soweit zu minimieren, dass eine sicherheitsrelevante Bildung von Wasserstoff nicht zu befürchten ist. Im aktuellen Projekt lag die Wasserstoff-Bildung durchgängig unterhalb oder an der Nachweisgrenze.

"Die Entwicklung des Verfahrens war sehr aufwendig und eine hohe technisch-wissenschaftliche Herausforderung - wir mussten einige Rückschlage hinnehmen, bis wir die Anwendbarkeit erfolgreich demonstrieren konnten", erklärte Aldo Weber, Sprecher der Geschäftsführung der Siempelkamp NIS Ingenieurgesellschaft mbH, gestern.

(sti)