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Krefeld: Drei Operndiven machen Cabaret

Krefeld : Drei Operndiven machen Cabaret

Ein Geheimtipp ist die kleine, feine Reihe "LiedGut" längst nicht mehr. Großer Andrang herrschte jetzt im Theater, als zum sechsten Mal Besonderheiten der Lied-Literatur auf dem Programm standen. Drei Sopranistinnen sangen Brecht, Weill und Schönberg.

Die von Theater-Kapellmeister Michael Preiser initiierte Reihe "LiedGut" erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Bei der sechsten Veranstaltung dieser vokalen Serie war auf der reich bestuhlten großen Bühne des Theaters kein Platz mehr frei. Das ist sicher nicht nur im stilsicheren und brillanten, doch immer am Gesang orientierten Klavierspiel Preisers begründet, sondern auch im unerschöpflichen Einfallsreichtum des Initiators in Bezug auf die Programmgestaltung.

"Cabaret-Songs" hieß es diesmal, und dazu hatte der Pianist, der auch kenntnisreich moderierte, sich der Mitwirkungen zweier Ensemble-Mitglieder versichert, die dieses Genre beherrschen, obwohl sie auch im klassischen Bereich zu Hause sind: der Sopranistinnen Debra Hays und Gabriela Kuhn. Außerdem vollgültig mit dabei war die Sopranistin des Opernstudios Panagiota Sofroniadou.

Die junge Sängerin konnte sogleich mit Liedern des eher als "Neutöner" bekannten Arnold Schönberg (1874-1951) reüssieren, mit den sehr frühen "Brettl-Liedern", die noch nichts von der späteren Zwölftonmusik ahnen lassen, für die Schönberg berühmt ist. In diesen fast melodiösen Beiträgen, aber auch bei den in vorbildlichem Französisch vorgetragenen Liedern von Poulenc - vor allem in "Les Chemins de l'amour" ("Die Wege der Liebe") - gefiel die mit einem tragfähigen, höhensicheren Sopran beschenkte Sängerin außerordentlich.

Gabriela Kuhn fesselte die Zuhörer in Mischa Spolianskys (1898-1985) "Lerne lieben ohne zu klagen" als vermeintlich braves "Heimchen am Herd" und rechnete in Edmund Nicks (1891-1974) "Brief einer verheirateten Frau an ihren Geliebten" in verbalen Attacken mit ihrem außerehelichen Freund ab. "Nanna's Lied" (Text von Bertold Brecht) von Kurt Weil (1900-1950) zeichnete beklemmend die trostlose Situation einer "Bordsteinschwalbe", und drei großartig gestaltete Lieder aus Georg Kreislers "Heute Abend: Lola blau" erinnerten an die seinerzeit erfolgreiche Theaterproduktion, ebenfalls mit Gabriela Kuhn.

Debra Hays, unverwüstlich frisches Urgestein des Theaters, begann mit Leonard Bernsteins (1918-1990) "I hate music" ("Ich hasse Musik"), um dann aus dessen köstlichem "Musikalischen Kochbuch" mit viel Witz, sprühendem Temperament und ungebrochener vokaler Klasse vier Rezepte zu verraten. Doch damit nicht genug. Hays wusste auch Benjamin Brittens (1913-1976) anspruchsvolle und schwierige "Cabaret Songs" - vor allem das teils rasante "Calypso" - großartig darzubieten.

Dem restlos begeisterten Publikum im Theater boten Moderator Preiser und die drei Sängerinnen als Zugabe noch die lustige Schilderung einer Frau, deren Obermieterin ein Opern- und deren Untermieterin eine Jazzsängerin ist.

(RP)