Kleve: Offene Wunden geheilt

Kleve: Offene Wunden geheilt

Vor 50 Jahren wurde die Zyfflicher St.-Martin-Kirche neu eingeweiht. Im 2. Weltkrieg extrem zerstört, zählt sie zu den schönsten Gotteshäusern des Bistums. Sonntag wird das Jubiläum mit einem Pontifikalamt gefeiert.

Am 7. und 8. Oktober 1961, also vor 50 Jahren, wurde die St.-Martin-Kirche in Zyfflich neu geweiht. Mit unvorstellbarem Engagement hatten es die Zyfflicher Dorfbewohner geschafft, die im 2. Weltkrieg extrem zerstörte Kirche, die als eine der schönsten im Bistum Münster eingeordnet wird, wieder aufzubauen.

Die Zyfflicher St.-Martin-Kirche heute. Foto: G. Evers

In einem Artikel im Klever Heimatkalender berichtet Friedhelm Wassenberg unter dem Titel "Steine klopfen als Hausaufgabe" anschaulich über die Anstrengungen der Gemeindemitglieder vor dem denkwürdigen Tag der Wiedereinweihung, erst 16 Jahre nach Kriegsende. Die Bombardierung und der Beschuss im Zusammenhang mit der englischen Luftlandung 1944 hatten aus dem Kirchbau eine todwunde Ruine gemacht. Es kam noch hinzu, dass die Dorfbewohner selbst noch vielfach armselig hausten, denn Zyfflich war Frontgebiet gewesen. Hier lagen keineswegs die "Perserteppiche im Kuhstall".

Begeisterung zum Wiederaufbau

Etwas prägte jedoch die Menschen von damals: der feste Wille zum Weiterleben und die Begeisterung zum Wiederaufbau, und das nicht nur im materiellen Sinne. Als Bischof Tenhumberg 1961 bei der Wiedereinweihung in seiner Predigt sagte: "So gebe ich Euer Werk in Gottes Hand", fand er damit genau die passenden Worte, denn trotz vieler Hilfeleistung von außen, etwa durch die Denkmalpflege, war der Wiederaufbau in erster Linie ein Werk der Zyfflicher Bevölkerung.

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Der Herrgott hatte ein Zeichen gesetzt: Als die Kirche im Bombenhagel zusammenstürzte, verblieb das Allerheiligste unter den Trümmern. Und dort weilte es längere Zeit — eine ergreifende Stelle der Anbetung, bis später eine Notkirche errichtet wurde. Als dann die Kirchengemeinden Wyler-Zyfflich in Fritz Häfner einen jungen Pastor zugewiesen bekamen, hätten sie keinen besseren für den Aufbau erhalten können. "Möglicherweise muss dem Bischof bei seiner Weihe etwas Zement ins Öl geraten sein, denn er verstand etwas vom Bau", schrieb Friedhelm Wassenberg damals.

Aufbau bedeutete für die Dorfbewohner neben den vielen Arbeiten am eigenen Wohnhaus und auf dem Feld vor allem Steine klopfen. Das war eine besondere Aufgabe der Jugendlichen und Schulkinder, die damals noch in einer Baracke unterrichtet wurden. Oft hieß die Hausaufgabe: "Steine klopfen".

Als sich dann im Herbst 1961 der Einweihungstag näherte, war es wie im Fieber. Es wurden zwei unvergessliche festliche Tage. Im Zusammenhang mit dem Jubiläum "50 Jahre Kirchweih St.-Martin Zyfflich" ermöglichen zahlreiche Veranstaltungen einen Rückblick auf die Geschichte und den Wiederaufbau der Kirche. Am Sonntag, 9\. Oktober, 11 Uhr, wird das Jubiläum mit einem Pontifikalamt gefeiert, das vom Projektchor musikalisch mitgestaltet wird.

(RP/rl)
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