Kampf gegen den Krebs (2): Neues Zauberwort im Kampf gegen Krebs

Kampf gegen den Krebs (2) : Neues Zauberwort im Kampf gegen Krebs

"Personalisierte Medizin" - so lautet die neue Strategie: Jeder Patient bekommt seine eigene Therapie. Die Krebszellen werden dazu molekulargenetisch untersucht. Militärisch gesprochen: Man muss den Feind kennen, um ihn zu besiegen.

Brustkrebs ist immer noch ein gefährlicher Gegner. Pro Jahr gibt es circa 70.000 Neuerkrankungen in Deutschland. Aber Wissenschaft und Medizin haben in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt, um diese Erkrankung besser zu verstehen. "Während früher Brustkrebs gleich Brustkrebs war, unterscheiden wir heute auch durch die Identifizierung neuer Krebs-Gene etwa zehn verschiedene Arten von Brustkrebs, die alle spezifisch und individuell behandelt werden", sagt Privatdozent Dr. Stefan Krämer, Leiter des Brustzentrums am Helios Klinikum Krefeld.

Der Kampf gegen Brustkrebs ist heute mehr denn je Teamwork verschiedener Disziplinen, wodurch eine individuell zugeschnittene Behandlung ermöglicht wird. "Es ist wie bei einer Feuerwehr, die früher bei einem Zimmerbrand das ganze Haus mit Wasser belegt hat. Wir schaffen es immer präziser, in dem Zimmer zu löschen, in dem der Brandherd liegt", sagt Krämer, "wir kennen heute die Struktur einer Krebszelle sehr viel besser als früher, und deshalb können wir auch viel gezielter gegen sie vorgehen."

"Personalisierte Medizin" - das ist die moderne Strategie im Kampf gegen den Krebs. Jeder Patient bekommt seine eigene Therapie. "In der modernen Brustkrebsbehandlung spielt die gute Zusammenarbeit mit Pathologen und Radiologen eine besondere Rolle", sagt Krämer.

Das beginnt heute damit, Krebszellen nicht nur mikroskopisch, sondern auch molekulargenetisch zu untersuchen. Die Identifizierung bestimmter Gene und anderer biologischer Eigenschaften von Tumorzellen ist von zunehmender Bedeutung. Medikamente und OP-Techniken können präzise auf den Tumor abgestimmt werden - ebenso wie spezielle Bestrahlungen während der Operation (die "intraoperative Strahlentherapie"), die hochwirksam und sehr schonend sind Früher, so haben Studien rückblickend gezeigt, gab es bis zu 30 Prozent Übertherapien, in denen Bestrahlung, Chemotherapie oder Operation zu stark und zu überdimensioniert waren. Moderne Bestrahlungsgeräte ermöglichen eine hohe Dosiskonzentration im Zielgebiet mit größtmöglicher Schonung der Umgebungsgewebe.

Dadurch reduzieren sich die Nebenwirkungen für die Patientin erheblich. Wissenschaftliche Studien untersuchen derzeit insbesondere bei der Brustkrebsbehandlung die Möglichkeit, Frühstadien von Brustkrebs mit Teilbrustbestrahlungen zu bekämpfen - hocheffektiv, aber viel schonender als früher. Dramatisch besser geworden sind auch die Bilder, die Ärzte von Tumoren erhalten. Digitale Mammographie, Sonographie, Computer- und Kernspintomographie, Positronenemissionstomographie - mit solchen Verfahren sind heute auch winzige Tumore in einem sehr frühen Stadium zu erkennen und millimetergenau zu markieren.

"Dazu nutzen wir beispielsweise vor einer Operation feinste Nadeln, die für den Operateur genau den Bereich lokalisieren, der dann gezielt angegangen werden kann", berichtet Prof. Dr. Marcus Katoh, Chefarzt des Instituts für diagnostische und interventionelle Radiologie. Wieder ein Beispiel für Teamwork. Auch wenn Krebs gestreut hat, ist es möglich, ihn dorthin zu verfolgen, wo er sich festgesetzt hat: So lässt sich per Katheter eine Chemotherapie unmittelbar am Tumor durchführen. Metastasen in der Leber können von innen heraus mit radioaktiven Kunstharzkügelchen bekämpft werden.

Neu und sehr vielversprechend sind auch Immuntherapien: Hierbei werden körpereigene Abwehrkräfte aktiviert, die Krebszellen gezielt angreifen. "Man kann damit den Krebs noch nicht heilen, aber einen Patienten so stabilisieren, dass sein Leben deutlich verlängert wird - bei guter Lebensqualität", berichtet Dr. Manuel Streuter, Leiter des Lungenkrebszentrums am Helios Klinikum Krefeld. Für Haut- und Lungenkrebs gibt es zugelassene Verfahren dieser Art, bei Brustkrebs sind sie in der Entwicklung.

Auch ganzheitliche Behandlungsansätze haben in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen: "Heute richtet sich die Therapieplanung deutlich mehr an den persönlichen Bedürfnissen, der psychischen Konstitution und der Lebensqualität von Krebs betroffener Patienten aus", erklärt Streuter. "Ängste in Bezug auf die Lebenserwartung, die medizinische Behandlung, aber auch auf das eigene Körperbild, die berufliche Zukunft und das Familienleben bestimmen die Gedanken nach einer Krebsdiagnose. Entscheidend sind dann ein vertrauensvolles Verhältnis und ein offenes Ohr für Patienten und Angehörige. Hier leisten unsere Kollegen aus Psychoonkologie und der onkologischen Fachpflege einen ganz entscheidenden Beitrag."

Weitere Informationen und alle Teile der Reihe "Kampf dem Krebs" finden Sie hier >

(RP)
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