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Krefeld: MSM verabschiedet "guten Moderator"

Krefeld : MSM verabschiedet "guten Moderator"

Menschlich angesehen und mit trockenem Humor hat Heinz Strohe das bedeutende Gymnasium zum Erfolg geführt.

Hochgewachsen, drahtig, aber auch ein wenig nachdenklich stand Heinz Strohe am Tage seiner Verabschiedung als Schulleiter des Fischelner Maria-Sibylla-Merian-Gymnasiums (MSM) im Eingangsbereich der Aula und begrüßte die Gäste. Unter ihnen befand sich - neben Vertretern von Schulministerium und Bezirksregierung - Oberbürgermeister Frank Meyer und die Spitzen des Fachbereichs Schule. Mit über 80 Lehrkräften und 1035 Schülern gehört das MSM zu den großen Krefelder Gymnasien. Die von der Schließung der Hauptschulen, Neugründung von Gesamtschulen und Zusammenlegung von Gymnasien geprägte Wandlung der Krefelder Schullandschaft habe das MSM unter der Leitung von Strohe glänzend bewältigt, lobte der Vertreter der Bezirksregierung Stefan Holtschneider.

Strohe sei geradlinig und berechenbar gewesen, ein guter Moderator, der nie nach Aktenlage entschieden , sondern immer die spezifische Situation zugrunde gelegt habe. Der bekennende Fan des gebeutelten 1. FC Köln hat selber bis zu seinem 50. Lebensjahr aktiv Fußball gespielt. Heute fährt er Ski. Den Lehrberuf hat Strohe ursprünglich gar nicht angepeilt, als er in Bonn Mathematik und Physik studiert habe. Vielmehr war er der Uni-Forschungsgruppe Nuklearphysik beigetreten. Von einer wissenschaftlichen Laufbahn kam er aber ab, als er an einem Ahrweiler Gymnasium als Aushilfslehrer Physik unterrichtete. Stationen auf Strohes Weg in die Schulleitung des MSM waren das Fichte-Gymnasium, das Uerdinger Gymnasium Am Stadtpark, das neu gegründete Anrather Gymnasium und schließlich das MSM, wo er 2004 die Stellvertretung der damaligen Leiterin Maria Köhler-Degner übernahm und nach deren Eintritt in den Ruhestand 2008 Schulleiter wurde.

Der OB erinnerte an das große Paket, das Strohe in seiner Amtszeit habe schnüren müssen, bestehend aus dem Wechsel von G9 zu G8, den internationalen Seiteneinsteiger-Klassen und der Öffnung für die Inklusion. Mit dem ihm eigenen staubtrockenen Humor, der erst nach langer Lunte zünde, habe er dies bewältigt. Der scheidende Schulleiter hinterlasse eine gastfreundliche Schule mit einem hohen Integrationsvermögen, die keinerlei Existenzsorgen zu fürchten habe. Schülersprecherin Clara Kötting sprach an Strohe gewandt in einer stark mit Beifall bedachten Rede nicht von einer Feier des Abschieds, sondern der eines Beginns. Die Schüler hätten in dem Schulleiter auch immer zuvorderst die Lehrerpersönlichkeit gesehen. Alle würden sich positiv an seinen Mathematik- und Physikunterricht erinnern.

Als Vertreter der Schülereltern erinnerten Kathrin Batzill und Dirk Kraues an die positive Zusammenarbeit, die sie als die "Strohesche Art" des Umgangs miteinander bezeichneten.

Klemens Seth, der Vertreter der Krefelder Gymnasien, konnte das Zensieren nicht lassen: die Größe der Klassen - unzumutbar, der Stand der Erziehung - eher bedenklich, der Zustand der Gebäude - noch nicht befriedigend. In einer persönlich gehaltenen Rede verwies Seth auf die Herkunft Strohes, der mit drei Geschwistern auf einem kleinen Ahrwinzerhof in der Umgebung von Sinzig aufwuchs. Die damalig vorherrschenden kargen Verhältnisse hätten bewirkt, dass Strohe später die Bodenhaftung nie verloren habe. Das Kollegium dankte mit einem disziplinierten A-capella-Kanon, dessen Text aus vielen nur Pädagogen verständlichen Begriffen für die täglichen Lehrerpflichten bestand und abrupt mit dem Wort "Ruhestand" endete.

Der so Geehrte bedankte sich mit einer launigen Rede für die vielen Dankesworte, hatte aber noch einige Wünsche: Das Gymnasium solle kein Gemischtwarenladen werden, die technische Ausstattung der Schule solle wieder das Niveau wie vor fünf Jahren erreichen, und das Raumangebot sei dringend zu erweitern und die Rückkehr zu G9 solle gelingen.

(oes)